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Smart-Home-Daten für Amortisationsrechnung nutzen – wie macht ihr das?

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MarkusT84
Beiträge: 44
Themenstarter
(@markust84)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#109]

Moin zusammen,

ich sitze gerade an einem kleinen Auswertungsprojekt und würde gerne eure Erfahrungen hören. Ich logge seit gut einem Jahr alle relevanten Datenpunkte meiner Luft-Wasser-WP über ein selbst gebautes Dashboard – Stromverbrauch, Vorlauftemperatur, COP-Werte in Echtzeit, Laufzeiten usw. Das geht alles über MQTT rein in eine InfluxDB und ich visualisiere das mit Grafana. Klappt super.

Jetzt möchte ich diese Daten sinnvoll für eine echte Amortisationsrechnung nutzen. Also nicht die übliche Schätzrechnung die man überall findet (JAZ 3,5 angenommen, Strompreis X, fertig), sondern etwas das auf meinen tatsächlichen Messwerten basiert. Ich habe reale Verbrauchsdaten, weiß genau was ich pro Monat an Strom gezogen habe und was ich vorher mit der alten Gasheizung bezahlt hab.

Was ich noch nicht so richtig gelöst habe: Wie gewichtet ihr Sonderfaktoren wie ungewöhnlich kalte oder warme Winter in eurer Rechnung? Dieser Sommer zB ist deutlich wärmer als der letzte – meine WP kühlt gerade aktiv und das verschiebt natürlich die reine Heizkosten-Bilanz.

Außerdem: Rechnet ihr Wartung, Versicherung und den Kapitaleinsatz (also entgangene Zinsen) wirklich mit rein? Ich will das möglichst korrekt modellieren, nicht schönrechnen.

Freue mich über konkrete Zahlen oder Methoden die ihr selbst nutzt – egal ob Excel-Sheet, Python-Skript oder Bauchgefühl 😄


7 Antworten
Stefan89
Beiträge: 43
(@stefan89)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Ich mach das seit 3 Jahren und kann ein paar konkrete Sachen beisteuern.

Klimabereinigung: Gradtagszahlen sind gut, aber ich mach es pragmatischer – ich schau mir die monatlichen Durchschnittstemperaturen meiner Wetterstation an (hab eine Davis im Garten) und korrigiere manuell wenn ein Monat stark abweicht. Ist nicht so akademisch sauber aber für meine Zwecke völlig ausreichend.

Den Kühlbetrieb im Sommer rechne ich NICHT gegen die WP-Amortisation, sondern betrachte das als separaten Nutzen/Bonus. Sonst vermischst du Äpfel und Birnen – die WP wurde primär zum Heizen angeschafft. Der Kühlstrom kommt bei mir sowieso fast komplett von PV, das wäre sonst buchhalterisch ein Alptraum.

Kapitalkosten: ja, ich rechne die rein. Ich nehme 3% p.a. auf den Investitionsbetrag minus Förderung. Wartung: bei mir sind das real ca. 180 EUR/Jahr inkl. einem Check alle 2 Jahre durch den Techniker. Versicherung ist bei mir in der Gebäudeversicherung drin, kaum Mehrkosten.

Für die Gegenrechnung alte Heizung: Vergiss nicht den CO2-Aufschlag der auf Gas weiter steigt – der verändert die Rechnung jedes Jahr zugunsten der WP.


Antwort
HolgerAltbau_72
Beiträge: 44
(@holgeraltbau_72)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Dein Grafana-Setup klingt nach genau dem was ich mir für meine Anlage auch irgendwann richtig aufbauen will – ich hab bisher nur die App des Herstellers und ein smartes Energiemessgerät.

Zur Sommer-Kühlung und Amortisation: Ich buch das bei mir als "vermiedene Kosten Klimaanlage" gegen – also was ich für ein alternatives Kühlgerät ausgeben würde. Das ist zugegebenermaßen etwas konstruiert aber es fühlt sich fairer an als den Kühlstrom einfach zu ignorieren. Meine PV übernimmt tagsüber den Kühlstrom eh komplett, insofern ist der Effekt auf die Amortisation minimal.

Was mir in 5 Jahren aufgefallen ist: Der größte Hebel war nicht die Optimierung der WP selbst, sondern die Verschiebung von Verbrauchsspitzen in PV-Überschusszeiten. Das hat meine tatsächlichen Stromkosten pro kWh Heizenergie nochmal deutlich gesenkt – und damit die gesamte Rechnung positiv verschoben. Lohnt sich ggf. auch in dein Modell aufzunehmen.


Antwort
R.Kaufmann
Beiträge: 3
(@r-kaufmann)
New Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Ich mach das jetzt seit über 8 Jahren und ehrlich gesagt hab ich irgendwann aufgehört mir selbst etwas vorzumachen mit zu optimistischen Annahmen.

Mein Rat: Rechne alles rein was real anfällt. Bei mir waren das in Jahr 4 eine ungeplante Nachfüllng Sole und ein Elektronikmodul – zusammen ~600 EUR. Das taucht in keiner Standard-Amortisationsrechnung auf. Ich hab jetzt eine "Puffer-Rücklage" von 2% der Investitionssumme pro Jahr in meiner Kalkulation, die ich auch wirklich auf einem separaten Konto halte.

Nach 8 Jahren kann ich sagen: Die Rechnung geht auf, aber es hat länger gedauert als die Hochglanzbroschüren versprochen haben. Bei mir kamen Strompreiserhöhungen und der steigende CO2-Preis auf Gas zusammen und haben die Bilanz letztendlich deutlich verbessert. Den genauen Breakeven hatte ich in Jahr 11 – im Altbau aus den 60ern ohne Vollsanierung.

Deine datenbasierte Methode find ich richtig gut. Wünschte ich hätte sowas von Anfang an gehabt.


Antwort
Tobias F.
Beiträge: 5
(@neubauwaerme42)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich plane gerade meinen Neubau und komme von einer anderen Richtung, aber die Frage nach der "ehrlichen" Amortisationsrechnung treibt mich genauso um. Was mich bei meiner Planung beschäftigt: Die meisten Tools rechnen mit statischen Annahmen, obwohl sich Strompreise, Einspeisevergütung und Nutzungsverhalten jedes Jahr ändern.

Bei Fußbodenheizung + LW-WP im Neubau wäre mein Plan gewesen, ab Tag 1 alles zu loggen. Dein Setup mit InfluxDB/Grafana klingt nach genau dem was ich auch aufbauen wollte – magst du mal teilen welche WP-Modelle sich da gut über MQTT anbinden lassen? Das würde mir bei der Modellauswahl tatsächlich weiterhelfen.

Zur Frage Klimabereinigung: Gradtagszahlen vom DWD, wie TobiasH schon sagt, ist der sauberste Weg. Ich würde noch ergänzen dass man auch die Warmwasser-Anteile sauber trennen sollte, weil die klimaunabhängig sind und sonst die Jahreskurven verzerren.


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