Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit dem Thema kontrollierte Wohnraumlüftung und bin ehrlich gesagt etwas überfordert von den ganzen Infos die man so findet. Überall liest man, dass eine KWL-Anlage vor Schimmel und Feuchteschäden schützt, aber ich verstehe den genauen Mechanismus dahinter nicht wirklich.
Bei uns im Haus (Baujahr 2019, gut gedämmter Neubau) haben wir eine zentrale Lüftungsanlage die läuft. Trotzdem hatte ich letzten Winter im Schlafzimmer leicht feuchte Ecken. War nicht dramatisch, aber hat mich beunruhigt. Jetzt im Sommer frage ich mich, ob ich da vielleicht grundsätzlich was falsch mache.
Meine konkreten Fragen: Was macht eine KWL eigentlich genau damit die Feuchte rauskommt? Ist es einfach nur der Luftaustausch oder steckt da mehr dahinter? Und warum kann es trotz laufender Anlage noch zu Feuchteproblemen kommen?
Ich hab gelesen dass Volumenstrom und Luftwechselrate wichtig sind aber ich weiß nicht ob meine Anlage da richtig eingestellt ist. Gibt es Richtwerte die ich selbst prüfen kann ohne gleich einen Fachmann bestellen zu müssen?
Danke schon mal!
Das ist ein Thema das ich gut kenne, hab mich da über die Jahre intensiv eingelesen.
Das Grundprinzip ist eigentlich gar nicht so kompliziert: Luft kann je nach Temperatur unterschiedlich viel Wasserdampf aufnehmen. Warme Raumluft mit hoher Feuchte wird durch die KWL kontinuierlich abgesaugt (meistens aus Bad, Küche, WC) und durch frische Außenluft ersetzt, die in der Regel trockener ist – zumindest im Winter. Der ständige Austausch sorgt dafür dass die relative Luftfeuchtigkeit im Raum nicht zu hoch wird.
Das Problem bei feuchten Ecken im Schlafzimmer ist häufig nicht die Anlage selbst, sondern Wärmebrücken in der Konstruktion. An diesen Stellen ist die Oberflächentemperatur niedriger, und wenn feuchte Luft diese kühle Fläche trifft, fällt dort Tauwasser aus – unabhängig davon ob die KWL läuft oder nicht. Das ist ein Bauphysikproblem, kein Lüftungsproblem.
Zur Einstellung: Die DIN 1946-6 gibt Mindestluftwechsel vor, grob 0,3- bis 0,4-facher Luftwechsel pro Stunde für Wohnräume. Ob deine Anlage das erreicht kannst du nicht einfach selbst messen ohne Geräte, aber du kannst im Einstellungsmenü der Anlage die Stufe prüfen und schauen ob alle Ventile im Haus geöffnet sind – verstopfte oder geschlossene Ventile bremsen den Volumenstrom erheblich aus.
Ich hab zu verwandten Themen schon mal was im Forum geschrieben, z.B. zu Energiefragen bei WP bei minus 15 Grad wirklich nur noch Stromheizung? – da geht's zwar um was anderes, aber Bauphysik und Heizung hängen eben zusammen.
Kurz gesagt: Lass die feuchten Ecken von jemandem mit Thermometer und Wärmebildkamera anschauen. Das ist der schnellste Weg zur Klarheit.