Hallo zusammen,
ich plane gerade den Austausch meiner alten Ölheizung und liebäugle mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Wir haben Grundwasser in akzeptabler Qualität und die Brunnenbohrung ist bereits genehmigt, also soweit alles auf einem guten Weg.
Bei meiner Recherche bin ich immer wieder auf R290 (Propan) als Kältemittel gestoßen. In der Luft-Wasser-Ecke scheint das ja inzwischen fast Standard zu sein – Stiebel Eltron, Vaillant und andere bieten das mittlerweile an. Aber bei Wasser-Wasser-Wärmepumpen finde ich kaum etwas dazu.
Meine Fragen:
1. Gibt es überhaupt W/W-Wärmepumpen mit R290 auf dem Markt, oder ist das bei dieser Bauart technisch schwieriger umzusetzen?
2. Was sind die Vor- und Nachteile von R290 gegenüber klassischen Kältemitteln wie R410A oder R32 speziell im W/W-Betrieb?
3. Lohnt sich der Aufpreis (falls es einen gibt), oder ist das gerade eher Marketing?
Ich frage auch deshalb, weil mir der Installateur meines Vertrauens gesagt hat, R290 sei bei Wasser-Wasser-Anlagen wegen der Aufstellungsbedingungen "komplizierter" – ich weiß aber nicht ob das stimmt oder er einfach damit nicht viel Erfahrung hat.
Vielen Dank schon mal für eure Einschätzungen!
Ich seh das etwas anders als Marco oben, weil ich finde man sollte das schon differenzierter betrachten.
R290 hat thermodynamisch tatsächlich sehr gute Eigenschaften – niedriger GWP (Global Warming Potential von 3 gegenüber über 2000 bei R410A), gute Wärmeübertragung, hohe Effizienz bei mittleren Temperaturen. Für eine W/W-Anwendung mit den typischen Quellentemperaturen von 8–14°C wäre das theoretisch prima.
Das Problem ist wirklich die Aufstellung. Im Keller greift die EN 378 und je nach Füllmenge und Raumgröße brauchst du entweder eine automatische Gaswarnanlage, eine definierte Mindestbelüftung oder beides. Das ist nicht unmöglich, aber erhöht die Installationskosten und viele Handwerker kennen sich da schlicht nicht aus – das könnte auch bei deinem Installateur der Fall sein.
Ich hab mich vor kurzem noch mit COP-Themen beschäftigt (COP seit Frühjahr merklich gesunken – woran kann das liegen?) und was ich sagen kann: das Kältemittel allein macht den COP nicht aus. Hydraulik, Spreizung, Quelltemperatur – das alles hat genauso viel Einfluss. Wenn R290 bei dir mit Mehraufwand verbunden ist und die Alternative R32 mit einem gut dimensionierten System ist, würde ich nicht krampfhaft auf R290 bestehen.
Kleiner Nachtrag noch: ich hab vor meinem WP-Projekt auch viel verglichen (Brötje, Nibe, Wolf – das Thema kennt hier ja jeder halbwegs) und festgestellt dass Hersteller das Kältemittel gerne als Verkaufsargument nutzen ohne dass der Endkunde wirklich versteht was dahintersteckt.
Für W/W konkret: Die Brunnentemperatur ist dein entscheidender Faktor. Wenn du konstant 10–12°C hast, wird eine gut ausgelegte Anlage mit R32 eine JAZ erzielen die sich von einer hypothetischen R290-Anlage kaum unterscheidet – zumindest nicht in einem Maß das den Mehraufwand rechtfertigt. R290 macht vor allem dort Sinn wo man niedrige Quelltemperaturen hat und jeden Prozentpunkt Effizienz rausholen muss, z.B. bei Luft-WP im Winter.
Dein Installer hat übrigens nicht ganz unrecht mit dem "komplizierter" – er drückt es nur ungenau aus. Es ist nicht technisch komplizierter, sondern bürokratisch und handwerklich aufwändiger wegen der Brandschutzauflagen.