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SCOP oder COP beim Wärmepumpen-Vergleich - was zählt wirklich?

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Werner-Kessler
Beiträge: 17
Themenstarter
(@werner-kessler)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen
[#92]

Hallo zusammen,

ich stehe gerade vor der Kaufentscheidung für eine neue Luft-Wasser-Wärmepumpe und bin bei den Kennzahlen etwas verwirrt. In jedem Datenblatt tauchen COP und SCOP auf, und je nachdem welchen Wert man vergleicht, sieht das Ranking der Hersteller völlig anders aus.

Mein Installateur sagt, ich soll auf den SCOP schauen, weil der den Jahresbetrieb abbildet. Aber dann lese ich in anderen Quellen, dass der SCOP stark vom Klimazone und Berechnungsansatz abhängt und man aufpassen muss, welche Norm dahintersteht (EN 14825 oder was auch immer). Außerdem habe ich gelesen, dass der SCOP in manchen Fällen mit Testhäusern und Lastprofilen berechnet wird, die mit meinem Altbau aus den 60ern wenig zu tun haben.

Der COP ist dagegen ein Momentanwert bei definierten Bedingungen (z.B. A7/W35) - also eher vergleichbar, aber auch nur ein Blitzlicht.

Was nutzt ihr als Entscheidungskriterium? Legt ihr mehr Wert auf den SCOP oder vertraut ihr lieber bestimmten COP-Messpunkten (z.B. bei Minus-Graden, weil das bei mir im Winter relevant ist)? Und gibt es Erfahrungen damit, wie weit die Herstellerwerte in der Realität abweichen?

Bin dankbar für jeden Hinweis, der mir hilft, hier nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Grüße, Werner


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5 Antworten
WPSkeptiker47
Beiträge: 24
(@wpskeptiker47)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich will mal kurz die Gegenperspektive einbringen: Solange die Messung nicht unabhängig verifiziert ist, sind mir beide Werte ehrlich gesagt suspekt. Ich hab das schon bei meiner eigenen Installation gemerkt - der versprochene SCOP und die tatsächliche Jahresarbeitszahl lagen deutlich auseinander. Nicht dramatisch, aber spürbar.

Eine Zahl im Datenblatt ist keine Garantie.


Antwort
L.Fischer
Beiträge: 34
(@l-fischer)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich sehe das pragmatisch: Den SCOP für die grobe Vorauswahl, und dann die COP-Tabelle aus dem Datenblatt für die relevanten Betriebspunkte genauer anschauen. Bei uns war A2/W45 der häufigste Betriebspunkt im Winter, weil wir gedämmte Heizkörper haben und nicht runter auf 35 Grad kommen. Das hätte ich fast übersehen, weil alle immer nur über A7/W35 reden.

Was viele unterschätzen: Die Hilfsenergien (Pumpen, Abtauung, Steuerung) sind im SCOP nach EN 14825 schon drin, beim COP-Einzelwert aber nicht. Das macht schon einen Unterschied von 0,2 bis 0,4 im Vergleich.


Antwort
Stefan_75
Beiträge: 20
(@stefan_75)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Wochen

WPSkeptiker hat da leider nicht ganz Unrecht. Ich schau mir bei neuen Anlagen gerne die VDI 4650 Methode an - die gibt ne vereinfachte aber praxisnähere Schätzung der Jahresarbeitszahl speziell für den deutschen Standort. Ist kein Ersatz für echte Messung, aber besser als die normierten Testbedingungen.

Und noch was zu den Minusgraden: Hab im Minus-15-Grad-Thread schon mal geschrieben, dass viele WPs bei tiefen Temperaturen deutlich unter ihren Mittelwert-COP fallen. Für Werner heißt das: Wenn du 60er-Jahre-Gebäude hast und die WP im Winter gegen -10°C kämpfen muss, dann ist der A-7/W55 COP dein wichtigster Einzelwert, nicht der gemittelte SCOP. Den SCOP nur als Tiebreaker zwischen sonst ähnlichen Geräten nutzen.


Antwort
Sarah96
Beiträge: 23
(@sarah96)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Hallo Werner! Ich finde deinen Ansatz gut, das kritisch zu hinterfragen. Ich hab bei meiner Heizlastberechnung für unseren Altbau gemerkt wie sehr die Norm-Annahmen von der Realität abweichen können - ähnliches gilt beim SCOP.

Kurze Ergänzung: Der SCOP nach EN 14825 gibt es in verschiedenen Varianten je nach Heizungsart. Für Radiatoren wird ein anderes Lastprofil angenommen als für Fußbodenheizung. Deswegen unbedingt checken, welches Profil beim angegebenen SCOP-Wert zugrunde liegt! Ein SCOP für FBH klingt immer besser wegen der niedrigeren Vorlauftemperaturen, ist aber für deinen Altbau mit Heizkörpern weniger aussagekräftig.

Außerdem: Im Sommer (gerade aktuell) ist eh alles easy, da performt fast jede WP gut wenn man aktives Kühlen hat. Der harte Test kommt im Januar. Also würde ich genau da schauen wie der Hersteller sich positioniert.


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