Moin zusammen,
ich stehe gerade mitten in der Planung meines Heizungsumbaus – weg von der alten Gastherme, hin zu einer Hybridlösung mit Luftwärmepumpe und Gasbrennwert als Backup. Die Fußbodenheizung ist soweit klar, aber beim Thema Warmwasserspeicher stehe ich etwas auf dem Schlauch.
Mein Anlageplaner hat mir pauschal einen 300-Liter-Speicher empfohlen, aber ich würde das gerne selbst nachvollziehen können – ich bin Projektleiter und rechne solche Sachen normalerweise lieber selber durch, bevor ich irgendwas abnicke.
Wir sind zu dritt im Haushalt (ich, meine Frau, ein Kind im Schulalter). Duschgewohnheiten würde ich als normal bezeichnen, kein Whirlpool oder sowas. Ich würde auch gerne wissen, ob die Berechnungslogik für eine reine WP anders ist als für eine Hybridlösung – weil die WP ja träger reagiert als ein Gasbrenner und der Speicher das vielleicht ausgleichen muss.
Und noch eine Frage die mich umtreibt: Jetzt im Sommer – macht es Sinn, einen bewusst größeren Speicher zu wählen, damit die WP morgens auf Vorrat heizt wenn der Strom günstig ist (wir planen später auch PV)? Oder ist das dann schon zu viel des Guten?
Freue mich über konkrete Erfahrungswerte, nicht nur Daumenregeln aus dem Datenblatt.
Hi Marco,
interessante Frage, ich stehe vor einer ähnlichen Entscheidung. Bin nach einigen Jahren Pause gerade wieder tief eingetaucht in das Thema Wärmepumpe und Warmwasserbereitung – damals hatte ich noch eine Ölheizung, da war die Speicherdimensionierung deutlich einfacher.
Was ich bisher rausgefunden habe: Die Faustformel '50 Liter pro Person' die viele nennen, gilt eher für konventionelle Systeme. Bei einer WP – und erst recht bei Hybrid – sollte man eher Richtung 60–80 Liter pro Person gehen, eben weil die WP träger ist und nicht spontan nachheizen kann wie ein Gasbrenner. Für euch drei wären das also 180–240 Liter Nutzvolumen, der 300-Liter-Speicher klingt erstmal plausibel, je nach Verlustfläche und Dämmung des Speichers.
Dein Gedanke mit der PV und nächtlichem/morgendlichem Vorladen ist übrigens sehr sinnvoll – das ist quasi der Standard wenn man mal eine Anlage hat. Da lohnt sich durchaus etwas mehr Puffer. Ich hab mich zuletzt intensiv mit der Förderseite beschäftigt (Stichwort BEG-Dokumentation), aber die technische Dimensionierung ist nochmal ein anderes Thema wo ich auch noch lerne.
Muss kurz einhaken: Die 50-Liter-Faustregel die Maximilian K. erwähnt ist tatsächlich sehr grob und geht oft von 60°C Speichertemperatur aus. Bei einer Wärmepumpe die auf 45-50°C lädt, hast du weniger nutzbares Volumen weil du beim Mischen weniger kaltes Wasser zugeben kannst. Das heißt: gleicher Speicher, aber effektiv weniger Warmwasser im WP-Betrieb.
Für die Praxis bedeutet das: Bei WP-Systemen lieber einen Speicher wählen der mindestens 20-25% größer ist als die klassische Formel ergibt. Für drei Personen wären das dann eher 280-350 Liter – der empfohlene 300-Liter-Speicher liegt also im richtigen Bereich, ich würde aber schauen ob der Speicher gut gedämmt ist. Alte oder billige Speicher verlieren pro Tag manchmal 3-5°C, das kostet bei einer WP echte kWh.
Bei meiner eigenen Planung einer Luft-Wasser-WP hab ich festgestellt dass die Qualität des Speichers (Schichtung, Dämmdicke) genauso wichtig ist wie die reine Literzahl. Das wird beim Kauf oft unterschätzt – im Altbau wie bei mir noch mehr als im Neubau. Hab dazu auch was im Altbau-vs-Neubau-Thread geschrieben.
Bei mir im Altbau-Reihenhaus hab ich genau dasselbe durchgerechnet und am Ende doch einen 400-Liter-Speicher genommen – auch auf Vorrat für spätere PV. Ob das die richtige Entscheidung war weiß ich ehrlich gesagt noch nicht, wir sind erst seit ein paar Monaten dabei. Der Speicher braucht halt auch Platz und kostet mehr in der Anschaffung, das sollte man nicht unterschätzen.
Also ich kann das aus der Praxis sagen: Wir sind zwei Personen im Haus, haben einen 200-Liter-Speicher, und der reicht bei normalen Gewohnheiten gut aus – aber wir haben keine Kinder mehr zuhause.
Für drei Personen inkl. Kind würde ich persönlich nicht unter 300 Liter gehen, eher etwas mehr wenn ihr später PV dazunehmt. Der entscheidende Punkt ist was du schon angesprochen hast: Mit PV kannst du den Speicher tagsüber im Sommer fast kostenlos auf Temperatur bringen und hast dann den ganzen Abend Ruhe. Da zahlt sich ein größerer Speicher wirklich aus, weil die Wärmepumpe effizienter läuft wenn sie selten aber dafür einmal richtig durchheizt, anstatt ständig kurze Zyklen zu fahren.
Ich hab das bei uns mit der PV-Abstimmung intensiv optimiert – kurze Taktzyklen waren bei uns auch ein Problem bevor ich die Ladezeiten angepasst hab. Hab dazu auch schon im Pufferspeicher-Thread was geschrieben, dort geht es zwar um den Heizpuffer aber die Prinzipien überschneiden sich.
Kurzum: 300 Liter für euren Haushalt ist solide, 400 Liter wenn PV geplant ist wäre ich nicht dagegen.