Hallo zusammen,
Ich bin gerade etwas ratlos und hoffe ihr könnt mir weiterhelfen. Mein Bruder baut gerade neu und bekommt beim Wärmepumpeneinbau scheinbar deutlich bessere Konditionen als ich für meinen Altbau aus den 70ern. Konkret geht es um die BEG-Förderung über die KfW.
Mein Bruder hat mir erzählt dass er locker auf 30-35% Förderung kommt, bei mir hat der Energieberater was von 20-25% gesagt – wenn überhaupt, weil bei mir noch einige Voraussetzungen unklar sind. Ich verstehe nicht ganz warum das Gebäudealter oder der Bestandsstatus da so einen riesigen Unterschied macht. Wird ein Neubau beim Heizungstausch wirklich bevorzugt? Oder hab ich als Altbaubesitzer irgendwelche Boni die ich noch gar nicht auf dem Schirm habe?
Hintergrund: Ich hab ein Einfamilienhaus von 1972, also klassischer Altbau, keine Fußbodenheizung, noch Heizkörper drin. Öl-Heizung läuft seit 28 Jahren und wird wohl nicht mehr lange durchhalten. Energieberater war schon da, Heizlast wurde berechnet, bin also schon etwas weiter in der Planung.
Bei dem Wetter hier gerade – 38 Grad und kein Ende in Sicht – denke ich eh immer mehr darüber nach ob ich eine Anlage mit Kühlfunktion nehmen soll, aber das ist ein anderes Thema.
Kann mir jemand erklären wie die Förderlogik zwischen Altbau und Neubau genau funktioniert? Wo liegen die echten Unterschiede und worauf muss ich achten um das Maximum rauszuholen?
Danke schon mal!
Ich bleib mal skeptisch hier. Ja, theoretisch hat man als Altbaubesitzer mit Heizungstausch mehr Bonusmöglichkeiten auf dem Papier. Aber die Praxis sieht oft ganz anders aus.
Bei meiner Recherche (bin auch kein Neubaubesitzer) ist mir aufgefallen: Der Klimageschwindigkeitsbonus klingt toll, aber viele Altbauten schaffen die nötigen Nachweise nicht sauber durch. Vorlauftemperatur-Nachweis, hydraulischer Abgleich, Energieberater-Dokumentation – das kostet alles extra und frisst einen Teil der Förderung wieder auf.
Dein Bruder braucht das alles nicht. Weniger Bürokratie, klare Anforderungen, fertig. In der Praxis ist das manchmal entspannter als 70% auf dem Papier aber monatelanger Stress bis zur Auszahlung.
Ich hab da schon einiges gelesen und bin generell etwas vorsichtig geworden was Förderversprechen angeht. Nicht entmutigen lassen, aber Augen auf.
Hi Thomas,
die Förderlogik ist tatsächlich etwas komplex, aber ich versuch's mal zu erklären. Den größten Unterschied macht nicht das Gebäudealter an sich, sondern der sogenannte Heizungs-Tausch-Bonus bzw. der Effizienzbonus.
Für Bestandsgebäude gibt es beim Heizungstausch von fossil auf Wärmepumpe den Klimageschwindigkeitsbonus – das sind aktuell 20% extra, wenn du von Öl- oder Gasheizung umsteigst. Den Bonus gibt es für Neubauten schlicht nicht, weil die von Anfang an keine fossile Altanlage ersetzen. Die Grundförderung ist für Neubau und Altbau aber tatsächlich ähnlich.
Sprich: Dein Bruder hat die Grundförderung, du hast Grundförderung + Klimageschwindigkeitsbonus. Das klingt erstmal gut für dich, aber es gibt Haken: Einkommensbonus, hydraulischer Abgleich, und bei Altbauten mit Heizkörpern (nicht FBH) schauen die Prüfer genauer hin ob die Vorlauftemperaturen passen.
Du hast also potenziell mehr Bonus-Möglichkeiten als dein Bruder, aber auch mehr Hürden. Ich hab mich mit dem Thema Neubau vs. Altbau bei Erdwärmepumpen schon länger beschäftigt, u.a. in diesem Thread: Erdbohrung vs. Luftwärmepumpe - was ist für Neubau realistischer? – da ging's zwar um Wärmequellen, aber die Förderunterschiede kamen auch kurz auf.
Lass dir auf jeden Fall alle Boni einzeln aufschlüsseln vom Energieberater.
Also ich sag's mal direkt: Der Unterschied den du beschreibst klingt mir ehrlich gesagt eher nach einer ungenauen Auskunft von eurem jeweiligen Energieberater als nach einem echten systematiischen Unterschied zugunsten Neubau.
Ich steck da selber tief drin, hab ein Bestandsgebäude aus den 60ern – da gab's auch erstmal Verwirrung was genau machbar ist. Kurz zusammengefasst was ich gelernt hab:
- Grundförderung: gleich für alle (30% Basis aktuell soweit ich weiß)
- Klimageschwindigkeitsbonus 20%: NUR für Altbau mit Heizungstausch fossil -> erneuerbar
- Einkommensbonus 30%: nur Selbstnutzer unter bestimmter Einkommensgrenze
- Effizienzbonus für bestimmte Wärmequellen: auch für Altbau möglich
Theoretisch kannst du als Altbaubesitzer auf bis zu 70% kommen wenn alles passt. Dein Bruder im Neubau KANN den Klimabonus gar nicht bekommen. Irgendwas stimmt da mit den Zahlen nicht die ihr bekommen habt.
Würde wirklich empfehlen nochmal einen zweiten Energieberater zu fragen oder zumindest die KfW-Seite selbst durchzulesen – da steht das eigentlich gut erklärt.
Ich sehe das etwas nüchterner als L.Weber96 oben – grundsätzlich stimmt die Erklärung, aber ich würde aufpassen den Klimageschwindigkeitsbonus als gesichert einzuplanen. Der ist an ziemlich konkrete Bedingungen geknüpft und für Altbauten mit alten Heizkörpern und entsprechend hohen Systemtemperaturen kann es schnell eng werden.
Konkret: Wenn dein Haus bisher mit 70/55°C Vorlauf/Rücklauf betrieben wurde (bei Altbauten von 72 nicht ungewöhnlich), muss die neue Wärmepumpe nachweislich bei deutlich niedrigeren Temperaturen effizient arbeiten können. Das ist technisch lösbar aber nicht immer ohne Nachrüstung der Heizkörper.
Ich hab mich da intensiv eingelesen weil ich selbst sowas durchrechnen musste – für die Heizlastseite empfehle ich dir übrigens mal hier reinzuschauen: COP-Vergleich Neubau vs. Altbau: Welche Unterschiede sind realistisch? – das hängt direkt damit zusammen.
Kurz gesagt: Dein Bruder hat weniger Boni aber auch weniger Fallstricke. Du hast mehr Potenzial, musst aber sorgfältiger planen und dokumentieren. Lass die genauen Systemtemperaturen von deinem Energieberater dokumentieren bevor du irgendeinen Antrag stellst.