Hallo zusammen, nach 8 Jahren Pause bin ich wieder da und versuche gerade den Anschluss an den aktuellen Stand zu finden – das ist gar nicht so einfach, die Technik hat sich offenbar erheblich weiterentwickelt.
Ich plane gerade die Sanierung meines Hauses und beschäftige mich intensiver mit Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Immer wieder stoße ich auf Herstellerangaben mit COP-Werten von 6, manchmal sogar 7 oder höher. Das klingt verlockend, aber ich bin skeptisch ob das wirklich im echten Betrieb über ein ganzes Jahr haltbar ist.
Meine konkreten Fragen:
1. Sind COP-Werte über 6 im Jahresdurchschnitt bei Wasser-Wasser-Systemen realistisch, oder gelten die nur unter Laborbedingungen?
2. Welche Faktoren beeinflussen den tatsächlichen Wert am stärksten – Grundwassertemperatur, Vorlauftemperatur, Teillastbetrieb?
3. Jetzt im Sommer, wenn die Grundwassertemperatur relativ stabil bleibt aber kaum geheizt wird – wie verhält sich die Anlage da, macht die WW-Bereitung den COP kaputt?
Ich hab früher mit Sole-Wasser gearbeitet und kenne die Theorie noch grob, aber bei Wasser-Wasser bin ich neu. Falls jemand Erfahrungswerte aus echten Anlagen hat, wär das Gold wert. Datenlogger-Werte oder sowas in der Richtung wären natürlich ideal.
Danke schonmal!
Als jemand der sich beruflich mit Erdwärmesystemen beschäftigt, kann ich ein paar technischere Einschätzungen beisteuern.
Die drei Hauptfaktoren für den tatsächlichen COP bei Wasser-Wasser-Anlagen:
- **Spreizung Quelle/Senke**: Je größer der Temperaturhub, desto schlechter der COP. Grundwasser in Deutschland liegt je nach Region zwischen 8 und 12°C relativ stabil – das ist ein echter Vorteil gegenüber Erdkollektoren im Winter.
- **Vorlauftemperatur**: Der größte Hebel überhaupt. Wer mit 55°C fährt, wird nie COP 6 sehen. Wer auf 35°C runterkommt, hat eine realistische Chance.
- **Teillastverhalten**: Moderne invertergeregelte Geräte halten sich im Teillastbetrieb deutlich besser als ältere On/Off-Geräte. Das beeinflusst die JAZ spürbar.
Zur Sommerfrage: Im Sommer läuft die WP fast nur für Warmwasser, das bedeutet kurze Takte und oft ungünstiger Betriebspunkt. Hast du eine Angabe zur gewünschten WW-Temperatur? Wenn du auf 60°C gehst, kannst du den hohen COP in der Jahresbilanz fast vergessen.
Ich fang auch gerade wieder von vorne an mit dem Thema Wärmepumpe, also kann ich zur technischen Seite nicht viel beitragen. Aber was ich aus dem Batteriespeicher-Thread mitgenommen hab (da gehts ja auch um Jahresbilanzen und Messung) ist: Man sollte immer fragen wie genau gemessen wurde und ob alle Verbraucher erfasst sind. Klingt banal, macht aber nen riesen Unterschied. Die Angaben von Klaus H. hier oben bestätigen das ja auch eindrücklich – der misst schon länger und die realen Zahlen liegen eben merklich unter dem was beworben wird.
Ich bin zwar eher im Luft-Wasser-Bereich unterwegs (Altbau-Reihenhaus, ihr kennt mein Elend ;-)), aber die Grundsatzdiskussion kenn ich.
Das mit der Warmwasserbereitung im Sommer ist wirklich das Stiefkind der ganzen JAZ-Diskussion. Im Sommer läuft man eigentlich gerne mit möglichst wenig Heizkurve, aber das WW muss trotzdem auf Temperatur. Ergebnis: die WP taktet kurz hoch für WW und das war's. Ob da dann COP 4 oder 6 rauskommt... ich glaub die wenigsten wissen das wirklich für ihre Anlage.
Ich hab da gute Erfahrungen gemacht, mehrere Angebote parallel zu checken und die technischen Daten direkt zu vergleichen. Lass dich nicht von den Preisen allein blenden - achte auf Leistungszahl und ob die Förderung bereits eingerechnet ist. Spart dir am Ende viel Zeit und Ärger. Angebot vergleichen für Wärmepumpen
Ich sage das hier direkt: COP 6 im Jahresdurchschnitt ist bei den allermeisten Hausinstallationen eine Marketingzahl, kein realistischer Betriebswert.
Das Problem fängt schon bei der Messmethodik an. Viele Hersteller messen den COP nur im reinen Heizbetrieb unter optimalen Bedingungen. Sobald die Warmwasserbereitung dazukommt, geht der Wert massiv runter – und der elektrische Zusatzheizer, der bei Legionellenschutzschaltung oder Spitzenbedarf anspringt, taucht in der JAZ-Berechnung oft gar nicht auf oder wird kleingerechnet. Hab dazu hier im Forum schon ausführlich geschrieben.
In meiner eigenen Anlage messe ich seit Jahren penibel mit. Ergebnis: Ohne Warmwasser komme ich auf gute Werte, mit allem drum und dran lande ich im Jahresmittel bei 4,1 bis 4,7. Das ist immer noch gut, aber eben kein COP 6.
Mein Rat: Lass dir vom Hersteller oder Installer die Messpunkte zeigen. Was genau wird gemessen? Wird der Zusatzheizer miterfasst? Wenn da Ausreden kommen, weißt du Bescheid.