Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema, weil ich überlege ob ich meine alte Gasheizung komplett rausschmeißen und durch ein Luft-Luft-System ersetzen soll. Ich wohne in einer Gegend wo wir im Winter schon mal -15 bis -18 Grad kriegen, das kommt zwar selten vor aber es kommt vor.
Nun lese ich überall unterschiedliche Sachen. Die einen sagen moderne Inverter-Splits laufen problemlos bis -20 Grad oder sogar darunter, die anderen sagen die COP bricht bei Minustemperaturen so stark ein dass es wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn mehr macht. Ich frage mich also: ab welcher Außentemperatur sollte man wirklich nicht mehr auf Luft-Luft setzen, zumindest nicht als alleiniges System?
Dazu kommt: wenn der COP z.B. bei -15 Grad nur noch bei 1,5 oder so liegt, dann ist das ja fast wie direktes Elektroheizen. Wo liegt da der Break-Even im Vergleich zur Gasheizung?
Ich weiß, jetzt ist Sommer und eigentlich freut man sich über die Klimafunktion – aber ich plane lieber jetzt in Ruhe als im Oktober wenn alle Handwerker ausgebucht sind. Hat hier jemand Erfahrungen mit wirklich kalten Wintern und Luft-Luft als einziger Wärmequelle? Was habt ihr erlebt, wo lagen eure Grenzen?
Danke schon mal!
Gute Frage, ich hab mich da auch schon länger mit beschäftigt – unter anderem weil ich bei mir überlegt hatte ob überhaupt eine Luft-Lösung in Frage kommt (hab dazu auch mal im Kompakte Wärmepumpe für Garten 4x3m - was ist noch möglich? Thread geschrieben).
Die kurze Antwort: als alleiniges Heizsystem in Regionen mit regelmäßigen Temperaturen unter -12 Grad würde ich Luft-Luft nicht empfehlen. Die meisten Geräte haben zwar auf dem Datenblatt -20 oder sogar -25 Grad als Betriebsgrenze stehen, aber das ist nicht gleichbedeutend mit 'wirtschaftlich sinnvoll'. Der COP fällt je nach Modell bei -15 Grad auf 1,2 bis 1,8 runter – das stimmt schon was du schreibst, da ist der Unterschied zu nem Heizstab nicht mehr riesig.
Was viele machen: Luft-Luft als Hauptsystem + kleinen Elektroheizstab oder Pelletofen als Backup für die wenigen echten Kältetage im Jahr. Wenn du aber wirklich -15 Grad regelmäßig hast, würd ich ernsthaft über Luft-Wasser nachdenken.
Um mal etwas Technik beizusteuern:
Der COP-Einbruch bei tiefen Außentemperaturen ist physikalisch unvermeidbar – das ist keine Frage der Gerätequaliät sondern des Carnot-Prinzips. Je größer die Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle (Außenluft) und gewünschter Raumtemperatur, desto schlechter der theoretisch maximal erreichbare COP. Bei -15 Grad Außen und 21 Grad Raum reden wir von einer Temperaturspreizung von 36 K, das ist für Luft-Luft-Systeme eine echte Herausforderung.
Praktisch gesehen: aktuelle Hochleistungs-Inverter (Daikin Perfera, Mitsubishi Hyper Heat, etc.) schaffen bei -15 Grad oft noch einen COP um die 1,8 bis 2,2 laut Datenblatt unter Laborbedingungen. Realistisch im Feld, mit Abtauzyklen und tatsächlicher Lastverteilung, eher 1,4 bis 1,7. Das ist deutlich schlechter als im Normalbetrieb aber immer noch besser als Direktstrom.
Der eigentliche Knackpunkt ist wie Markus79 schon schreibt: nicht der Wirkungsgrad allein, sondern ob die Nennheizleistung noch für die Heizlast deines Gebäudes reicht. Das musst du konkret berechnen lassen. Ohne Heizlastberechnung ist das alles Kaffeesatzleserei.
Ich hatte dazu schonmal ne interessante Diskussion, weil ich im Winter Probleme mit meinem System hatte und auch das Defrost-Verhalten nicht ganz verstanden hab – das war hier: Behauptet mein Heizungsbauer Unsinn über WP-Defrost bei -15°C?
Kurz zu deiner Frage: ich hab ein Luft-Luft-System und letzten Winter hatten wir hier zwei Wochen mit Temperaturen zwischen -10 und -14 Grad. Das Gerät hat die ganze Zeit durchgelaufen, aber ich hab gemerkt dass es in den kältesten Nächten nicht mehr ganz auf Wunschtemperatur gekommen ist. Ich musste einen zusätzlichen kleinen Radiator aufstellen. Das war kein Drama, aber als alleinige Heizung hätte ich da schon ein komisches Gefühl gehabt.
Der Punkt mit dem COP stimmt – bei unter -10 Grad merkt man das deutlich auch auf der Stromrechnung. Wenn du wirklich -18 Grad regelmäßig erwartest, würde ich ehrlich gesagt kein reines Luft-Luft-System als einzige Heizquelle einplanen.
Naja, ich find die Diskussion interessant aber ein bisschen theoretisch. Die entscheidende Frage für mich wäre: wie gut ist dein Haus gedämmt?
Ein gut gedämmter Neubau mit 70 qm braucht an einem -15-Grad-Tag vielleicht 3-4 kW Heizleistung. Das schafft ein ordentlicher Split locker auch bei solchen Temperaturen. Ein schlecht gedämmter Altbau mit 150 qm braucht vielleicht das Dreifache – da ist dann wirklich Schluss.
Ohne diese Info ist die Frage 'geht Luft-Luft als alleinige Heizung bei -15 Grad' schlicht nicht zu beantworten. Ich würde erst eine Heizlastberechnung machen lassen, dann schauen was konkrete Geräte bei den Extremtemperaturen deiner Region noch liefern, und dann entscheiden.