Hallo zusammen,
nach fast zehn Jahren Pause bin ich hier wieder aktiv und versuche gerade mein eingerostetes Wissen aufzufrischen, bevor ich mein Altbau-Projekt konkret angehe. Ich plane eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, und beim Einlesen stoße ich immer wieder auf die COP-Angaben der Hersteller – da werden Werte von 4,5 oder sogar 5 bei bestimmten Betriebspunkten angegeben.
Nun ist ja gerade Sommer, und ich frage mich: Wie stark weicht der COP im Realbetrieb zwischen Sommer und Winter tatsächlich ab, wenn man eine Luft-Wasser-WP hat? Im Sommer sind die Außentemperaturen natürlich deutlich günstiger für den Verdichter, aber geheizt wird ja kaum. Im Winter, wenn man wirklich Heizleistung braucht, sinken die Außentemperaturen – und damit vermutlich auch der COP merklich.
Für meinen Altbau ist das besonders relevant, weil ich noch nicht weiß, wie hoch meine Vorlauftemperaturen am Ende sein werden (die Heizlastberechnung steht noch aus). Je höher die Vorlauftemperatur, desto schlechter der COP – das hab ich zumindest so verstanden.
Kann mir jemand aus eigener Erfahrung sagen, was man für eine Luft-Wasser-WP im Altbau (mit möglicherweise noch etwas höheren Vorlauftemperaturen, sagen wir 50-55°C im Auslegungsfall) über das Jahr realistisch erwarten kann? Welche Rolle spielt dabei das verbaute Kältemittel, also R290 vs. R32?
Danke schon mal – ich freu mich, wieder hier zu sein!
Klaus H.
Kurze Ergänzung von mir als Ingenieur: Die Herstellerangaben beziehen sich immer auf genormte Prüfpunkte (A7/W35 oder A2/W35 etc.) – der Realbetrieb weicht schon allein durch die tatsächliche Witterung ab. Bei A-2/W55 als Auslegungsfall kann der COP schon auf 2,0–2,3 fallen, das sollte man einplanen.
Ich hab das für meine eigene Planung (auch Luft-Wasser im EFH) intensiv verglichen – Wärmepumpe ohne vorherige Dämmung – Jahresarbeitszahl ruiniert? hat mir da die Augen geöffnet. Fazit: Vorlauftemperatur runter bevor du die WP bestellst, wenn irgendwie möglich.
Ich kümmer mich eigentlich hauptsächlich um Warmwasser-WP, aber zum COP-Thema generell: Bei meinen Tests läuft der Verdichter im Sommer natürlich unter deutlich günstigeren Bedingungen – die Werte sind aber für Heizungs-WP kaum übertragbar weil der Einsatzbereich ein anderer ist. Für dein Altbauprojekt würde ich auf die Jahreszahl schauen, nicht auf Einzelwerte im Sommer.
Klaus, willkommen zurück!
Ich plane selbst gerade für einen Neubau, also etwas andere Ausgangslage als bei dir, aber zum COP-Thema kann ich trotzdem was beitragen. Ich hab mich da zuletzt für die BEG-Förderung eingelesen (JAZ-Anforderungen etc.), und da wird einem klar, wie viel die Vorlauftemperatur wirklich ausmacht.
Bei 55°C Vorlauf im Auslegungsfall würde ich die JAZ-Erwartung eher konservativ ansetzen. Realistische Werte die ich in verschiedenen Erfahrungsberichten gelesen habe: bei gut gedämmten Altbauten mit optimierten Heizkörpern vielleicht JAZ 2,8–3,2, bei schlechter Ausgangslage auch mal drunter.
Zum Kältemittelvergleich R290 vs. R32: R290 hat thermodynamisch Vorteile bei höheren Temperaturen, R32 ist verbreiteter und günstiger in der Anschaffung. Für 55°C Vorlauf lohnt sich R290 aber durchaus zu prüfen.
Eins noch: Die Heizlastberechnung ist wirklich der erste Schritt – ohne die weißt du nicht mal, ob 55°C Vorlauf überhaupt nötig ist oder ob du mit Maßnahmen vielleicht auf 45°C runterkommst. Das würde die Wirtschaftlichkeit komplett ändern.
Servus Klaus,
kann ich aus meiner Planungsphase ein bisschen was dazu sagen, auch wenn ich noch nicht im Betrieb bin. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit der Hybridlösung (Gasheizung + WP), und bei den Recherchen bin ich auch über genau diese COP-Thematik gestolpert.
Das Grundprinzip stimmt: Je geringer der Temperaturhub zwischen Wärmequelle (Außenluft) und Wärmesenke (Heizwasser), desto besser der COP. Im Sommer läuft die WP aber bei dir fast nur für Warmwasser – da ist der COP zwar super, aber das hilft dir fürs Heizen nichts.
Für dein Szenario mit 50-55°C Vorlauf im Winter würde ich mal grob mit einem saisonalen COP (SCOP/JAZ) zwischen 2,5 und 3,2 rechnen. Das hängt natürlich stark vom konkreten Gerät ab und ob du noch an der Gebäudehülle was machst. Bei 55°C Vorlauf wird's für viele Geräte mit R32 schon eng an der Effizienzgrenze – R290-Geräte sollen da etwas besser performen, aber das ist bei meiner Planung auch noch offen.
Mein Tipp: Lass die Heizlastberechnung wirklich sauber machen und schau danach, ob du die Vorlauftemperatur irgendwie drücken kannst. Das ist der größte Hebel.