Hallo zusammen,
ich plane gerade ernsthaft den Umstieg von meiner alten Ölheizung auf Wärmepumpe und hänge seit Wochen an der Frage: Luft-Wasser oder Erdwärme – was lohnt sich unterm Strich mehr und vor allem schneller?
Meine Situation: Einfamilienhaus, Baujahr 1988, ca. 160qm Wohnfläche, Fußbodenheizung im Erdgeschoss, oben noch Radiatoren. Heizlast hab ich grob auf ca. 9-10 kW schätzen lassen. Grundstück ist vorhanden und würde Erdkollektoren zulassen, aber die Erschließungskosten sind natürlich deutlich höher als bei einer Luftwärmepumpe.
Mir ist klar dass die Erdwärme einen stabileren COP hat, vor allem im Winter wenn die Lufttemperaturen tief sinken. Aber die Mehrkosten bei der Installation (Tiefenbohrung oder Flächenkollektor) von teilweise 10.000-15.000 Euro mehr – das muss sich ja auch irgendwann amortisieren.
Hat jemand hier konkrete Zahlen aus eigener Erfahrung? Also Installationskosten, jährliche Betriebskosten, und wann ihr die Schwelle zur ehemaligen Ölheizung geknackt habt? Oder rechnet ihr das überhaupt so direkt gegeneinander?
Ich frage auch weil ich gelesen habe dass Luftwärmepumpen im Sommer durch die hohen Außentemperaturen gerade jetzt im Juli ja quasi Idealzustand haben – aber darum geht's mir weniger, ich will wissen wie's im Winter aussieht und was unter dem Strich nach 10-15 Jahren bleibt.
Danke schon mal!
Gute Frage, ich hab mich mit dem Thema Inverter-Regelung intensiv beschäftigt (z.B. hier: Inverter vs On-Off WP - macht das bei Smart Home Integration Unterschied?) und da spielt der Systemtyp natürlich auch rein.
Kurz aus meiner Sicht: Die Amortisationsrechnung hängt massiv davon ab, wie viele Jahre du planst zu bleiben und wie sich Strompreise entwickeln. Erdwärme hat bei euch mit 9-10 kW Heizlast und Altbau-Radiatoren oben einen echten Vorteil, weil die Quellentemperatur konstant bleibt – das schlägt sich direkt in der JAZ nieder, grob 0,3-0,5 Punkte mehr als Luft-Wasser im Jahresschnitt, je nach Standort.
Konkrete Zahlen: Ich hab Luft-Wasser (Investition ca. 18k nach Förderung), kenne aber Leute mit Erdkollektor bei ca. 25-28k nach Förderung. Der Unterschied von ~8k amortisiert sich bei 0,4 JAZ-Unterschied und eurem Verbrauch realistisch in 10-14 Jahren. Nicht dramatisch, aber nicht nichts.
Für mich persönlich war Luft-Wasser die richtige Entscheidung wegen weniger Aufwand bei der Installation – aber bei eurem Grundstück und wenn ihr langfristig plant, würde ich Erdwärme ernsthaft durchrechnen lassen.
Also ich muss da mal etwas nüchterner rangehen als TechTom. Die Frage ist nicht nur 'was amortisiert sich schneller' sondern auch was passiert wenn der Kollektor Probleme macht oder die Bohrung nicht die erhoffte Entzugsleistung liefert. Ich hab mich beruflich viel mit Installations- und Genehmigungsfragen beschäftigt – bei Tiefenbohrungen braucht ihr je nach Bundesland wasserrechtliche Genehmigungen, das kostet Zeit und manchmal auch extra Geld das viele nicht einrechnen.
Flächenkollektoren sind da unkomplizierter, aber ihr braucht wirklich ausreichend Fläche – Faustregel ca. 1,5-2x die zu beheizende Fläche als Kollektorfläche, also bei euch 240-320qm Gartenfläche die dann quasi nicht mehr anderweitig nutzbar ist (kein Swimmingpool drüber, keine tiefer wurzelnden Bäume usw.).
Luft-Wasser ist bei gleicher Förderkulisse schlicht günstiger und schneller amortisiert, vorausgesetzt die JAZ stimmt. Bei einem Altbau mit Radiatoren oben solltet ihr aber unbedingt die Vorlauftemperaturen prüfen – wenn ihr da auf 55-60°C angewiesen seid, frisst das den Vorteil beider Systeme deutlich auf.