Hallo zusammen,
wir haben seit letztem Herbst eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (Viessmann Vitocal 200-A, 10 kW) und sind soweit zufrieden. Jetzt im Sommer merkt man natürlich, dass die WP kaum läuft – nur noch Warmwasserbereitung – und trotzdem zahlen wir weiter den vollen Strompreis für alles andere im Haushalt.
Da kommen bei mir Gedanken auf, ob sich eine PV-Anlage als Ergänzung lohnen würde. Die Dachfläche wäre vorhanden (Südausrichtung, ca. 40 m², Neigung ~35°), und gerade jetzt im Juli mit den langen Sonnentagen sieht man ja wie viel Potenzial da auf dem Dach liegt.
Meine konkrete Frage: Wie rechnet ihr das durch? Ich meine nicht die simple "Amortisation in X Jahren"-Rechnung, sondern ob es Sinn macht, die PV gezielt auf den WP-Betrieb im Winter auszulegen oder eher auf Eigenverbrauch im Sommer zu optimieren. Im Winter erzeugt PV ja kaum was, und genau dann braucht die WP am meisten Strom.
Hat jemand das für sich konkret durchgerechnet und kann Erfahrungswerte teilen? Speicher dazu oder ohne? Aktuelle Einspeisevergütung ist ja eher mau, also muss Eigenverbrauch maximiert werden, denke ich.
Bin für jeden Hinweis dankbar, auch wenn die Antwort "lohnt sich nicht" ist – ich will einfach eine realistische Einschätzung.
Viele Grüße
T.Weber94
Ich seh das etwas skeptischer als die Vorredner, muss ich sagen.
Ich hab mich hier im Forum schon öfter mit Wirtschaftlichkeitsrechnungen beschäftigt (z.B. beim Thema Stromverbrauch Wärmepumpe - Explodiert meine Rechnung wirklich?) und was mich dabei immer wieder stört: Die meisten Berechnungen gehen von stabilen Strompreisen aus. Werden die wirklich so bleiben? Einspeisevergütung? Modulpreise?
Deine Situation mit Südausrichtung und 35° Neigung ist ideal, das ist schon mal gut. Aber 8-11 Jahre Amortisation bedeutet auch: du bist auf Prognosen über fast ein Jahrzehnt angewiesen.
Ich sag nicht, mach's nicht. Aber rechne konservativ. Lieber mit 28 Cent Eigenverbrauchsvorteil kalkulieren als mit 30, lieber 70% PV-Nutzung annehmen als 80. Dann weißt du ob's auch im schlechten Szenario noch passt.
Das Thema kenn ich gut – hab mich letzten Sommer intensiv damit beschäftigt, auch wegen dem Thema Urlaub und WP-Betrieb (da gibts eigentlich nen eigenen Thread dazu, aber egal).
Kurz zu deiner Kernfrage: PV auf WP-Betrieb im Winter auszulegen ist meiner Meinung nach ein Denkfehler. Eine 10-kWp-Anlage liefert im Dezember/Januar bei uns (Mitteleuropa) vielleicht 200-300 kWh insgesamt – deine WP braucht in dem Monat locker 400-600 kWh. Das deckt sich nicht.
Was wirklich funktioniert: Im Sommer den Eigenverbrauch maximieren – Warmwasser tagsüber mit PV-Überschuss laden, Haushaltsstrom abdecken, evtl. Kühlung über die WP wenn die das kann. Damit sparst du im Sommer ordentlich Geld und das gegenrechnest du dann gegen die Investition.
Bei aktuell ~8 Cent Einspeisevergütung und ~30+ Cent Bezugsstrom macht jede selbst verbrauchte kWh rechnerisch ~22 Cent Unterschied. Ohne Speicher kommst du auf 25-35% Eigenverbrauchsquote, mit Speicher auf 60-75%.
Bei 40 m² Süddach würde ich grob 10-12 kWp planen. Amortisation je nach Strompreisen und Investitionskosten aktuell so bei 8-11 Jahren. Realistisch, finde ich.
Kurz und knapp weil ich das gerade erst für mich durchgespielt hab (Kontext Klimaanlage + PV, siehe meine Posts drüben): Die Kombination WP + PV + Überschusssteuerung lohnt sich bei deinen Dachverhältnissen, aber nur wenn du SG-Ready wirklich nutzt. Ohne smarte Steuerung verschenkst du die Hälfte des Potenzials.