Hallo zusammen,
wir haben in unserem MFH (6 Wohneinheiten) gerade eine Luft-Wasser-WP mit ca. 30 kW Leistung eingebaut und ich beschäftige mich intensiv damit, wie wir das Lastmanagement im Mehrfamilienhaus sinnvoll umsetzen – besonders im Sommer, wenn die meisten Geräte eigentlich stillstehen.
Mein Eindruck: Die WP wird im Juli/August oft als unnötige Last im Netz positioniert, dabei könnte intelligente Steuerung hier viel bringen. Ich habe folgende Fragen:
1. Macht es Sinn, die WP im Sommer über Smart-Meter-Daten zu steuern und nur bei hohem PV-Überschuss (oder günstigen Strompreisen) die Warmwasserbereitung hochzufahren? Oder ist das zu komplex für ein MFH mit unterschiedlichen Verbrauchern?
2. Wie koordiniert man das mit den Netzbetreiber-Anforderungen (SG-Ready, Relais-Steuerung)? Kann man das ohne teure EMS-Lösungen umsetzen?
3. Die Kühlfunktion wird oft hochgejubelt – aber ehrlich: Im Sommer ist bei guter Isolation und nächtlicher Querlüftung kaum Bedarf. Sollte man nicht eher auf präzise Steuerung statt auf Kühlung setzen?
Wer hat Erfahrungen mit Lastmanagement im MFH?
Grüße,
Thomas K.
Thomas, deine Skepsis zur Kühlfunktion teile ich! Ich baue gerade meinen Altbau um und wenn ich sehe, wie wenig Kühlfunktion in realen Häusern nutzt – das ist eher Marketing.
Beim Lastmanagement im MFH sehe ich aber ein anderes Problem: alte Heizkörper und schlechte Dämmung führen oft dazu, dass die WP zu hohe Vorlauftemperaturen braucht. Das macht Steuerung schwerer, weil die JAZ leidet. Habt ihr die Gebäudehülle vor der WP-Installation gedämmt? Das ist vermutlich wichtiger als perfekte Steuerung.
Zum Lastmanagement selbst: SG-Ready + einfacher Timer = meist ausreichend. Mehr braucht's oft nicht.
Thomas B.
Super, dass ihr die Planung jetzt von Anfang an richtig macht! Ich bin ja gerade im Neubau und beschäftige mich auch mit intelligenter Steuerung.
Zur Kühlfunktion: Das ist genau das, was mich brennend interessiert – aber du sprichst einen guten Punkt an. Im Sommer mit guter Planung (Beschattung, nächtliche Fensterlüftung) brauchts das vielleicht nicht. Trotzdem: Eine passiv nutzbare Kühl-Option kostet ja kaum extra und gibt im Extremfall Sicherheit.
Beim MFH würde ich aber auch auf die Koordination achten: Wenn alle 6 Wohneinheiten unterschiedliche Warmwasser-Bedarfe haben, kann eine zentrale WP schnell zum Bottleneck werden. Habt ihr für jede Einheit einen eigenen Speicher oder einen großen zentralen?
Das ist bei mir eine der wichtigsten Fragen für die Neubau-Planung.
Ralf B.
Guten Tag Thomas,
aus meinen 12 Jahren mit Wärmepumpenbetrieb würde ich sagen: Im Mehrfamilienhaus wird es deutlich komplexer als im EFH. Bei mir läuft eine Sole-WP mit Erdkollektor und kombiniert mit meiner Gas-Brennwerttherme – und genau diese Hybridlösung könnte auch für euer MFH interessant sein.
Zum Warmwasser im Sommer: Ich lade meinen Speicher bevorzugt nachts auf, wenn die Solaranlage nicht lädt. Das reduziert Lastspitzen deutlich. Für ein MFH mit 6 Einheiten würde ich folgendes empfehlen:
- Einen größeren Pufferspeicher (mind. 500L) einplanen – der glättet die Lastspitzen enorm
- Die WP nur bei Bedarf fahren, nicht kontinuierlich
- Nachts oder zu Zeiten mit günstigen Tarifen laden
Eine teure EMS braucht es dafür nicht zwingend – ein einfaches Relais nach SG-Ready reicht oft aus. Sprecht mit eurem Netzbetreiber, viele bieten auch Modelle mit reduzierten Netzgebühren für Lastmanagement an.
Klaus H.