Moin zusammen,
ich bin Anlagenmechaniker und mache beruflich viele WP-Installationen mit. Jetzt hab ich aber eine Frage, bei der ich mich gerne mit anderen austauschen möchte – weniger aus Unwissen, mehr weil ich sehen will, was die Praxis so zeigt.
Thema ist die Rohrdämmung nach der Wärmepumpeninstallation. Bei uns im Betrieb dämmen wir grundsätzlich alles – Vor- und Rücklauf, Kaltwasserleitungen im unklimatisierten Bereich, Zirkulationsleitungen usw. Das ist auch nach EnEV bzw. GEG eigentlich Pflicht. Aber ich erlebe immer wieder, dass bei günstigeren Installationen da gespart wird oder die Dämmung nur halbherzig ausgeführt wird.
Mich interessiert jetzt aus Effizienzperspektive: Wie stark schlägt sich eine mangelhafte Rohrdämmung wirklich auf die JAZ nieder? Ich habe bei Messungen mit unserem Wärmebildkamersystem schon erschreckende Verluste an ungedämmten Leitungen im Keller gesehen – gerade jetzt im Sommer, wo die Temperaturunterschiede zwischen Rohr und Umgebung ja kleiner sind als im Winter, fragen sich manche, ob man das vernachlässigen kann.
Gibt es hier jemanden, der das mal systematisch verglichen hat? Oder Erfahrungen aus dem Betrieb, wie viel Wärmeverlust realistisch anfällt wenn z.B. 10 Meter Vorlaufleitung im unbeheizten Keller ohne Dämmung verlegt sind?
Freue mich auf eure Einschätzungen.
Grüße, Thomas
Als jemand der gerade alles neu plant: Das ist für mich ein klares Muss von Anfang an einzuplanen. Ich hab beim Erstgespräch mit dem Installateur explizit nach GEG-konformer Dämmung gefragt und der hat das völlig selbstverständlich aufgenommen. Ich glaube, wer hier beim Neubau oder bei der Neuinstallation spart, der ärgert sich später – gerade weil Nachrüsten im fertigen Keller dann nochmal Aufwand und Kosten bedeutet.
Ich bin da ehrlich gesagt etwas skeptisch was die 5-10% JAZ-Verlust angeht – das klingt für mich ein bisschen hoch gegriffen, zumindest für normale Einfamilienhausinstallationen mit überschaubarer Leitungslänge.
Bei meinem geplanten Umbau (hab dazu ja schon einiges im Reihenfolge-Thread geschrieben) habe ich den Installateur gefragt, und der meinte, 10 Meter ungedämmtes Heizungsrohr DN20 im Keller bei 10°C Temperaturdifferenz macht vielleicht 30–50W kontinuierlichen Verlust. Übers Jahr macht das natürlich was aus, klar. Aber ob das gleich mehrere Prozent JAZ sind, hängt stark vom Gesamtsystem ab.
Trotzdem: Dämmen würde ich auf jeden Fall. Kostet verhältnismäßig wenig, die Arbeit ist überschaubar und man macht nichts falsch damit. Nur die Verlustangaben sollte man nicht zu pauschal sehen.
Hi Thomas,
interessante Frage. Ich bin zwar kein Fachmann wie du, aber ich hab mich bei meinen Hersteller-Vergleichen natürlich auch intensiv mit dem Thema Systemeffizienz beschäftigt. Was ich dabei gelernt hab: Die Rohrdämmung wird in den offiziellen Leistungsangaben der Hersteller schlicht nicht berücksichtigt – die testen unter Laborbedingungen. In der Realität kann eine schlechte Dämmung locker 5–10% der JAZ kosten, hab ich von einem Heizungsbauer gehört, der das auch messtechnisch begleitet hat.
Im Sommer würde ich das übrigens nicht unterschätzen. Klar sind die absoluten Verluste etwas geringer wegen der kleineren Temperaturdifferenz, aber wenn die WP gerade für Warmwasserbereitung läuft, hast du im Keller bei 30°C Vorlauf und 26°C Umgebungstemperatur immer noch Verluste – und die gehen halt in den Keller statt ins Warmwasser. Ich hab dazu neulich auch was im Thread über den Sommer-COP-Einbruch geschrieben, wo das Thema auch kurz aufkam.
Kurz gesagt: Dämmen lohnt sich immer, auch wenns auf den ersten Blick nach Kleinkram aussieht.