Hallo zusammen,
ich bin seit letztem Herbst Besitzer einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (7 kW) und muss sagen, dass mich der erste Winter doch etwas nervös gemacht hat. Das Ding lief an kalten Tagen quasi durch, ohne wirkliche Pause. Und jetzt im Sommer, wo ich eigentlich kurz durchatmen kann, grübele ich ob ich da einen Fehler gemacht habe bei der Auswahl.
Zur Situation: Einfamilienhaus, Baujahr 1978, knapp 160m², teilsaniert (Dach gedämmt, neue Fenster seit 2019, Außenwände noch original). Fußbodenheizung im Erdgeschoss, Heizkörper im Obergeschoss. Der Installateur hatte damals grob überschlagen und meinte 7 kW reichen. Eine richtige Heizlastberechnung nach Norm gab es nicht, das war eher Pi mal Daumen.
Jetzt meine Frage: Wenn die WP wirklich zu klein ist - kann man da überhaupt noch was nachrüsten? Ich dachte an eine Art Kaskade oder einen Heizstab als Spitzenlastabdeckung. Oder bedeutet das, dass ich die ganze Anlage rausschmeißen muss?
Ich hab jetzt den Sommer um mich zu informieren und würde das gern angehen bevor es im Oktober wieder kalt wird. Über konkrete Einschätzungen würde ich mich sehr freuen. Danke schon mal!
Das kenne ich gut - hab mich mit dem Thema WP-Leistung bei Kälte auch schon intensiv beschäftigt, unter anderem in diesem Thread über WP bei minus 15 Grad.
Zu deiner konkreten Frage: Dass die WP im Winter bei tiefen Temperaturen quasi durchläuft, muss nicht zwingend bedeuten, dass sie zu klein ist. Eine gut dimensionierte Wärmepumpe darf und soll bei -10°C oder kälter eigentlich Dauerbetrieb haben - das ist sogar effizienter als häufiges Takten. Die Frage ist: Wie kalt war es an den Tagen? Und wurde die Solltemperatur trotzdem erreicht?
Wenn du im OG mit Heizkörpern nie richtig warm geworden bist oder die WP auch Heizstab-Unterstützung angefordert hat, dann sieht das anders aus. Dann könnte tatsächlich die Leistung knapp sein.
Für deinen Altbau von 1978 mit teilsaniertem Zustand würde ich dringend eine echte Heizlastberechnung nach DIN 12831 empfehlen bevor du irgendetwas nachrüstest. Sonst weißt du ja nicht mal ob 7 kW knapp oder eigentlich ausreichend sind. Ein Heizstab als Backup ist jedenfalls die günstigste und einfachste Lösung falls wirklich Spitzenlast fehlt.
Also ich würd das erstmal nicht so dramatisch sehen. Dauerbetrieb klingt schlimm, ist aber bei LW-WPs im Winter oft völlig normal. Hast du mal geschaut ob deine WP auch nen integrierten Heizstab hat? Die meisten haben den ab Werk drin als Backup - der springt dann bei extremen Temperaturen zu. Wenn der nie angesprungen ist und du trotzdem warm hattest, ist deine 7kW vielleicht gar nicht so falsch dimensioniert.
Was ich aber sagen kann: Nachrüsten geht grundsätzlich. Entweder nen externen Heizstab im Pufferspeicher, oder in manchen Fällen auch ne zweite kleinere WP in Kaskade. Letzteres ist aber aufwändig und teuer. Für Spitzenlast an 10-15 Tagen im Jahr lohnt das kaum. Heizstab ist da die pragmatische Lösung.
Gib mal an welche Außentemperaturen du hattest als die Dauerläufe waren - dann kann man das besser einschätzen.
Ich sehe das etwas anders als die Vorredner.
Bei einem Altbau 1978, 160m², Außenwände unsaniert - da würde mich eine Heizlast von deutlich mehr als 7 kW nicht wundern. Ich hab selbst lange mit einem ähnlichen Gebäude gekämpft, wie ich im Altbau-Thread beschrieben hatte. Unsanierte Außenwände aus den 70ern sind Wärmeschleudern, da hilft auch Dachdämmung und neue Fenster nur begrenzt.
Die entscheidende Frage: Was steht in deiner Anlagendokumentation als Auslegungstemperatur? Und für welche Außentemperatur (Norm-Außentemperatur deines Standorts) ist die WP ausgelegt?
Wenn der Installateur auf z.B. -10°C ausgelegt hat, die Anlage aber hydraulisch nicht optimal einreguliert ist, läuft die trotzdem durch ohne das Haus warm zu kriegen.
Mein Rat: Lass eine ordentliche Heizlastberechnung machen, bevor du irgendwas nachrüstest oder ersetzt. Ohne diese Grundlage stocherst du weiter im Nebel.
Kurze Ergänzung noch: Wichtig wäre zu wissen ob du einen Pufferspeicher hast und wie groß der ist. Manchmal liegt das Problem gar nicht an der Leistung sondern an der Hydraulik und dem fehlenden Puffer. Hab das im Thread zu WP bei Minusgraden ähnliches gelesen.
Dauerbetrieb an sich ist kein Fehler - ich sag das nochmal weil das wirklich oft missverstanden wird. Wärmepumpen sind keine Heizkessel, die kurz aufheizen und dann aus sind. Die sollen möglichst kontinuierlich laufen. Das Problem wäre wenn trotz Dauerlauf die Raumtemperatur nicht stimmt.