Hallo zusammen,
wir bauen gerade unser erstes Eigenheim und stehen vor der Entscheidung welche Wärmepumpe wir nehmen sollen. Unser Elektriker hat uns jetzt gefragt ob wir eine 400V oder 230V Wärmepumpe planen, weil er das bei der Hausverteilung schon vorbedenken muss. Und da stehe ich ehrlich gesagt etwas auf dem Schlauch.
Unser Haus hat ca. 140qm Wohnfläche, wird nach KfW40 gebaut, also gut gedämmt. Heizlast liegt laut Planung bei etwa 7-8kW. Wir wollen auch Warmwasser über die Wärmepumpe abdecken und haben eine PV-Anlage mit 10kWp geplant.
Jetzt habe ich gelesen dass kleinere Wärmepumpen oft einphasig also 230V laufen, größere dann dreiphasig mit 400V. Aber welche Grenze gilt da eigentlich genau? Und gibt es Unterschiede im Betrieb, bei der Effizienz oder bei der Netzbelastung? Unser Netzbetreiber ist da auch noch im Spiel mit irgendwelchen Anmeldepflichten, das macht das ganze nicht einfacher.
Besonders interessiert mich auch: Falls wir später mal eine Klimafunktion nachrüsten wollen für den Sommer (gerade bei den Temperaturen die wir dieses Jahr haben denkt man ja automatisch drüber nach), spielt das eine Rolle bei der Wahl?
Für jeden Tipp bin ich dankbar, ich blicke da gerade wirklich nicht ganz durch.
Viele Grüße
NeubauWaerme42
Bisschen Gegenwind von mir, nicht weil die anderen falsch liegen, sondern weil ich die Frage mit der Klimafunktion ernst nehmen würde.
Nicht jede 400V Inverter-WP kann aktiv kühlen. Viele können nur passiv kühlen (also Flächenheizung als Kühler nutzen ohne extra Kompressorleistung), was bei 140qm und heißen Sommern wie in diesem Jahr ehrlich gesagt oft nicht reicht. Aktive Kühlung braucht einen Vierwegeventil im Kältekreis und nicht alle Geräte haben das serienmäßig – manche nur gegen Aufpreis oder gar nicht.
Wenn euch die Klimafunktion wirklich wichtig ist, würde ich das als Auswahlkriterium ganz oben setzen bevor ihr überhaupt über die Spannung nachdenkt. Denn die Spannung ergibt sich dann fast von selbst.
Die Kosten für aktive Kühlung versus passiver Kühlung hab ich mir damals auch gut überlegt – ähnliche Rechnung wie beim Thema Warmwasser vs. Durchlauferhitzer: Stromkosten 2026: Wann rechnet sich WWP gegenüber Durchlauferhitzer?
Guter Punkt vom Thomas oben mit der aktiven Kühlung, das wird oft unterschätzt.
Ich mach's kurz: 400V nehmen, Punkt. Bei eurer Heizlast und KfW40 seid ihr mit einem modernen Inverter-Gerät zwischen 8-10kW Nennleistung gut bedient. Das läuft alles dreiphasig. Die einphasigen 230V-Geräte sind ne Nische die euch nicht betrifft.
Dem Marco kann ich so zustimmen. 400V ist bei eurer Konstellation die einzig sinnvolle Wahl.
Was ich noch ergänzen würde: Beim Netzbetreiber musst du die Anlage anmelden, das ist Pflicht. Für Wärmepumpen über 4,6kW Aufnahmeleistung (nicht Heizleistung!) gilt in den meisten Netzbereichen eine Anmeldepflicht nach VDE-AR-N 4100. Manche Netzbetreiber wollen auch ein Rundsteuerempfänger oder Smart-Grid-Schnittstelle – das solltest du vorher klären, nicht hinterher.
Bei eurer PV-Anlage mit 10kWp macht ein WP-Tarif mit separatem Zähler übrigens durchaus Sinn, kombiniert mit der SG-Ready-Funktion der WP. Hab das selbst so umgesetzt und die JAZ verbessert sich spürbar wenn die WP bevorzugt tagsüber läuft – dazu hab ich hier schon was geschrieben: Inverter-WP vs. On-Off: Welche JAZ ist realistisch erreichbar?
Kurz: 400V einplanen, Netzbetreiber früh kontaktieren, SG-Ready nicht vergessen.
Kurz gesagt: Bei 7-8kW Heizlast wirst du fast zwingend bei einer dreiphasigen 400V-Wärmepumpe landen, und das ist auch gut so.
Die 230V-Geräte sind meist nur bei sehr kleinen Leistungen bis ca. 3-4kW sinnvoll, also eher für gut gedämmte Tiny-House-Projekte oder reine Brauchwasserwärmepumpen. Alles was Richtung 6kW und mehr geht, läuft heutzutage praktisch ausnahmslos auf Drehstrom.
Der Hintergrund ist simpel: Ein 8kW-Gerät würde einphasig bei 230V rechnerisch über 34 Ampere ziehen. Das will kein Netzbetreiber und das will auch kein Hausanschluss. Dreiphasig verteilt sich die Last auf alle drei Außenleiter, also deutlich entspannter.
Zur Klimafunktion: Die meisten modernen Inverter-LWPs mit 400V können im Sommer problemlos aktiv oder passiv kühlen. Da würde ich mir also keine Sorgen machen – das Thema hatten wir übrigens auch schon im Kontext Hochtemperatur-WPs diskutiert: Heizkörper mit 70°C Vorlauf - welche WP schafft diese Temperaturen? – da ging es zwar um was anderes, aber die Gerätetypen überschneiden sich.
Also: Sag deinem Elektriker ruhig er soll 400V einplanen, du machst damit nichts falsch.