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Hydraulischer Abgleich nach Heizlastberechnung wirklich nötig?

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L.Weber96
Beiträge: 34
Themenstarter
(@l-weber96)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#128]

Hallo zusammen,

ich bin gerade mitten in der Planung meiner ersten Wärmepumpe im Neubau und stehe vor einer Frage, bei der ich irgendwie nicht ganz durchblicke. Mein Heizungsbauer hat die Heizlastberechnung nach DIN 12831 gemacht und danach gesagt, dass vor der Inbetriebnahme auf jeden Fall ein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden muss. Das kostet nochmal extra und er meinte, das dauert auch Zeit.

Jetzt hab ich aber mit ein paar Leuten gesprochen, die gesagt haben, bei einem Neubau mit Fußbodenheizung und einer ordentlich dimensionierten WP braucht man das eigentlich nicht zwingend, weil die FBH eh gleichmäßig verteilt und die WP das selbst regelt. Klingt irgendwie logisch, aber ich bin da unsicher.

Meine Situation: Neubau ca. 160m², Fußbodenheizung im ganzen Haus, Luft-Wasser-WP geplant (noch nicht endgültig entschieden welche). Heizlast laut Berechnung ca. 7,5 kW.

Fragen die mich beschäftigen:
- Ist der hydraulische Abgleich wirklich Pflicht oder nur "nice to have"?
- Macht es bei FBH überhaupt einen spürbaren Unterschied?
- Hat das Auswirkungen auf die Effizienz (COP, JAZ)?
- Ist das was, das ich selbst machen kann oder brauche ich zwingend einen Fachmann?

Ich frag mich auch ob das mit der BAFA-Förderung zusammenhängt, ich glaub da war irgendwas mit Pflichtnachweis?

Danke schon mal für eure Einschätzungen!


3 Antworten
R.Hoffmann
Beiträge: 38
(@r-hoffmann)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Kurz vorweg: Ich war lange weg aus dem Forum, melde mich aber jetzt nach 8 Jahren wieder zurück – und solche Grundsatzfragen sind genau der Grund dafür.

Zum Thema: Ja, der hydraulische Abgleich ist bei Wärmepumpen wirklich wichtig, kein reines "Nice to have". Gerade bei WP ist das anders als bei alten Gaskesseln, weil die WP mit deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturen arbeitet und damit viel weniger Spielraum für Ungleichgewichte im System hat. Wenn einzelne Heizkreise zu viel oder zu wenig Durchfluss bekommen, sinkt die Effizienz spürbar – der COP geht runter, die Anlage taktet mehr.

Für die Fußbodenheizung stimmt zwar, dass die Kreislängen meistens ähnlich ausgelegt werden, aber "ähnlich" ist eben nicht "identisch". Gerade in einem 160m²-Haus mit mehreren Kreisen können die Druckverluste durchaus variieren.

Ich hatte damals bei meiner Luft-Wasser-WP genau das Problem, dass ich den Abgleich erstmal aufgeschoben hatte – das hat mich ein paar Jahre unnötig Effizienz gekostet, bevor ich's angegangen bin. Ich hatte dazu auch mal was im Pufferspeicher-Thread geschrieben, da ging's auch ums Thema Hydraulik generell.

Kurz zur BAFA: Ja, der Nachweis über den hydraulischen Abgleich ist Fördervoraussetzung. Das sollte dein Handwerker wissen.


Antwort
Werner-Kessler
Beiträge: 39
(@werner-kessler)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Als jemand der sich beruflich jahrelang mit Elektrotechnik und inzwischen intensiv mit der Planung von WP-Anlagen beschäftigt, möchte ich hier etwas Ordnung reinbringen.

Der hydraulische Abgleich ist keine optionale Maßnahme – er ist die technische Voraussetzung dafür, dass deine Heizlastberechnung überhaupt Wirkung entfaltet. Stell es dir so vor: Du hast eine präzise Berechnung gemacht, weißt welcher Raum welche Leistung braucht – und dann lässt du die Heizkreise einfach unkontrolliert laufen? Das wäre als hättest du einen Schaltplan gezeichnet und die Kabel dann irgendwie verlegt.

Bei Fußbodenheizung ist das tatsächlich etwas weniger kritisch als bei Heizkörpern, weil die Trägheit des Systems Spitzen ausgleicht. Trotzdem: Ohne Abgleich werden kürzere Kreise bevorzugt durchströmt, längere Kreise unterversorgt. Das merkst du an unterschiedlichen Raumtemperaturen und an einer schlechteren Jahresarbeitszahl.

Zum Thema Förderung hat R.Hoffmann schon das Wesentliche gesagt. Ich ergänze noch: Verfahren B (vereinfachter Abgleich) reicht in vielen Neubauten mit FBH aus und ist günstiger als das aufwändige Verfahren A. Frag deinen Installateur konkret danach.

Das selbst machen? Nein. Nicht weil es zu kompliziert wäre, sondern weil du für die BAFA eh einen Fachbetrieb brauchst und der Nachweis sonst nicht anerkannt wird.


Antwort
TechHybrid_78
Beiträge: 10
(@techhybrid_78)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Pflicht bei BAFA ist eigentlich das Wichtigste was du wissen musst – ohne den Nachweis gibt's keine Förderung, Punkt. Das ist kein bürokratischer Quatsch sondern hat einen Grund.

Ich betreib meine Hybrid-Anlage seit 3 Jahren und hab von Anfang an auf einen sauberen hydraulischen Abgleich bestanden. Bei mir läuft die WP im Zusammenspiel mit dem Gaskessel, da ist ein schlechter Abgleich noch kritischer weil sonst die Übergabepunkte zwischen den beiden Systemen nicht sauber funktionieren. Aber auch bei einer reinen WP-Anlage: wenn einzelne Räume zu warm oder zu kalt werden, fängt die WP an nachzuregeln und das Taktverhalten wird schlechter.

Das selber machen würd ich als Laie eher lassen, ehrlich gesagt. Die Berechnung der Ventilvoreinstellungen hängt von den tatsächlichen Rohrlängen, Druckverlusten und der Pumpenauslegung ab. Das ist kein Hexenwerk aber du brauchst die richtigen Messwerte und etwas Erfahrung. Für einen Neubau lohnt sich das wirklich professionell machen zu lassen, damit du von Anfang an sauber unterwegs bist.

Bei 7,5 kW und 160m² ist das überschaubar, das sollte dein Installateur nicht großartig teuer machen.


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