Hallo zusammen,
ich plane gerade ernsthaft den Umstieg auf eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe und stehe vor einer Entscheidung, bei der ich wirklich nicht weiterkomme. Auf unserem Grundstück gibt es beides: Zum einen wäre da ein kleiner Bach der am hinteren Grundstücksrand entlangläuft (ich schätze ca. 0,3-0,5 m³/s Durchfluss, schwankt natürlich je nach Jahreszeit), und zum anderen haben wir laut altem Bohrgutachten vom Nachbargrundstück wohl Grundwasser in etwa 6-8 Meter Tiefe.
Jetzt frage ich mich: Was macht mehr Sinn als Wärmequelle? Beim Grundwasser habe ich gelesen dass die Temperatur relativ konstant bei ca. 10-12°C liegt, das ganze Jahr über. Beim Bach dagegen ist es im Sommer wärmer (was für Kühlung ja super wäre) aber im Winter wahrscheinlich deutlich kälter und vielleicht sogar Frostgefahr?
Wir haben ein Haus Baujahr 1987, ca. 180m² Wohnfläche, schon Fußbodenheizung eingebaut (hat der Vorbesitzer gemacht). Heizlast schätze ich auf etwa 8-10kW, genaue Berechnung steht noch aus.
Zusätzlich würde ich gerne im Sommer kühlen – wir hatten die letzten Jahre wirklich heiße Sommer und das nervt zunehmend. Falls jemand Erfahrung mit Oberflächenwasser (Bach, Teich) als Wärmequelle hat würde mich das besonders interessieren, dazu find ich kaum praxisnahe Infos.
Danke schon mal!
Ich hab mich mit Erdwärme und Wasser-Wasser schon länger beschäftigt (siehe auch meine älteren Posts). Zum Bach als Wärmequelle: Das mag in Ländern wie Skandinavien verbreiteter sein, in Deutschland ist das regulatorisch und praktisch wirklich der schwerere Weg. Die Sache mit dem Wärmetauscher und Verschmutzung ist nicht zu unterschätzen – da musst du regelmäßig ran, gerade nach Starkregen wenn der Bach Schwebstoffe führt. Für mich persönlich wäre Grundwasser die klare Empfehlung wenn beides auf dem Grundstück möglich ist. Dein erster Schritt sollte ein Hydrogeologe oder ein auf Brunnenbohrung spezialisiertes Unternehmen sein, die dir die tatsächliche Ergiebigkeit und Wasserqualität einschätzen können. Das Bohrgutachten vom Nachbargrundstück ist ein guter Anhaltspunkt, aber kein Ersatz für eine eigene Untersuchung – Grundwasser kann auf 50m Entfernung schon ganz anders sein.
Die Frage nach der Genehmigung ist tatsächlich entscheidend. Ich hab mich letztens intensiv mit Regelungen beschäftigt – bei Oberflächenwasser (Bach) brauchst du in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis nach §8 WHG, und ob die erteilt wird hängt stark vom zuständigen Landratsamt und dem jeweiligen Gewässer ab. Manche Behörden winken das durch, andere verweigern es kategorisch. Allein das Genehmigungsverfahren kann sich über Monate ziehen. Beim Grundwasser ist das i.d.R. einfacher geregelt, zumindest für private Haushalte mit überschaubarem Fördervolumen. Ich würde als ersten Schritt wirklich eine Anfrage beim zuständigen Wasserrechtsamt stellen, bevor du weiter planst. Kostet nichts und erspart dir böse Überraschungen. Die konstante Quellentemperatur beim Grundwasser ist für den Jahresarbeitszahl-Wert übrigens kaum zu toppen – das hab ich auch in dem COP/SCOP-Thread schon mal kurz angerissen.
Kurze Ergänzung zu dem was Technik_Marco_85 geschrieben hat: Die passive Kühlung über Grundwasser ist im Sommer echt ein unterschätzter Vorteil. Gerade mit eurer Fußbodenheizung als Kühlflächensystem könnt ihr bei guten Temperaturen quasi kostenlos kühlen – da läuft nur die Umwälzpumpe, kein Verdichter. Bei den Sommern zuletzt, hab das dieses Jahr wieder gemerkt wie wichtig das wird, ist das kein Luxus mehr sondern Komfortmindeststandard. Ich rechne sowas immer in meine Wirtschaftlichkeitsüberlegungen mit ein – der Wegfall einer separaten Klimaanlage ist bares Geld.
Technisch gesehen ist der Unterschied ziemlich klar: Grundwasser bietet dir das ganze Jahr eine stabile Quellentemperatur, typischerweise 8-13°C je nach Region und Tiefe. Das bedeutet konstant gute COP-Werte, planbare Auslegung, keine saisonalen Überraschungen. Beim Oberflächenwasser schwankt die Temperatur mit den Jahreszeiten – im Hochsommer kann ein flacher Bach auf 18-22°C kommen (gut fürs Kühlen!), im Januar aber auch auf 1-2°C abfallen. Das erfordert eine andere Auslegung des Verdampfers und erhöht das Risiko für den Betrieb im Winter deutlich. Für passive Kühlung im Sommer wäre Grundwasser übrigens auch nicht schlecht – je nach Systemauslegung kannst du damit ohne Verdichterbetrieb kühlen, was energetisch sehr effizient ist. Würde sagen: Lass das Grundwasser erkunden, Brunnenbohrung und Pumptest beauftragen. Der Bach bleibt immer als Ergänzung denkbar aber als Primärquelle würd ich ihn nicht nehmen.