Hallo zusammen,
ich sitze hier gerade im Garten und ärgere mich ein bisschen. Vor knapp zwei Jahren haben wir unsere Luft-Wasser-Wärmepumpe einbauen lassen, damals mit einer Amortisationsrechnung über ca. 14 Jahre. Grundlage war ein Wärmepumpenstromtarif von 0,221 €/kWh.
Jetzt hat mir mein Versorger gerade mitgeteilt, dass der Wärmepumpentarif ab Juli auf 0,268 €/kWh steigt. Das klingt erstmal nicht dramatisch, aber wenn ich überlege, dass wir letztes Jahr rund 6.200 kWh über diesen Tarif bezogen haben, macht das ja schon einen Unterschied von fast 290 Euro pro Jahr aus.
Meine Frage: Wie rechne ich das jetzt sauber durch? Ich meine, der Strompreis wird ja vermutlich nicht statisch bleiben – vielleicht steigt er weiter, vielleicht sinkt er auch wieder. Wie geht ihr da mit Unsicherheiten um? Nehmt ihr einfach den aktuellen Preis und rechnet linear weiter, oder baut ihr eine Art Anstiegsrate ein?
Und noch was: Wir haben zwar eine kleine PV-Anlage (5,4 kWp), aber das ist nochmal eine separate Geschichte, die ich erstmal weglassen möchte um die Frage nicht zu überfrachten.
Bin gespannt wie ihr sowas handhabt. Irgendwelche Tabellen oder einfache Methoden die ihr nutzt?
Ich habe das bei uns im Altbau ähnlich erlebt – Strompreise sind seit der Umrüstung schon zweimal gestiegen. Was ich gelernt habe: Man muss ehrlich sein und die Amortisationsrechnung alle zwei bis drei Jahre aktualisieren, nicht einmal aufstellen und dann nie wieder anschauen.
Bei uns hat sich trotz Preissteigerungen die Rechnung kaum verschlechtert, weil gleichzeitig der Referenz-Gaspreis und der CO2-Aufschlag ebenfalls gestiegen sind. Die WP konkurriert ja nicht gegen sich selbst, sondern gegen die alte Heizung. Wer früher mit Gas geheizt hat, zahlt inzwischen auch deutlich mehr – das vergessen viele beim Jammern über den Strompreis.
Für die Berechnung empfehle ich: Beide Seiten des Vergleichs immer gleichzeitig aktualisieren. Dann sieht man erst wirklich ob man besser oder schlechter dasteht. In meinem Fall: trotz höherem Strompreis bin ich gegenüber Gas heute günstiger als vor zwei Jahren.
Ich seh das etwas anders als Sarah hier. Lineare Fortschreibung mit aktuellem Preis ist zu simpel, weil sie systematisch unterschätzt wie stark sich Preissteigerungen über lange Zeiträume aufkumulieren.
Bei 290 €/Jahr Mehrbelastung jetzt, plus angenommenen 2,5% Preissteigerung p.a. (historisch eher konservativ), kommst du über 12 verbleibende Jahre auf deutlich mehr als eine simple Multiplikation ergibt. Ich nutze für sowas eine kleine Excel-Tabelle mit abgezinsten Cashflows – Barwertmethode, also Net Present Value. Klingt aufwendiger als es ist.
Der Vorteil: Du kannst verschiedene Szenarien (optimistisch 1,5% Anstieg / pessimistisch 4% Anstieg) sauber nebeneinander legen und siehst wie sensitiv deine Amortisation auf den Preispfad reagiert. Wichtig dabei: Auch den Referenzpreis deiner Alternativheizung mit entsprechender Anstiegsrate modellieren, sonst vergleichst du Äpfel mit Orangen. Zur Dimensionierungsfrage Luft-WP hatte ich mich schonmal geäußert: LW vs SW Dimensionierung – das ist aber ne andere Baustelle.
Kurze Ergänzung zu dem was Torsten schreibt: Stimmt, die PV-Komponente lohnt sich unbedingt reinzurechnen. Gerade jetzt im Sommer, wenn die Anlage auf Hochtouren läuft und die WP wenig für Heizung braucht – da kann man den Überschuss in den Warmwasserspeicher schieben und spart damit gezielt beim teuren Netzbezug. Das ist quasi deine natürliche Absicherung gegen Preissteigerungen, die du schon eingebaut hast aber noch nicht voll nutzt.
Zur ursprünglichen Frage: Ich rechne persönlich immer mit Bandbreiten, nicht mit Punktwerten. Also Amortisation frühestens X Jahre, spätestens Y Jahre – und wenn das Worst-Case-Szenario immer noch akzeptabel ist, mach ich mir keinen Kopf. Alles andere ist Kaffeesatzleserei.
290 Euro mehr im Jahr, da verschiebt sich die Amortisation halt um grob 1-2 Jahre. Nervig, aber kein Beinbruch. Ich hätte übrigens auch die PV-Sache nicht weggelassen – 5,4 kWp kann bei 6.200 kWh Jahresverbrauch schon einiges abfedern, gerade im Sommer läuft ja wenig Heizlast und man produziert am meisten. Das wäre mein erster Ansatz um die Preissteigerung zu kompensieren.