Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiv mit Wärmepumpen und bin dabei immer wieder über zwei verschiedene Kennzahlen gestolpert: COP und SCOP. Jetzt bin ich etwas verwirrt, welcher Wert mir wirklich weiterhilft.
Bei den Herstellerdatenblättern steht meist der COP-Wert prominent vorne (oft bei A7/W35), aber dann lese ich auch vom SCOP, der angeblich praxisnäher sein soll. Manche Verkäufer argumentieren mit dem hohen COP, andere betonen den SCOP.
Konkret geht es mir um folgende Fragen:
- Welcher Wert gibt mir eine realistischere Einschätzung der tatsächlichen Effizienz?
- Ist der SCOP wirklich aussagekräftiger, weil er verschiedene Betriebspunkte berücksichtigt?
- Wie groß sind die Unterschiede zwischen beiden Werten in der Praxis?
Ich plane die Installation für Herbst/Winter und möchte jetzt im Sommer die richtige Entscheidung treffen. Bei den aktuellen Energiepreisen ist ja jeder Effizienzpunkt wichtig.
Hat jemand Erfahrungen dazu oder kann mir erklären, worauf ich mich bei der Auswahl konzentrieren sollte?
Viele Grüße
Werner
Da muss ich SkeptikerWP47 zustimmen - der SCOP ist aussagekräftiger. Ich hab das bei meiner eigenen Anlage über zwei Jahre verfolgt und kam ziemlich genau auf den SCOP-Wert aus dem Datenblatt (4,2). Der beworbene COP lag bei 5,8, den hab ich aber nur an wenigen optimalen Tagen erreicht.
Was viele nicht wissen: Der SCOP wird nach europäischer Norm EN 14825 berechnet und berücksichtigt unterschiedliche Klimazonen. Deutschland liegt meist in der "mittleren" Zone, also schau dass der SCOP-Wert auch dafür angegeben ist.
Wenn du verschiedene Anlagen vergleichst, nimm den SCOP als Hauptkriterium und den COP nur als Zusatzinfo. Bei meinem Hybridprojekt hat mir das sehr geholfen.
Werner, ich kenn das Problem. Der COP ist ein Momentanwert bei ganz bestimmten Bedingungen - meist A7/W35, also 7 Grad Außen- und 35 Grad Vorlauftemperatur. Das ist schön für den Vergleich, aber in der Realität hast du diese Bedingungen vielleicht nur an wenigen Tagen im Jahr.
Der SCOP (Seasonal COP) ist dagegen ein Jahresmittelwert über verschiedene Betriebspunkte. Der berücksichtigt, dass deine WP mal bei -10 Grad und mal bei +15 Grad läuft. Ist definitiv praxisnäher, aber auch komplexer zu verstehen.
Aus meiner Erfahrung: Schau dir beide Werte an, aber lass dich nicht von Traumwerten beim COP blenden. Ein SCOP von 4,0 ist realistischer als ein COP von 6,5 bei Idealbedingungen.
Ich seh das bisschen anders als die Kollegen hier. Klar ist der SCOP theoretisch praxisnäher, aber der basiert auf Normklima und standardisierten Annahmen. Dein Haus, deine Heizgewohnheiten, dein lokales Klima - das ist alles individuell.
Meiner Meinung nach: Beide Werte als groben Richtwert nehmen, aber am Ende zählt die richtige Dimensionierung und Einstellung. Eine überdimensionierte WP mit top SCOP kann schlechter laufen als eine passend ausgelegte mit mittlerem SCOP.
Wenn du wirklich vergleichen willst, dann schau auch auf die COP-Kurve bei verschiedenen Temperaturen. Da siehst du, wie sich die Effizienz über den gesamten Arbeitsbereich verhält.