Hallo zusammen,
ich plane gerade den Heizungstausch für unser Einfamilienhaus (Baujahr 1988, ca. 160qm, teilsaniert) und stehe vor der klassischen Entscheidung: Luft-Wasser oder Sole-Wasser Wärmepumpe. Ich hab mir jetzt schon einige Wochen die Köpfe zerbrochen und komme zu keinem klaren Ergebnis.
Die Angebote die ich eingeholt habe: Luft-Wasser ca. 22.000€ inkl. Einbau (vor Förderung), Sole-Wasser mit Tiefenbohrung ca. 38.000€. Nach BEG-Förderung wären das grob 16.000€ vs. 27.000€ – also immer noch 11.000€ Unterschied.
Jetzt frage ich mich: Rechnet sich die Mehrinvestition in die Sole-WP wirklich über die Laufzeit? Ich hab gelesen, dass die Jahresarbeitszahl bei Sole deutlich besser ist (SCOP ~5 vs. ~3,5 bei Luft), was natürlich Stromkosten spart. Aber wie lange dauert es, bis die 11.000€ Mehrkosten durch günstigeren Betrieb wieder drin sind?
Dazu kommt: Wir denken auch ans Kühlen im Sommer, und da soll ja Free-Cooling bei der Sole-WP fast umsonst gehen – wobei ich nicht weiß, wie viel das bei unseren Sommern überhaupt bringt. Wir fahren nächste Woche noch in Urlaub, aber danach würde ich das Thema gern konkret angehen und Nägel mit Köpfen machen.
Hat jemand solche eine Rechnung mal wirklich durchgeführt? Welche Faktoren hab ich vielleicht noch nicht auf dem Schirm?
Ich hab mich damals auch intensiv mit dem Stromverbrauch beschäftigt (da gibts hier übrigens einen guten Thread dazu: Stromverbrauch Wärmepumpe - Explodiert meine Rechnung wirklich?).
Was ich bei solchen Wirtschaftlichkeitsrechnungen immer betone: Bitte nehmt nicht die theoretischen SCOP-Werte der Hersteller als Basis. Die sind für schöne Prospekte. Messt lieber mit echten Verbrauchsdaten aus dem Forum hier oder fragt gezielt nach Erfahrungen von Leuten mit ähnlichem Haus in ähnlicher Region.
Für Baujahr 1988, teilsaniert, 160qm: Ich würde vermuten eure Jahresheizleistung liegt eher bei 18.000-20.000 kWh, nicht bei 15.000. Das verschiebt die Rechnung schon etwas zugunsten der Sole-WP. Aber der grundsätzliche Trend bleibt: Der Mehrpreis ist schwer reinzubekommen wenn man nur ums Heizen geht.
Was bisher keiner erwähnt hat: die Wartungskosten im laufenden Betrieb. LW-WP hat Außeneinheit, die regelmäßig gereinigt, auf Kältemitteldichtheit geprüft werden muss – da kommen je nach Anbieter 200-400€/Jahr zusammen. Sole-WP ist im laufenden Betrieb deutlich pflegeleichter, keine Außeneinheit die vereist, keine beweglichen Teile am Außengerät.
Ich hab über Wartungsunterschiede hier schon mal was geschrieben: Wartung Split vs. Monoblock – zwar andere Fragestellung, aber die Grundthematik überschneidet sich.
Über 20 Jahre macht das bei LW-WP leicht 2.000-4.000€ aus die du oben draufrechnen musst. Ändert die Gesamtrechnung zwar nicht dramatisch, aber es ist ein Faktor der gerne vergessen wird. Außerdem: Geräusch im Sommer. Falls ihr den Garten nutzt und die Außeneinheit ungünstig platziert ist – lästiger Dauersound. Gerade jetzt im Sommer wo man draussen sitzt merkt man sowas.
Zum SCOP-Thema kann ich was beitragen – ich hab mich damit zuletzt intensiv befasst, weil mich die Frage schon länger nicht loslässt (SCOP vs. COP bei Sole/Wasser falls jemand tiefer reinlesen will).
Kurze Ergänzung zur Diskussion hier: Die oft genannten SCOP-Werte sind Normbedingungen. Entscheidend ist euer individueller Betriebspunkt – also Vorlauftemperatur, Quelltemperatur, Taktverhalten. Sole-WP profitiert vor allem bei niedrigen Vorlauftemperaturen wirklich deutlich. Wenn ihr noch auf 55°C+ Vorlauf angewiesen seid wegen alter Heizkörper, schmilzt der SCOP-Vorteil erheblich zusammen.
Die Frage kenne ich gut – hab mich da selbst lange durchgekämpft. Ich bin grundsätzlich skeptisch bei solchen Hochrechnungen über 20 Jahre, weil zu viele Variablen einfach nicht vorhersehbar sind: Strompreis, Gerätelebensdauer, Wartungskosten, zukünftige Förderungen.
Was mich bei Sole-WP immer beschäftigt: Die Tiefenbohrung ist ein erhebliches Risiko. Falls was mit dem Sondenkreis nicht stimmt – und das passiert – wird's teuer und der schöne SCOP-Vorteil ist schnell aufgefressen. Ich hab dazu auch mal im Thread über Gasheizung raus gegen WP geschrieben, dass ich Investitionsrechnungen in diesem Bereich generell mit Vorsicht geniesse.
Bei 11.000€ Mehrinvestition und einem SCOP-Unterschied von ca. 1,5 Punkten: grob gerechnet bei 15.000 kWh Heizenergie/Jahr und 30 Cent Strom sparst du vielleicht 300-400€ pro Jahr. Das wären 27-37 Jahre Amortisation. Selbst bei optimistischeren Annahmen wird's eng. Mein Fazit: Für den Durchschnittsbürger ohne besondere Umstände gewinnt oft die LW-WP – weil das Kapital irgendwo besser arbeiten kann.