Hallo zusammen,
wir planen gerade einen Neubau (KfW 40, ca. 130qm, gut gedämmt) und mein Architekt hat jetzt die Idee ins Spiel gebracht, komplett auf eine Luft-Luft Wärmepumpe zu setzen – also ohne Fußbodenheizung oder sonstige Wasserheizung. Einfach ein Multisplit-System mit mehreren Innengeräten.
Ich muss ehrlich sagen, das klingt erstmal verlockend – kein aufwendiges Heizungssystem, keine Rohre durch die Decken, dazu Kühlung im Sommer. Gerade jetzt im Juni merkt man ja wie angenehm so ein System im Kühlbetrieb ist, haben das bei Freunden gesehen.
Aber ich frage mich: Ist das wirklich als Alleinlösung für Heizung tragfähig? Was passiert bei extremer Kälte, also -15 bis -20 Grad? Wie heizt man das Bad, wenn da kein Innengerät hängt? Und was ist mit Warmwasser – das ist ja komplett außen vor bei Luft-Luft, richtig?
Ich hab online viel Widersprüchliches gelesen. Manche sagen, im gut gedämmten Neubau reicht das locker. Andere meinen, man braucht unbedingt einen Backup-Heizstab oder Kamin.
Hat jemand das selbst so umgesetzt oder kennt konkrete Erfahrungsberichte? Was sollte ich unbedingt bedenken bevor ich dem Architekten grünes Licht gebe?
Danke schon mal!
Tobias
Ich bin da ehrlich gesagt skeptischer als die anderen hier. Luft-Luft als Alleinheizung im Neubau klingt erstmal super, aber ich frag mich immer: was ist wenn das Gerät im Januar ausfällt? Bei einer Fußbodenheizung mit Puffer hast du noch ein paar Stunden Komfort, beim Luftsystem ist die Wärme sofort weg. Und Servicetechniker kommen für Klimalgeräte im Winter erfahrungsgemäß nicht so schnell.
Dazu kommt: Wer baut heute schon ohne Backup? Der Architekt spart sich vielleicht Planungsaufwand, aber du als Bauherr trägst das Risiko. Ich würd zumindest drauf bestehen dass irgendwo ein kleiner Elektro-Heizstab oder eine Infrarotheizung als Notlösung eingeplant wird. Kostet kaum was in der Installation, gibt aber Sicherheit.
Interessante Frage, Tobias. Ich hab mich mit dem Thema Umschaltpunkte und Hybridsysteme schon länger beschäftigt (z.B. auch im Thread Hybrid-Umschaltung bei Kälte: Welche Temperaturschwelle ist optimal?), und die ehrliche Antwort ist: es kommt sehr stark auf dein Klima und die Gebäudehülle an.
Im KfW-40-Standard ist der Heizwärmebedarf so gering, dass Luft-Luft theoretisch ausreicht – solange das System gut dimensioniert ist. Aber du hast die richtigen Schwachstellen benannt:
1. Bad/WC: Ohne Innengerät dort wird's unangenehm. Entweder Handtuchheizkörper elektrisch oder ein kleines Gerät, aber das kostet wieder extra.
2. Warmwasser: Komplett separat lösen, entweder Brauchwasserwärmepumpe oder thermische Solar. Das ist kein Luxus, das ist Pflicht.
3. Extremkälte: Moderne Inverter-Geräte schaffen zuverlässig bis -20°C, aber der COP fällt dann auf 1,5 bis 2 – das ist nicht mehr wirklich effizient. Im KfW-40-Haus ist der Heizbedarf an solchen Tagen aber auch sehr gering.
Mein Fazit: Technisch machbar, aber ich würde zumindest einen kleinen Elektro-Backup einplanen für die wirklich kalten Tage. Und die Warmwasserfrage unbedingt klären bevor du ja sagst.
kurz gesagt: ja es geht, aber nur wenn du wirklich alles richtig planst. SCOP im Jahresbetrieb bei nem KfW-40-Haus kann durchaus bei 3,5+ liegen, das hab ich mal hier im Forum durchgerechnet (wer mag, COP und SCOP – was steckt wirklich hinter diesen Kennzahlen). Das Problem ist weniger die Effizienz sondern die Verteilung und eben WW wie alle schon sagten. Wenn PV aufs Dach kommt kannst du im Sommer den Großteil des Stroms für Kühlung und WW-WP selbst produzieren, das macht die Rechnung nochmal besser. Aber ohne PV und ohne guten Plan für WW würd ich dem Architekten nochmal ein paar kritische Fragen stellen.
Ich hab das bei uns ähnlich diskutiert, bevor wir uns für eine andere Lösung entschieden haben. Der Punkt mit den Betriebskosten ist nicht zu unterschätzen – gerade wenn kein PV auf dem Dach ist. An sehr kalten Tagen, wenn der COP runtergeht, zahlst du halt deutlich mehr pro kWh Wärme. Im gut gedämmten KfW-40-Neubau sind das zwar wenige Stunden im Jahr, aber es summiert sich.
Was mich bei Luft-Luft als Alleinlösung ehrlich gesagt noch stört: die Luftqualität. Wenn alle Innengeräte ständig warme Luft umwälzen, kann das in der Heizperiode recht trocken werden. Kombination mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) – die ja im KfW-40 eh fast Pflicht ist – hilft da, aber das muss alles aufeinander abgestimmt sein.
Die Warmwasserfrage hat TechHybrid oben schon richtig angesprochen. Das ist wirklich der größte Haken. Eine Brauchwasserwärmepumpe kostet extra, braucht Platz und Strom. Das sollte in die Gesamtrechnung rein bevor du vergleichst ob Luft-Luft wirklich günstiger als eine Luft-Wasser-WP mit FBH ist.