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Bivalenzpunkt selbst berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung?

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Markus H.
Beiträge: 10
Themenstarter
(@markus_h89)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#131]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiv mit dem Thema Hybrid-Wärmepumpe für mein Haus – aktuell heize ich noch mit einem älteren Gaskessel. Die Idee ist, die WP als primäre Wärmequelle zu nutzen und den Gaskessel nur noch als Backup bei extremer Kälte laufen zu lassen.

Jetzt bin ich über den Begriff "Bivalenzpunkt" gestolpert und ehrlich gesagt blick ich da noch nicht ganz durch. Ich verstehe das Konzept grundsätzlich: Ab einer bestimmten Außentemperatur schafft die WP die benötigte Heizlast nicht mehr alleine, und dann springt der Gaskessel zu. Aber wie berechne ich diesen Punkt konkret für mein Haus?

Was ich weiß: mein Haus hat einen Jahresgasverbrauch von ca. 18.000 kWh, Baujahr 1988, keine Fußbodenheizung, normale Heizkörper. Vorlauftemperatur geht im Winter auf 65-70°C hoch, was ich weiß, ist für eine WP eigentlich nicht ideal.

Meine konkreten Fragen:
- Welche Daten brauche ich genau für die Berechnung?
- Gibt es eine Formel oder Tabelle, mit der man das selbst hinbekommt?
- Hat jemand das schon selbst gemacht oder sich da durchgekämpft?

Ich bin kein Ingenieur, aber ich kann mit Zahlen umgehen. Wäre super wenn jemand das mal Schritt für Schritt erklären könnte. Vielen Dank schon mal!

Markus


5 Antworten
Thomas K.
Beiträge: 15
(@thomask30)
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Beigetreten: Vor 2 Monaten

Markus, als Ingenieur der sich viel mit Wärmesystemen beschäftigt, kann ich dir da etwas Struktur geben.

Der Bivalenzpunkt berechnet sich formal so:

**Schritt 1 – Normheizlast ermitteln:**
Deine 18.000 kWh Gasverbrauch beinhalten auch Warmwasser, abzüglich ~10-15% sind es vielleicht 15.500 kWh reine Heizenergie. Die Vollbenutzungsstunden liegen bei einem Haus deines Baujahrs oft bei 1.600-1.900 h/a. Ergibt eine mittlere Leistung von ~8-10 kW. Die Spitzenlast bei Normausssentemperatur ist aber höher – Faktor 1,5 bis 2 wäre typisch, also grob 12-16 kW.

**Schritt 2 – Heizlastkurve zeichnen:**
Die Heizlast verhält sich linear zur Außentemperatur. Bei +15°C = 0 kW (Heizgrenze), bei -12°C = deine Normheizlast. Dazwischen linear interpolieren.

**Schritt 3 – WP-Leistungskurve drüberlegen:**
Jede WP hat im Datenblatt eine Leistungstabelle abhängig von Außentemperatur UND Vorlauftemperatur. Bei 65°C VL sieht das leider mager aus – viele Luft-WP liefern dann bei -7°C nur noch 50-60% der Nennleistung.

Der Schnittpunkt beider Kurven = Bivalenzpunkt.

Bei deinen VL-Temperaturen würde ich ehrlich sagen: der Bivalenzpunkt wird relativ hoch liegen, vermutlich um 0 bis +3°C. Das bedeutet, der Gaskessel muss im Winter sehr oft ran. Wirtschaftlichkeit dann genau prüfen.


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Stefan W.
Beiträge: 10
(@s-weber)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Maximilian hat das mit der Förderung richtig angesprochen. Ergänzend dazu: Ich habe letztes Jahr bei einem ähnlichen Projekt geholfen, den Förderantrag durchzubringen, und da war die vom Fachbetrieb dokumentierte Heizlastberechnung inklusive Bivalenzpunkt Pflichtbestandteil der Unterlagen. Ohne das kein Geld.

Also wenn du das eh berechnen willst – lass es direkt vom Heizungsbauer offiziell dokumentieren, das kostet meist nichts extra wenn du den Auftrag gibst, und du hast gleich die Förderunterlagen parat.

Zur eigentlichen Frage: Ich hab in einem anderen Thread schon mal was zu Systemdokumentation geschrieben – grundsätzlich gilt: je besser die Ausgangsdaten, desto verlässlicher die Berechnung. Gasverbrauch allein reicht nicht.


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WaermepumpeMax
Beiträge: 11
(@waermepumpemax)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Kurze Ergänzung zur Förderung, die hier noch keiner erwähnt hat: Bei einem Hybridsystem mit Gas + WP gibt es BAFA-Förderung, aber die ist an bestimmte Effizienzanforderungen geknüpft – unter anderem an einen sinnvoll gesetzten Bivalenzpunkt. Das lohnt sich also doppelt, das korrekt auszurechnen. Aktuell 30% Grundförderung + mögliche Boni, je nach Einkommenssituation und ob eine alte Heizung ersetzt wird.


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T.Weber
Beiträge: 39
(@t-weber)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich sehe das etwas pragmatischer nach meinen Erfahrungen: Die Theorie ist schön, aber in der Praxis weicht der tatsächliche Bivalenzpunkt oft vom berechneten ab – weil Gebäude im Alltag anders performen als auf dem Papier.

Was ich bei Hybridanlagen immer wieder beobachte: Installateur legt den Bivalenzpunkt auf -5°C fest, in der Realität springt der Kessel schon bei +2°C an weil die Hydraulik nicht stimmt oder der Pufferspeicher zu klein ist. Das frisst dann die ganze Ersparnis auf.

Mein Tipp: Schau dir erstmal eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 an – entweder vom Heizungsbauer machen lassen oder online-Rechner nutzen (z.B. von Buderus oder Viessmann, die haben da brauchbare Tools). Dann hast du eine solide Basis. Vom Gasverbrauch allein auf die Spitzenlast schließen ist wirklich nur pi mal Daumen.

Und bevor du überhaupt WP planst: hydraulischer Abgleich und prüfen ob Heizkörper vergrößert werden können. Bei 65°C VL wirst du mit den meisten Luft-WP Effizienz-mäßig nicht glücklich.


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