Moin zusammen,
ich beschäftige mich seit Jahren mit Luft-Wasser-Wärmepumpen und habe dabei vor allem viel über Fehlerdiagnose und Systemverhalten gelernt. Jetzt stehe ich aber vor einem Problem, das mich ehrlich gesagt mehr beschäftigt als jede Störungsmeldung: Ich versuche gerade drei Angebote für eine neue LW-WP zu vergleichen – und das ist technisch eine echte Herausforderung.
Das Problem: Die Angebote sind kaum auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Hersteller A schlägt eine modulierende Inverter-Anlage mit integriertem Wärmemengenzähler vor, Hersteller B eine einfachere On/Off-Variante ohne WMZ, Hersteller C wiederum eine geregelte Anlage, aber mit extern montiertem WMZ und anderem Hydraulikkonzept. Dazu kommen unterschiedliche Angaben zu COP-Nennwerten, verschiedene Messnormen (mal A7/W35, mal A2/W35), und die Arbeitszeiten für Inbetriebnahme und Einregulierung werden teils gar nicht ausgewiesen.
Ich mache das ja nicht zum ersten Mal, aber gerade bei dieser Kombination aus unterschiedlicher Messtechnik, unterschiedlichen Hydraulikkonzepten und fehlender Transparenz bei Servicekonditionen tue ich mich schwer, einen fairen Vergleich aufzustellen.
Wie geht ihr das an? Habt ihr eine Methode entwickelt, mit der ihr technisch unterschiedliche Angebote trotzdem sinnvoll gegenüberstellt? Oder zieht ihr einfach eine klare Mindestanforderungsliste durch und schmeißt alles raus, was die nicht erfüllt?
Wäre für konkrete Vorgehensweisen aus der Praxis sehr dankbar.
Grüße, T.Weber
Ich bin da vielleicht nicht der beste Ratgeber weil ich selbst gerade erst wieder reinfinde in das Thema – aber eine Sache hab ich beim Lesen verschiedener Angebote gelernt: wenn die Messpunkte nicht übereinstimmen, ist jeder Preisvergleich eigentlich wertlos. Hatte das selbe Problem, ein Angebot war auf dem Papier 3.000€ günstiger, aber bei genauerem Hinsehen fehlten Einregulierung, Inbetriebnahme-Protokoll und der WMZ komplett. Am Ende teurer.
Zum Wartungsthema: ich frage mittlerweile immer gleich mit ab ob der Anbieter auch langfristig Wartungsverträge anbietet. Gerade bei einem unsanierten Bestand wie bei mir ist das kein Luxus sondern Pflicht, weil die Anlage wahrscheinlich öfter mal justiert werden muss bis alles stimmt.
COP-Angaben ohne einheitliche Messnorm sind für mich wertlos, das sage ich seit Jahren. Schön dass du das selbst schon kritisch siehst. Ich schaue ausschließlich auf tatsächlich gemessene JAZ-Werte aus vergleichbaren Objekten – alles andere ist Hochglanzprospekt. On/Off gegen Inverter ist übrigens kein fairer Vergleich auf dem Papier, das muss man im Betrieb unter realen Bedingungen messen. Wer dir da ohne Messdaten aus der Praxis einen Effizienzvorsprung verspricht, dem würde ich misstrauen.
Hallo T.Weber,
als jemand der selbst noch in der Planungsphase steckt (hab mich da in einem anderen Thread ausführlich ausgetobt) kann ich zumindest sagen was mir mein Heizungsbauer geraten hat: Vergleichsbasis auf A7/W35 normieren lassen und Anbieter die das nicht liefern können einfach rausschmeißen. Klingt hart aber spart Nerven.
Was den WMZ angeht – ich würde den immer als Pflichtposition sehen, egal ob integriert oder extern. Ohne den weißt du im Betrieb schlicht nicht was wirklich passiert. Hab ich leider erst zu spät verstanden.
Bei den Servicekonditionen frage ich immer direkt nach: Reaktionszeit, ob der Installateur eigene Techniker hat oder Subunternehmer schickt, und was eine Jahreswartung pauschal kostet. Das gehört für mich genauso zum Angebot wie der Gerätepreis.
Ich normiere immer auf identische Randbedingungen, sonst ist jeder Vergleich Makulatur. A7/W35 als Basis, Punkt. Wer das nicht liefert, fliegt raus – da bin ich konsequent, auch wenn's den Kreis der Angebote verkleinert.
Was ich zusätzlich mache: ich erstelle eine einfache Tabelle mit festen Kategorien. Hydraulikkonzept (Puffer ja/nein, Typ), WMZ vorhanden (integriert/extern/gar nicht), Modulation (Inverter/On-Off), Einregulierung im Angebot enthalten (ja/nein/unklar), und Garantiebedingungen. Alles was ich nicht aus dem Angebot direkt ablesen kann, wird beim Anbieter schriftlich nachgefragt. Wenn die das nicht beantworten – auch da bin ich ehrlich gesagt raus.
Beim Hydraulikkonzept tu ich mich ohne Fachplaner manchmal schwer, weil da die Tücke im Detail liegt. Falls du keinen unabhängigen Planer dabei hast, wäre das vielleicht einen Gedanken wert, gerade wenn die Konzepte so unterschiedlich sind.