Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei ernsthaft zu überlegen, ob eine Wärmepumpe für mein Haus Sinn macht – aber ich habe dabei ein grundlegendes Problem: Das Haus ist aus den frühen 70ern und die Dämmung ist... sagen wir mal ausbaufähig. Keller ungedämmt, Dach hat nur 8cm Glaswolle, Fenster wurden zwar in den 90ern getauscht, sind aber auch nicht mehr Stand der Technik.
Jetzt lese ich überall Wirtschaftlichkeitsrechnungen, die von JAZ 3,5 aufwärts ausgehen – aber bei meinem Haus mit hohem Wärmebedarf und der nötigen Vorlauftemperatur von vermutlich 55-60°C dürfte ich doch eher bei JAZ 2,0 bis 2,5 landen? Vielleicht sogar schlechter?
Wie rechne ich das dann realistisch durch? Ich will mir nichts schönreden. Welche Parameter sind bei schlechter Dämmung besonders kritisch? Und macht es Sinn, erst die Dämmung zu verbessern und dann die WP zu rechnen – oder gibt es Szenarien wo WP auch ohne große Sanierung noch Sinn ergibt?
Heizkörper habe ich übrigens noch, keine Fußbodenheizung. Aktuell heize ich mit Öl.
Falls jemand eine ähnliche Ausgangslage hatte wäre ich sehr dankbar für echte Zahlen, nicht nur Theorie. Gerade im Sommer hat man ja etwas Muße solche Dinge durchzudenken bevor der Herbst kommt.
Danke schon mal!
Die Frage ist berechtigt und leider wird sie viel zu selten so ehrlich gestellt. Ich hab mich in dem Bivalenzpunkt-Thread (Bivalenzpunkt selbst festlegen – wie geht ihr das an?) auch schon damit beschäftigt, dass viele Leute mit unrealistischen Grundannahmen rechnen.
Bei 55-60°C Vorlauf und schlechter Gebäudehülle ist JAZ 2,0-2,5 tatsächlich realistisch, eher sogar am oberen Ende. Damit rechnest du grob: Dein aktueller Ölverbrauch in kWh umrechnen, dann durch 2,2 teilen und mit deinem Strompreis multiplizieren. Ob das günstiger ist als Öl, hängt stark vom aktuellen Heizölpreis ab – und der ist zuletzt wieder gestiegen.
Die kritischsten Parameter bei schlechter Dämmung:
- Jahresheizwärmebedarf (wie viel kWh brauchst du insgesamt?)
- Maximale Vorlauftemperatur die deine Heizkörper brauchen
- Wie oft wird's bei dir im Winter wirklich kalt (Klimazone)
Meine ehrliche Einschätzung: Bei unverändertem Gebäude und Heizkörpern ist die WP alleine oft keine Wunderlösung. Aber eine Teilsanierung – z.B. nur Dachboden dämmen und Heizkörper teils tauschen – kann den Break-Even deutlich verbessern. Das sollte man zusammen rechnen, nicht getrennt.
Da muss ich WaermeFuchs88 teilweise widersprechen – oder zumindest ergänzen. Die JAZ ist bei schlechter Dämmung nicht das einzige Problem. Auch die Investitionskosten spielen eine Rolle: Eine WP die für hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt ist (z.B. Hochtemperatur-WP) kostet mehr in der Anschaffung. Das verschiebt die Amortisation nochmal nach hinten.
Ich hab bei mir ähnliches durchgerechnet. Heizlastberechnung nach EN 12831 ist Pflicht – ohne die stocherst du im Nebel. Am besten einen Energieberater (BAFA-zugelassen) beauftragen, die können dir die Szenarien durchrechnen: WP ohne Sanierung, WP mit Dachdämmung, WP mit Heizkörpertausch usw.
Was mich bei deiner Beschreibung stutzig macht: 60°C Vorlauf klingt nach sehr alten oder unterdimensionierten Heizkörpern. Manchmal reicht schon ein hydraulischer Abgleich und neue Heizkörper in den kältesten Räumen um auf 50-52°C runterzukommen – und das macht bei der JAZ einen spürbaren Unterschied.