Hallo zusammen,
ich plane gerade die Heizlastberechnung für unser Haus und bin über den sogenannten Klimakorrekturfaktor gestolpert. Wir wohnen in einer eher windexponierten Lage in Mitteldeutschland, ca. 380m über NN, und ich habe gelesen, dass man die Norm-Außentemperatur je nach Standort anpassen muss.
In der DIN EN 12831 steht ja eine Außentemperatur als Grundlage für die Heizlast – bei uns wäre das laut TRY-Datensatz irgendwas zwischen -12°C und -14°C. Aber wie genau fließt dieser Klimakorrekturfaktor jetzt in die eigentliche Berechnung ein? Wird der auf die gesamte berechnete Heizlast draufgerechnet, oder geht der schon früher in die Formel ein?
Ich frage deshalb, weil ich gesehen habe, dass manche Installateure einfach pauschal mit -12°C rechnen, egal wo das Haus steht. Das kann doch bei Höhenlagen oder besonders kalten Regionen zu einer Unterdimensionierung führen, oder?
Hinzu kommt: Wenn ich jetzt im Juli plane und die WP im Herbst eingebaut werden soll, sollte ich lieber etwas konservativer rechnen? Oder macht der Klimakorrekturfaktor das schon automatisch aus?
Bin kein Profi, habe aber schon einiges gelesen und versuche, das selbst zu verstehen bevor ich mit dem Installateur spreche. Über eine verständliche Erklärung wäre ich sehr dankbar!
Viele Grüße
ThomasK42
Kurze Ergänzung dazu: Die Norm-Außentemperatur findest du für deinen genauen Ort im Beiblatt 1 der DIN/TS 12831 oder alternativ über die DWD-Klimadaten. Bei 380m NN in Mitteldeutschland könntest du je nach Region wirklich bei -14°C oder sogar darunter landen. Das ist kein Detail, das man ignorieren sollte.
Ich hab mich selbst erst kürzlich damit beschäftigt, als ich überlegt hab ob Luft- oder Erdwärme die bessere Wahl für meinen geplanten Neubau wäre – da spielt die tiefste Außentemperatur am Standort eine ziemlich zentrale Rolle, gerade bei Luftwärmepumpen. Sieh dir mal die Erdbohrung vs. Luftwärmepumpe - was ist für Neubau realistischer? Diskussion an, da wurde das auch kurz gestreift.
Zu deiner Frage ob du jetzt im Sommer konservativer planen sollst: Nein, das sollte der korrekte Klimafaktor schon abdecken. Einfach den richtigen Wert für deinen Standort verwenden, nicht schätzen.
Ich arbeite gerade selbst intensiv mit verschiedenen Berechnungstools und kann bestätigen, was die anderen schreiben. Der Klimakorrekturfaktor bzw. die standortspezifische Norm-Außentemperatur ist eine der wichtigsten Eingangsgrößen – die meisten seriösen Softwarelösungen, die ich mir in diesem Thread angeschaut habe, ermöglichen eine PLZ- oder sogar koordinatenbasierte Auswahl der Klimazone.
Was viele nicht wissen: Es gibt auch einen Faktor für die Windlage des Gebäudes (exponiert vs. geschützt), der die Lüftungsverluste beeinflusst. Bei deiner Beschreibung – windig und erhöhte Lage – solltest du also nicht nur die Temperatur, sondern auch die Windexposition korrekt einpflegen. Das kann nochmal ein paar Prozent ausmachen.
Pauschal mit einer bundesweit einheitlichen Außentemperatur zu rechnen ist handwerklich schlicht falsch und sollte eigentlich nicht mehr vorkommen. Wenn dein Installatuer das macht ohne Nachfrage – kritisch hinterfragen.
Guter Hinweis von Tobias-Renner oben zur Leistungskurve – genau das wird oft vergessen.
Noch was zum Prozess: Die Norm-Außentemperatur für deinen Standort steht offiziell im Anhang NA der DIN EN 12831-1 (Deutschland-Anhang). Da sind die Werte nach Landkreisen aufgeführt, zusätzlich mit Höhenkorrekturen. Grundformel grob: pro 100m Höhe über dem Tabellenwert ca. 0,5–0,7K kälter ansetzen. Klingt wenig, bei 380m NN kommen da aber je nach Basiswert schnell 1–2K zusammen.
Und ja, die Windexposition wie Thomas8977 schrieb ist auch relevant – steht als eigene Eingansgröße in der Norm drin, wird aber gern vergessen oder auf 'normal' gesetzt ohne nachzudenken.
Insgesamt: Du bist auf dem richtigen Weg, das selbst zu verstehen bevor du mit dem Fachmann sprichst. Damit stellen die meisten Laien bessere Fragen und kriegen am Ende eine bessere Anlage.
Der Klimakorrekturfaktor geht direkt in die Berechnung der Norm-Heizlast ein, nicht als nachträglicher Aufschlag. Vereinfacht gesagt: Die Temperaturdifferenz zwischen Innenraum (z.B. 20°C) und der Norm-Außentemperatur deines Standorts ist der treibende Faktor für jeden Transmissions- und Lüftungsverlust. Wenn du also statt -12°C korrekt -14°C ansetzt, erhöht sich diese Differenz um 2K – bei einem gut gedämmten Haus macht das vielleicht 5–8% Unterschied, bei schlecht gedämmten Altbauten kann es mehr sein.
Dass Installateure pauschal mit -12°C rechnen, ist leider keine Seltenheit. Ich hab das 18kW WP bei 10kW Heizlast installiert - welche Schäden sind zu erwarten? ja schon in anderem Zusammenhang angesprochen – falsche Grundannahmen können in beide Richtungen schiefgehen. Für deinen Standort würde ich die tatsächliche TRY-Zone oder die Gemeinde-spezifische Norm-Außentemperatur aus dem DIN-Anhang raussuchen und explizit im Gespräch mit dem Installer ansprechen. Nicht drauf vertrauen, dass der das von selbst macht.