Hallo zusammen,
ich stehe gerade mitten in der Planung und bin ehrlich gesagt etwas erschlagen von den ganzen Möglichkeiten. Aktuell haben wir eine alte Gasheizung (Baujahr 2004) und eine Fußbodenheizung im EG – OG ist noch mit Heizkörpern bestückt. Das Haus ist Baujahr 1992, also kein Neubau, aber auch kein Sanierungsfall.
Mein Plan: Sole-Wasser-WP als Hauptlast, die bestehende Gasbrennwerttherme bleibt als Spitzenlast-Backup. Klingt erstmal logisch aus meiner Sicht als Projektleiter, aber die Details machen mir Kopfzerbrechen.
Konkrete Fragen:
1. Bei welcher Außentemperatur macht der Umschaltpunkt auf Gas wirklich Sinn? Ich lese überall andere Werte, von -5°C bis -10°C ist alles dabei.
2. Die FBH im EG läuft aktuell auf recht hohen VL-Temperaturen (ich glaube so 50-55°C). Wie bekomme ich die runter, ohne dass die Räume kalt bleiben? Hydraulischer Abgleich ist mir bekannt, aber hat jemand konkrete Erfahrungen damit gemacht?
3. Gibt es typische Störquellen beim Hybridbetrieb, die ich kennen sollte, bevor der Installateur kommt? Ich will nicht blind in die Beratung gehen.
Wir sind jetzt im Juli, also perfekte Zeit um die Planung abzuschließen bevor der Herbst kommt. Freue mich über praktische Erfahrungen, nicht nur Theorie.
Zum Thema Störungsdiagnose im laufenden Betrieb: Schau ob deine WP eine Modbus- oder BACnet-Schnittstelle hat. Ich hab meinen gesamten Heizkreis über KNX eingebunden und kann Fehler oft schon remote erkennen bevor sie eskalieren. Gerade für jemanden der viel unterwegs ist echt Gold wert. Bei Hybridsystemen lassen sich Umschaltpunkte per Zeitplanung oder Strompreis auch automatisiert steuern – das macht die Sache deutlich komfortabler.
Moin Marco, das klingt nach einem soliden Plan – genau das mache ich seit über 12 Jahren so. Sole-WP als Grundlast, Gas als Backup, funktioniert prima.
Zum Umschaltpunkt: Ich hab meinen bei -7°C gesetzt und bin damit sehr zufrieden. Darunter wird die JAZ schlechter und die Therme übernimmt sauber. Manche gehen auf -5°C wenn sie konservativer sind, aber bei einer guten Sole-Anlage würde ich das nicht zu früh ansetzen.
Die VL-Temperaturen von 50-55°C bei der FBH sind tatsächlich das größte Thema bei dir. Da musst du ran, sonst lohnt sich die WP kaum. Hydraulischer Abgleich ist Pflicht, aber zusätzlich solltest du prüfen ob die Heizkreise ausreichend dimensioniert sind. Bei mir hat das ein Heizungsbauer mit Thermostatventil-Einstellungen in Kombination hinbekommen – wir haben die VL auf 38°C runtergebracht, das hat ein paar Wochen gedauert bis die Räume sich eingestellt haben aber es funktioniert.
Störquellen im Hybridbetrieb: Druckprobleme im Solekreis und falsch eingestellte Regelung zwischen den beiden Wärmeerzeugern. Ich habe dazu auch was im Thread zu Nachtabsenkung sinnvoll programmieren geschrieben, falls dich die Regelungsthematik noch interessiert.
Was Kritikus_78 sagt stimmt – ich seh das ähnlich kritisch. Hab mich intensiv mit Hybrid-Systemen beschäftigt und der Umschaltpunkt ist eigentlich sekundär solange die FBH nicht abgesenkt ist. Das ist dein Engpass.
Mal ehrlich: 50-55°C Vorlauf ist für eine Sole-WP ungünstig. Die COP bricht dann ein. Hydraulischer Abgleich allein rettet das nicht unbedingt – du brauchst oft auch eine Überprüfung ob die Heizkreislängen und der Verteiler stimmen. Manche Installateure rechnen das sauber durch, viele leider nicht.
Ich hab dazu auch schon in Hybrid-System WP + Gas: Lohnt sich der Aufwand wirklich? diskutiert – da stehen ein paar realistische Zahlen drin.
Störquellen die ich im Hybridbetrieb erlebt habe: Probleme bei der Hydraulik wenn beide Wärmeerzeuger schlecht entkoppelt sind, Pufferspeicher falsch eingebunden, und Regelungskonflikte wenn beide Systeme gleichzeitig "denken" sie sollen heizen. Lass dir das vom Installateur konkret erklären wie das bei seinem Konzept gelöst wird.
Ich würd da nochmal kurz einhaken wegen dem Optimismus beim Umschaltpunkt. Klaus H. schreibt -7°C und das klingt erstmal plausibel, aber: Das hängt massiv davon ab, welche JAZ deine WP im Altbau tatsächlich erreicht – und nicht was der Hersteller verspricht.
Ich hab das bei mir durchgerechnet und in der Realität sieht das oft deutlich schlechter aus als im Prospekt. Gerade im Altbau mit noch nicht vollständig abgesenkten VL-Temperaturen. Wenn deine FBH noch auf 50°C läuft und du den hydraulischen Abgleich noch nicht gemacht hast, würde ich den Umschaltpunkt erstmal konservativ bei -5°C lassen und dann nach einer Heizperiode mit echten Verbrauchsdaten nachjustieren.
Dazu hatte ich auch schon was in JAZ 4,5 im Altbau – Herstellerversprechen oder realistisch? geschrieben – lohnt sich zu lesen bevor du dich festlegst.