Moin zusammen,
jetzt im Sommer läuft meine Luft-Wasser-Wärmepumpe natürlich hauptsächlich für die Warmwasserbereitung, und ich nutze die ruhigere Zeit um mal tiefer in meine Auswertungen einzutauchen. Dabei bin ich wieder über eine Frage gestolpert, die mich schon länger beschäftigt: Was sagen COP und JAZ eigentlich wirklich aus, und wann schaut man auf welchen Wert?
Mein KNX-System loggt mir jeden Tag fleißig mit, und ich sehe natürlich starke Schwankungen beim momentanen COP – je nach Außentemperatur, Vorlauftemperatur und ob gerade Warmwasser bereitet wird. Im Winter bei -5°C und 50°C Vorlauf sieht der COP natürlich ganz anders aus als heute im Juli.
Die JAZ als Jahresmittel glättet das ja alles – aber frage ich mich: Ist die JAZ dann überhaupt ein fairer Vergleichswert zwischen verschiedenen Anlagen? Mein Altbau aus den 70ern braucht im Winter halt höhere Vorlauftemperaturen als ein Neubau, das drückt ja die JAZ gnadenlos runter – auch wenn die Anlage selbst effizient arbeitet.
Wie rechnet ihr das bei euch? Trennt ihr Warmwasser-COP von Heizungs-COP? Und macht es für euch Sinn, eine "Sommer-JAZ" (quasi nur Warmwasser) separat auszuwerten, um die reine Heizleistung der Anlage besser beurteilen zu können?
Bin gespannt auf eure Erfahrungen, gerade von denen die ebenfalls im Bestand heizen.
Grüße, Rainer
Ich les hier mit und muss kurz einhaken: Passt auf dass ihr bei der JAZ-Berechnung den Hilfsstromanteil nicht vergesst – Umwälzpumpen, Steuerung, Abtauheizung. Die tauchen in vielen Auswertungen gar nicht auf und das verfälscht die Zahlen ganz schön. Bei meiner Anlage hab ich das mal rausgerechnet und war überrascht wie viel das ausmacht, vorallem im Winter mit vielen Abtauzyklen. Wer nur den Kompressorstrom misst bekommt eine zu gute JAZ.
Rainer, du hast das eigentlich schon selbst gut auf den Punkt gebracht.
COP ist der Momentanwert – technisch korrekt, aber nur dann aussagekräftig wenn du die Randbedingungen kennst (Außentemperatur, Vorlauf, Betriebspunkt). Für die tägliche Kontrolle ob die Anlage "ordentlich läuft" gut geeignet.
JAZ ist das Jahresmittel und berücksichtigt alles – Warmwasser, schlechte Wintertage, Abtauzyklen, das volle Programm. Für einen Vergleich zwischen Gebäuden ist sie trotzdem mit Vorsicht zu genießen, da geb ich dir völlig recht. Ich mache das bei mir seit Jahren so: Ich trenne Heizwärme und Warmwasser komplett, mit eigenem Wärmemengenzähler auf dem WW-Kreis. So bekomme ich eine "Heizungs-JAZ" und eine "WW-JAZ" separat. Das ist wesentlich aufschlussreicher.
Im Altbau mit höheren Vorlauftemperaturen wirst du systembedingt eine niedrigere Heizungs-JAZ haben – das ist kein Versagen der Anlage, sondern eine Aussage über das Gebäude. Wenn du dann die Vorlauftemperatur schrittweise absenkst (was du ja über KNX gut steuern kannst), siehst du direkt in der JAZ wie sich jedes Grad Vorlaufabsenkung auswirkt. Das ist der eigentliche Hebel im Bestand.
Ich bin nach langer Pause wieder hier und beschäftige mich gerade intensiv mit JAZ-Werten für unseren geplanten Neubau – deswegen hab ich diesen Thread mit Interesse gelesen.
Was mich wirklich umtreibt: Wie hat sich die JAZ in der Praxis in den letzten Jahren entwickelt? Vor 8 Jahren waren Werte von 3,0 bis 3,5 im Bestand schon gut, bei modernen Geräten und Neubauten liest man heute von 4,5 aufwärts. Stimmt das wirklich im Alltag oder sind das Laborbedingungen?
Und zum eigentlichen Thema: Der Unterschied COP vs. JAZ war mir ehrlich gesagt nicht so klar – danke für die Erklärung von R.Hofmann. Ich dachte die werden oft synonym verwendet, aber dass der COP wirklich nur der Momentanwert ist und die JAZ das ganze Jahr einrechnet inklusive Abtauen und Anlaufvorgängen – das erklärt warum Herstellerangaben immer so blumig aussehen. Die nennen halt COP unter Idealbedingungen und die JAZ im Betrieb sieht dann anders aus.