Hallo zusammen,
ich komme von einer 15 Jahre alten Gasheizung und überlege seit Monaten, ob ich auf eine Wärmepumpe umsteigen soll. Überall liest man, dass sich das finanziell lohnt, aber ehrlich gesagt bin ich skeptisch.
Meine Situation: EFH Baujahr 2008, Fußbodenheizung ist vorhanden, Dämmung Standard. Gasverbrauch liegt bei etwa 18.000 kWh/Jahr, macht bei aktuellen Preisen rund 1.400€ jährlich. Die Heizung läuft noch problemlos.
Für eine Luft-Wasser-WP bekomme ich Angebote zwischen 25.000-30.000€. Selbst mit BAFA-Förderung bleiben 15.000-18.000€ hängen. Bei geschätzten 5.500 kWh Stromverbrauch (Arbeitszahl 3,3) wären das etwa 1.650€ pro Jahr - also sogar mehr als Gas!
Jetzt frage ich mich: Ist das alles nur Marketing der Hersteller oder übersehe ich was? Die Amortisation würde ja ewig dauern. Dazu kommt, dass ich in 2-3 Jahren sowieso sanieren muss (Dach, Fassade) - sollte ich nicht besser warten?
Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Besonders interessiert mich, wie die WP im vergangenen Winter gelaufen ist - war ja ziemlich kalt.
Danke für eure Einschätzungen!
Hi Stefan,
kann Thomas nur beipflichten. Ich hab vor zwei Jahren ähnlich gerechnet wie du und mich trotzdem für die WP entschieden. Lag aber auch daran, dass meine alte Gastherme kurz vor dem Exitus stand.
Was in deiner Rechnung noch fehlt: Wartungskosten. Gas-Schornsteinfeger, jährliche Wartung etc. Bei der WP hast du quasi nur den Stromzähler. Das sind nochmal 200-300€ pro Jahr.
Und zur Praxis: Meine Panasonic Aquarea hatte letzten Winter (war ja wirklich kalt) eine JAZ von 3,9. Haus von 2005, ähnlich wie deins. Also deine 3,3 sind definitiv zu pessimistisch angesetzt.
Hier hatte ich mal nach Excel-Vorlagen für die Berechnung gefragt - vielleicht hilft dir das bei der genaueren Kalkulation.
Hmm, bin da etwas skeptischer als die Vorredner. Klar, langfristig wird Gas teurer - aber Strom auch. Und ob die WP wirklich so effizient läuft wie versprochen... naja.
Ich würde an deiner Stelle definitiv bis nach der Sanierung warten. Eine WP in einem unsanierten Haus ist wie'n Ferrari im Stau - kann zwar theoretisch schnell, bringt aber nix.
Dazu kommt: In 2-3 Jahren sind die WP-Preise hoffentlich wieder normaler. Momentan ist der Markt total überhitzt, jeder Installateur kann Mondpreise verlangen.
Und ehrlich? 15 Jahre alte Gastherme ist noch nicht alt. Wenn die noch 5 Jahre durchhält, hast du Zeit für vernünftige Planung. Nicht diesem Förderwahn hinterherlaufen.
Moin Stefan,
deine Skepsis kann ich gut verstehen. Ich beschäftige mich beruflich mit Energieberatung und sehe solche Rechnungen täglich.
Ein paar Punkte zu deiner Kalkulation: Du rechnest mit JAZ 3,3 - das ist für einen Standard-Neubau mit Fußbodenheizung eher konservativ. Bei ordentlicher Planung sind 3,8-4,2 realistisch, dann landest du bei etwa 4.500-4.700 kWh Stromverbrauch.
Aber der wichtigste Punkt: Du denkst zu kurzfristig. Gaspreise werden mittelfristig eher steigen (CO2-Bepreisung läuft weiter hoch), während Strompreise durch Ausbau der Erneuerbaren stabilisiert werden. In 10-15 Jahren sieht die Rechnung ganz anders aus.
Dazu kommt: Nach der Sanierung wird dein Gasverbrauch deutlich sinken - aber auch der Stromverbrauch der WP. Der relative Vorteil der WP wird dann noch größer.
Mein Rat: Warte die Sanierung ab, plane dann mit aktuellen Verbrauchswerten. Eine WP nach der Sanierung ist meist die bessere Lösung.