Hallo zusammen,
ich betreibe seit gut anderthalb Jahren eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Neubau (KfW 40, Fußbodenheizung, ca. 160m² Wohnfläche) und nutze jetzt im Sommer erstmals aktiv die Kühlfunktion. Als Ingenieur interessiert mich natürlich nicht nur ob es kühlt, sondern was es wirklich kostet und wie ich den Betrieb möglichst effizient gestalte.
Meine bisherigen Beobachtungen: Bei aktiver Kühlung läuft die WP natürlich andersrum und der COP fällt erwartungsgemäß etwas schlechter aus als im Heizbetrieb. Ich halte aktuell eine Vorlauftemperatur von ca. 18°C im Kühlkreis, was die Räume angenehm auf etwa 24–25°C hält ohne Taupunktprobleme an den Rohren. Die Mehrkosten gegenüber dem reinen Heizbetrieb im Winter sind bei mir bisher überschaubar – grob geschätzt 30–40€/Monat extra, aber ich habe noch keine vollständige Auswertung.
Meine Fragen an euch:
– Habt ihr Erfahrungen mit der Kostenoptimierung im Kühlbetrieb?
– Lohnt es sich, die Kühlung auf die Mittagsstunden zu konzentrieren (bei uns läuft PV), oder besser nachts mit niedrigerer Außentemperatur für besseren COP?
– Wie regelt ihr das, manuell oder über eine smarte Automatisierung?
Ich freue mich besonders über Erfahrungen aus Neubauten mit FBH, bin aber für jeden Erfahrungsbericht dankbar. Altbau-Szenarien sind da vermutlich schwerer vergleichbar, interessieren mich aber trotzdem.
Gruß, S.Richter
Die PV-Frage würde mich auch interessieren, steh selber kurz vor dem Neubauabschluss. Kurze Gegenfrage: Hast du einen Pufferspeicher dazwischen oder läuft die Kühlung direkt in den FBH-Kreis? Ich frage weil mein Planer meint, für aktive Kühlung bräuchte man unbedingt einen zusätzlichen Weichenkreis, das treibt die Kosten nochmal hoch.
Ich hab bei mir eine Zeitplanung über Home Assistant eingerichtet, die die Kühlung automatisch auf 10–15 Uhr legt wenn PV-Überschuss über einem Schwellwert liegt. Funktioniert bei mir gut, die WP kriegt das Signal per Modbus. Abends nochmal kurz nachlegen wenn die Außentemp unter 22°C fällt. Den COP-Unterschied Tag vs. Nacht merkt man schon, aber mit Nullstrom tagsüber rechnet sich das unterm Strich besser. Setup braucht etwas Zeit zum Einrichten, ist danach aber vollautomatisch – als jemand der tagsüber im Büro ist, wäre manuelles Regeln für mich eh keine Option.
Interessanter Beitrag, danke. Für mich als Altbau-Kandidat ist das leider kaum übertragbar – mein 70er-Jahre-Haus hat weder FBH noch eine vernünftige Dämmung, da wäre aktive Kühlung über die WP wohl Illusion. Taupunktprobleme an schlecht gedämmten Wänden und alten Rohren klingen nach Schimmelrisiko.
Aber deine Frage zur Tageszeit finde ich grundsätzlich spannend: Aus rein thermodynamischer Sicht müsste nachts mit niedrigerer Außentemperatur tatsächlich ein besserer COP rauskommen, weil die Temperaturdifferenz zur Kältequelle kleiner ist. Ob das den PV-Eigenverbrauch tagsüber schlägt, hängt vermutlich stark von eurem Strombezugspreis und Einspeisevergütung ab. Ich vermute: bei gutem PV-Überschuss tagsüber eher trotzdem tagsüber kühlen, wegen Nullkosten-Strom.
Für meinen geplanten Altbau-Umbau beschäftigt mich aktuell eher die Frage, wie ich überhaupt auf eine akzeptable JAZ komme – da bin ich noch in einer ganz anderen Liga. Hatte dazu auch schon diesen Thread zur Vorlauftemperatur verfolgt, der mir da mehr weiterhilft.