Hallo zusammen,
nach gut 8 Jahren Abstinenz bin ich wieder hier und stehe vor einem größeren Projekt. Ich plane den Umstieg auf eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer bestehenden Fußbodenheizung. Jetzt bin ich gerade dabei, die Brunnenanlage zu dimensionieren, und dabei taucht immer wieder die Frage nach dem realistisch erreichbaren COP auf.
Theoretisch klingt das ja traumhaft: Grundwasser hat bei uns (Bayern, ca. 60km nördlich von München) das ganze Jahr über ziemlich konstante 10-12°C. Mit meiner FBH die auf 35°C Vorlauf ausgelegt ist, müsste der COP ja deutlich besser sein als bei einer Luft-Wasser-WP.
Nur: Wie sieht das in der Praxis wirklich aus? Ich lese in Datenblättern Werte zwischen 5,0 und sogar über 6,0 bei W10/W35. Sind das reale Betriebswerte oder Laborbedingungen? Was beeinflusst den COP bei Wasser-Wasser-Systemen am stärksten – also abgesehen von der Quellentemperatur? Spielt da das Kältemittel noch eine Rolle, oder ist das bei diesen Quelltemperaturen eher zweitrangig?
Und noch eine Folgefrage: Im Sommer möchte ich auch kühlen. Ich vermute, dass man bei Wasser-Wasser dabei sogar besonders effizient ist – stimmt das, oder ist das Wunschdenken?
Freue mich über Erfahrungen aus der Praxis!
Viele Grüße,
M.Richter
Ich hab das Thema COP bei verschiedenen Herstellern intensiv verglichen und kann das von MarkusT84 nur bestätigen – Wasser-Wasser ist bei vernünftiger Brunnendimensionierung wirklich auf einem anderen Niveau. Ich hab mal im Rahmen meiner Herstellervergleiche (ich poste dazu öfter hier, zuletzt auch im COP-Diagnose-Thread) Datenblätter von Vaillant, Viessmann und Stiebel Eltron nebeneinandergelegt.
Bei W10/W35 liegen die realen COPs im Betrieb je nach Gerät und Einbindung bei ca. 4,5 bis 5,5 – also ja, etwas unter dem Datenblatt, aber deutlich besser als Luft-Luft. Der Knackpunkt ist fast immer die Brunnenanlage selbst: Wenn der Schluckbrunnen bei hoher Last nicht richtig aufnimmt, sinkt die Quelltemperatur oder es gibt Druckprobleme, und dann zieht der COP spürbar an.
Für Bayern mit 10-12°C Grundwasser klingt das nach sehr guten Voraussetzungen. Ich würde trotzdem ein Hydrogeologisches Gutachten empfehlen bevor irgendwas gebohrt wird – das spart nachher Nerven.
Kurze Antwort vorweg: Ja, die Werte aus den Datenblättern sind unter Laborbedingungen ermittelt, aber bei W10/W35 kommt man im realen Betrieb tatsächlich sehr nah dran – deutlich näher als bei Luft-Wasser-WPs.
Ich messe das bei mir zwar mit einer Luft-WP, aber ich beschäftige mich intensiv mit den Leistungsdaten und hab mir dazu auch schon viel durchgelesen (u.a. im Kontext meiner Smart-Home-Auswertungen, wie ich das hier mal beschrieben habe).
Bei Wasser-Wasser sind die Haupteinflussfaktoren auf den COP: Förder- und Schluckmenge des Brunnens (beeinflusst die reale Quellentemperatur unter Last), Druckverluste in den Brunnenkreisen, Verdichtertyp und natürlich die Vorlauftemperatur der FBH. Das Kältemittel spielt bei guten Quelltemperaturen eine eher untergeordnete Rolle, du wirst da aber R32 oder R290 vorfinden – beide gut geeignet.
Zur Sommerkühlung: Ja, bei W-W kann man das sogar passiv über einen Wärmetauscher machen (Free Cooling), dann laufen nur die Pumpen und der COP spielt da gar keine Rolle mehr. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Luft-WP.
Wegen dem Kühlthema im Sommer – das interessiert mich auch total! Hab in einem anderen Thread schon gefragt ob sich Kühlung bei WPs wirklich lohnt. Dieses "Free Cooling" das MarkusT84 erwähnt klingt eigentlich perfekt, hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm. Gibt's dafür bestimmte Hersteller die das besonders gut umgesetzt haben?