Hallo zusammen! Ich bin neu hier und stecke gerade mitten in der Planung meiner ersten Wärmepumpe. Ich habe ein Reihenhaus aus den 90ern und liebäugle sehr stark mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe, weil laut meiner Recherche die JAZ dort deutlich besser sein soll als bei einer Luft-Wasser-WP.
Bevor ich aber überhaupt über die Anlage selbst nachdenken kann, wird mir von allen Seiten gesagt: erstmal Heizlastberechnung machen lassen! Klar, leuchtet ein. Aber ich bin mir gerade völlig unsicher wer das macht, was das kostet und ob ich das wirklich brauche oder ob es reicht wenn der Installateur das grob überschlägt.
Zusätzlich interessiert mich natürlich auch wie sich die Heizlast auf die Förderung auswirkt – also ob ich für die BEG-Förderung (ich glaube da gibt es ja gerade bis zu 70% in manchen Fällen?) eine richtige professionelle Berechnung vorlegen muss oder ob das niemanden interessiert.
Mein Reihenhaus hat ca. 120qm Wohnfläche, ist als Mittelreihenhaus gebaut (also Nachbarn links und rechts), Baujahr ungefähr 1994. Fenster wurden schon mal getauscht, Dach ist gedämmt. Keine Fußbodenheizung, bisher alles Heizkörper.
Hat jemand Erfahrung damit wie man die Heizlastberechnung am besten angeht und was das realistische Ergebnis für so einen Haustyp sein könnte? Und lohnt sich der Aufwand für eine Wasser-Wasser-WP im Reihenhaus überhaupt? Danke schon mal!
Ich würde bei Heizkörpern erstmal genau prüfen ob die Vorlauftemperaturen wirklich so hoch bleiben müssen wie du jetzt noch fährst. Bei einem 94er Reihenhaus mit getauschten Fenstern und gedämmtem Dach ist da manchmal noch Spielraum nach unten – und das macht bei der WP-Effizienz einen riesigen Unterschied. Nicht das was die Hochglanzprospekte verschweigen, aber entscheidend.
Kurz gesagt: Heizlastberechnung ja, aber genauso wichtig ist eine Heizkörperauslegung auf niedrigere Temperaturen zu prüfen.
Moin Sarah, willkommen im Forum. Ich sag direkt was ich denke: Lass dir bloß nicht einreden, dass die grobe Überschlagsrechnung vom Installateur reicht. Die unterschätzen gerne die tatsächliche Heizlast, weil sie ne kleine Anlage verkaufen wollen – oder überschätzen sie maßlos weil sie auf Nummer sicher gehen wollen. Beides hilft dir nicht.
Für eine fundierte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 solltest du einen unabhängigen Energieberater beauftragen. Kostet je nach Region zwischen 300 und 800 Euro – klingt viel, aber bei einer Investition von 20.000+ Euro ist das gut angelegtes Geld.
Zur Wasser-Wasser-WP im Reihenhaus: Grundsätzlich möglich, aber du brauchst Platz für zwei Brunnen (Schluck- und Sickerbrunnen) und einen genehmigungsfähigen Grundwasserstand. Das ist nicht überall gegeben. Ich würde erstmal prüfen ob das geologisch und wasserrechtlich überhaupt machbar ist, bevor du zu tief in die Planung einsteigst. Hab das Thema Brunnen auch mal im Entlüftungsthread am Rande angesprochen – da ging's zwar um was anderes, aber die Komplexität solcher Systeme ist nicht zu unterschätzen.
Hallo Sarah, ich beschäftige mich gerade auch intensiv mit Heizlastberechnung für meinen Neubau, bin also quasi Leidensgenosse – wenn auch aus anderer Richtung. Altbau-Reihenhaus ist natürlich komplizierter zu berechnen als ein Neubau nach aktuellem GEG.
Was ich dir auf jeden Fall empfehlen kann: Besorge dir zuerst Unterlagen zum Haus, also Baupläne, Angaben zur Dämmung, alles was du findest. Das beschleunigt die Heizlastberechnung enorm und macht sie genauer. Viele Energieberater rechnen sonst mit Pauschalen die nicht zu deinem spezifischen Haus passen.
Zur Wasser-Wasser-WP muss ich Thomas zustimmen – die wasserrechtliche Genehmigung ist wirklich nicht trivial. Je nach Bundesland und Gemeinde kann das Wochen bis Monate dauern. Ich hab zum Thema Grundwasser als Wärmequelle schon etwas nachgeforscht, da gibt es durchaus regionale Unterschiede was genehmigt wird. Im Sommer jetzt wäre ein guter Zeitpunkt um das anzustoßen, damit es bis zur Heizperiode klar ist.
Für die BEG-Förderung brauchst du soweit ich weiß keinen formalen Heizlastnachweis im Antrag, aber ein seriöser Energieberater der den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt kann dir den Förderbonus sichern – das lohnt sich.
Zu deiner eigentlichen Frage wer die Heizlastberechnung macht: Am besten ein unabhängiger Energieberater (BAFA-zugelassener Energieeffizienz-Experte), die findest du auf der Energie-Effizienz-Expertenliste. Die sind oft Pflicht wenn du staatliche Förderung beantragst.
Was ich aus Erfahrung noch ergänzen kann: Bei einem Mittelreihenhaus sind die angrenzenden Gebäudeteile zu den Nachbarn bauphysikalisch wärmegedämmter als die Außenwände – das reduziert deine Heizlast im Vergleich zu einem Einfamilienhaus gleicher Größe spürbar. Je nachdem wie gut die Nachbarn heizen natürlich auch. Grob schätzen würde ich für ein 1994er Reihenhaus mit 120qm vielleicht 6-9kW, aber das ist wirklich nur eine Hausnummer ohne genaue Daten.
Für JAZ-Messungen ist Wasser-Wasser ohnehin das Maß aller Dinge wenn die Rahmenbedingungen stimmen – ich kenne kaum ein System das da mithalten kann.