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Heizlastberechnung selbst durchführen – oder besser dem Fachbetrieb überlassen?

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Helmut K.
Beiträge: 16
Themenstarter
(@h-krause)
Active Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#129]

Guten Tag zusammen,

als pensionierter Ingenieur beschäftige ich mich seit geraumer Zeit intensiv mit der Thematik der korrekten Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – insbesondere für Bestandsgebäude, wo die tatsächlichen Wärmedurchgangskoeffizienten oft erheblich von den Annahmen abweichen.

Mich beschäftigt momentan eine grundsätzliche Frage, die ich hier gerne zur Diskussion stellen möchte: Wann ist es sinnvoll, die Heizlastberechnung als technisch versierter Laie – oder eben als Ingenieur im Ruhestand – selbst durchzuführen, und wann sollte man diese Aufgabe unbedingt einem Fachbetrieb überlassen?

Ich habe selbst mehrfach erlebt, dass Installationsbetriebe Heizlasten nach Faustformel hochrechnen – oft grob fehlerhaft, mit pauschalen 100 W/m² und fertig. Das führt dann zu überdimensionierten Anlagen, schlechter JAZ, häufigem Takten. Andererseits fehlt manchen Ingenieuren ohne spezifische Heiztechnikerfahrung das nötige Praxiswissen zu Leitungsverlusten, hydraulischem Abgleich und ähnlichem.

Gibt es unter euch Erfahrungen, wo die Eigenberechnung klar besser war als das, was der Fachbetrieb geliefert hat? Oder Fälle, wo trotz vorhandener technischer Kompetenz wichtige Aspekte übersehen wurden und der Fachbetrieb letztlich unverzichtbar war?

Besonders interessiert mich der Altbau-Kontext – dort sind die Unsicherheiten ja besonders groß.

Viele Grüße,
Helmut K.


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6 Antworten
Thomas-Krger
Beiträge: 36
(@thomas-krger)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich bin da etwas skeptischer als die Vorredner.

Die Heizlastberechnung selbst ist das eine. Aber was bringt eine korrekt berechnete Heizlast, wenn dann die Heizkörperauslegung nicht stimmt, der hydraulische Abgleich nach Gefühl gemacht wird oder die Regelkurve komplett falsch eingestellt ist? Das sind alles zusammenhängende Punkte. Ich erlebe hier im Forum immer wieder, dass Leute stolz eine saubere Heizlastberechnung vorweisen – und dann trotzdem eine mies laufende Anlage haben weil die Umsetzung nicht dazu passt.

Heizlast selber rechnen: ja, wenn man es kann. Aber bitte dann auch wirklich alles zusammen denken, nicht nur die eine Zahl am Ende. Gerade bei Altbau mit gemischten Heizkörpergrößen und teilweise unterschiedlichen Raumhöhen wird das schnell komplex. Und ob die realistischen COP-Werte bei den dann nötigen Vorlauftemperaturen noch akzeptabel sind, sollte man auch vorher durchrechnen – da werden die Versprechen mancher Hersteller gerne mal zu optimistisch dargestellt.


Antwort
ThomasBreuer
Beiträge: 7
(@thomasbreuer)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Bin auch gerade im Prozess mit meinem Altbau aus den 70ern und schau mir das hier aufmerksam an.

Ich hab ehrlich gesagt schlechte Erfahrungen mit Fachbetrieben bei dem Thema gemacht. Erster Betrieb: keine Berechnung, direkt Angebot für 12kW Gerät. Zweiter Betrieb: Berechnung nach Vereinfachungsverfahren, 45 Minuten Aufwand, wirkte nicht sehr sorgfältig. Ich hab dann selbst angefangen mich einzulesen – DIN EN 12831 ist für Laien allerdings wirklich kein Spaß.

Was mich interessiert: Gibt es Softwaretools die ihr empfehlen könnt, die halbwegs tauglich sind für den Altbau? Und Helmut – hast du als Ingenieur mit Excel gearbeitet oder ein spezialisiertes Tool genutzt? Ich frag weil ich den gleichen Weg gehen möchte, zumindest um die Betriebsangebote vernünftig prüfen zu können. Zum Thema GEG-Pflichten hab ich zwar schon nachgelesen, aber da geht es ja eher ums rechtliche.


Antwort
R.Hoffmann80
Beiträge: 10
(@r-hoffmann80)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Kurz aus der Praxis: Ich hab meine Heizlastberechnung selbst gemacht, der Fachbetrieb hat dann drübergeschaut und exakt eine Zahl verändert – die Lüftungswärmeverluste, weil ich im Altbau undichte Fenster unterschätzt hatte. Hat die Gesamtheizlast um knapp 8% nach oben korrigiert. War am Ende die richtige Dimensionierung.

Mein Fazit: Selber rechnen ja, aber unbedingt Vier-Augen-Prinzip. Gerade im unsanierten 70er-Jahre-Bau gibt es einfach zu viele Unbekannte. Die KNX-Anbindung und die Vorlaufoptimierung danach – das läuft bei mir sauber, weil die Basis von Anfang an gestimmt hat. Wenn die Heizlast falsch ist, kann man an der Regelung optimieren was man will, das kaschiert den Fehler nur.


Antwort
T.Brinkmann75
Beiträge: 8
(@t-brinkmann75)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Hallo Helmut,

interessante Frage, die ich mir bei meiner Hybrid-Anlage auch gestellt habe. Ich hab damals die Heizlastberechnung vom Fachbetrieb machen lassen – und im Nachhinein war das eine gute Entscheidung, weil die auch den hydraulischen Abgleich direkt mit gemacht haben. Das wäre für mich als Laie deutlich schwieriger gewesen.

Alerdings: Die Ausgangsbasis ihrer Berechnung war tatsächlich erschreckend grob. Pauschalwerte pro m², keine Berücksichtigung der Nordfassade, und das Thema Leitungsverluste im ungedämmten Keller tauchte gar nicht auf. Ich hab das dann selbst nachgerechnet – soweit meine Kenntnisse reichten – und ein paar Korrekturen eingefordert. Am Ende hat das Ergebnis gepasst.

Meine Erfahrung: Wer technisch fit ist, sollte die Berechnung zumindest parallel selbst machen, um die Plausibilität zu prüfen. Gerade bei Hybridanlagen, wo der Schaltpunkt zwischen WP und Gas richtig gesetzt sein muss, ist eine saubere Heizlastkurve Gold wert. Ich hab das auch im Thread zur Dimensionierung schon mal angesprochen.

Kurzum: Fachbetrieb für die offizielle Doku und den Abgleich, eigene Rechnung zur Kontrolle.


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