Mich interessiert mal eine ehrliche Einschätzung aus der Praxis, speziell für den Sommerbetrieb: Wie verhält sich eure WRG-Anlage aktuell bei den hohen Außentemperaturen, und was bedeutet das konkret für die Gesamteffizienz?
Bei mir läuft eine zentrale KWL mit Wärmerückgewinnung, und ich frage mich ob die WRG-Effizienz bei 28–32°C Außentemperatur überhaupt noch einen messbaren positiven Beitrag zur Jahresarbeitszahl liefert – oder ob die Anlage im Sommer eher Strom verbraucht ohne nennenswerten Wärmegewinn zu bringen. Die Hersteller kommunizieren die WRG-Effizienz ja gerne über alle Jahreszeiten gemittelt, aber mich interessiert konkret: Wie groß ist der Anteil der Sommermonate am Gesamtjahresertrag?
Was ich außerdem beobachte: Der Ventilatorstrom der KWL läuft das ganze Jahr konstant durch. Im Winter ist das klar sinnvoll wegen der Wärmerückgewinnung. Im Sommer frage ich mich aber, ob man den Betrieb nicht drastisch reduzieren sollte – zumindest tagsüber wenn die Außentemperatur über der Innentemperatur liegt.
Hat jemand konkrete Messdaten, wie viel Strom die KWL im Monatsvergleich zieht und was davon durch WRG tatsächlich zurückkommt? Ich habe meinen Strom auf der Heizungsseite inzwischen recht genau im Griff, aber die Lüftung ist noch ein blinder Fleck in meiner Verbrauchsanalyse.
Klaus, ich dokumentiere meinen Neubau gerade sehr detailliert und hab mich mit dem Thema KWL-Effizienz auch intensiv beschäftigt, gerade weil ich die Lüftung ordentlich in die Gesamtplanung einbinden will.
Was ich von unserem Haustechnikplaner mitgenommen habe: Der tatsächliche Stromverbrauch einer gut dimensionierten KWL liegt bei 60–120 kWh pro Jahr für ein normales EFH, der Wärmerückgewinn im Winter kann das aber je nach Außenklima um das Vier- bis Sechsfache übertreffen. Im Sommer dreht sich das Verhältnis um und du liegst eigentlich immer im negativen Bereich wenn kein Bypass läuft.
Ich habe das in meiner Planung so gelöst dass die KWL im Sommer tagsüber auf Minimalvolumenstrom geht und ich nachts über die Steuerung hochdrehe wenn die Außentemperatur unter 22°C fällt. Für die JAZ-Jahresbilanz ist die KWL laut meinen Berechnungen ungefähr neutral bis leicht positiv – aber das hängt sehr am Standort und der Nutzung. Den Nachweis aus echten Messdaten über ein volles Jahr hab ich noch nicht, bin ja erst am Bauen. Wär interessant von dir zu hören wie sich das bei dir über mehrere Jahre gemittelt darstellt – sowas fehlt in fast allen Herstellerunterlagen komplett.
Mehr dazu hab ich auch hier beschrieben: Neubau EFH: Welche Effizienz-Maßnahmen lohnen sich wirklich von Anfang an?
Interessante Fragestellung Klaus, die ich mir für meinen Neubau auch schon gestellt habe. Ich plane aktuell mit einer zentralen KWL und der Hersteller wirbt natürlich mit tollen Jahreswerten – aber aufgeschlüsselt nach Jahreszeiten? Fehlanzeige.
Was ich aus meiner Recherche mitgenommen habe: Im Sommer dreht sich das Prinzip teilweise um. Wenn die Außenluft wärmer ist als die Raumluft, überträgt eine WRG ohne Bypass im schlimmsten Fall Wärme in die falsche Richtung – also ins Gebäude rein statt raus. Daher ist ein funktionierender Sommer-Bypass eigentlich Pflicht, sonst wird die WRG zum Effizienz-Killer.
Ich hab das auch mit Blick auf die BEG-Förderung im Auge – da wird die KWL als Teil des Effizienzpakets bewertet, aber eben auch als Jahresmittelwert. Ob das im Sommer wirklich Sinn ergibt, steht auf einem anderen Blatt. Hast du konkrete Stromzähler an der KWL, oder musst du das über den Gesamtverbrauch abschätzen?
Das Thema kenne ich aus meiner Smart-Home-Integration heraus ziemlich gut. Ich habe meine KWL über Home Assistant eingebunden und messe seitdem deutlich genauer was die Lüftung wirklich zieht.
Ergebnis: Im Sommer ist der WRG-Nutzen tatsächlich marginal. Der Ventilatorstrom bleibt gleich, der Wärmerückgewinn fällt fast auf null wenn der Bypass greift. Bei mir aktiviert sich der Bypass automatisch sobald die Außentemperatur unter die Raumtemperatur fällt – also oft erst nachts. Tagsüber zwischen 11 und 19 Uhr läuft die KWL im Grunde als reiner Stromverbraucher ohne nennenswerten Gegenwert.
Meine Lösung: Drehzahl tagsüber im Sommer auf Stufe 1 reduzieren, nachts hoch auf Stufe 3 für den Frischluftaustausch. Das spart bei mir etwa 30–40% des KWL-Stroms im Sommer verglichen mit Volllastbetrieb. Für die JAZ-Betrachtung ist das aber zugegeben ein kleiner Posten, die großen Hebel liegen woanders – da gebe ich dir recht. Die meisten überschätzen den Sommernutzen der WRG schlicht weil die Hersteller ihn nicht klar aufschlüsseln.
Ich bin da ehrlich gesagt noch nicht so tief drin, hab selbst keine KWL sondern nur die Luft-Wasser-WP. Aber die Frage mit dem Ventilatorstrom kannte ich gar nicht als Thema – wieder was gelernt hier.