Hallo zusammen,
ich bin gerade in der Planungsphase für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe und beschäftige mich neben Herstellervergleich und Förderung auch mit den möglichen Betriebsproblemen, die in den ersten Jahren auftreten können. Dabei bin ich auf das Thema Kältemittelverlust gestoßen.
Meine Frage: Gibt es Möglichkeiten, als technisch versierter Laie (ich bin Ingenieur, also nicht völlig ohne Grundverständnis) einen schleichenden Kältemittelverlust selbst zu erkennen – ohne sofort einen Fachbetrieb rufen zu müssen?
Ich frage deshalb, weil ich gelesen habe, dass ein solcher Verlust sich oft sehr langsam entwickelt und die Anlage trotzdem noch irgendwie läuft, aber mit deutlich schlechterem COP. Gibt es typische Symptome, die man beobachten kann – z.B. über die Betriebsdaten der Regelung, ungewöhnliche Drücke (falls irgendwo angezeigt), Laufzeiten, Temperaturdifferenzen oder ähnliches?
Bei Sole-Wasser-WP ist ja der Kältemittelkreis komplett im Innenteil eingeschlossen, insofern stellt sich mir die Frage, ob man da überhaupt irgendwas sehen kann ohne Messgerät. Ich will nicht blind vertrauen, sondern gerne selbst ein Monitoring aufbauen, das mir frühzeitig Hinweise gibt.
Wer hat da praktische Erfahrung gesammelt? Geht das überhaupt sinnvoll ohne Fachbetrieb?
Ich hab mich mit dem Thema auch kurz befasst, weil ich zwischen Erdwärme und Grundwasser überlege (siehe meinen Thread Erdwärme nachrüsten im Bestand). Was ich aufgeschnappt hab: Viele neuere WP-Modelle zeigen im Display oder per App tatsächlich Betriebsdrücke oder zumindest Verdampfungs- und Verflüssigungstemperaturen an. Wenn du den Hersteller bei deinem Vergleich schon genau anschaust, würd ich das als Kriterium mit aufnehmen – manche Geräte sind da deutlich transparenter als andere.
Ohne diese Werte direkt sehen zu können ist man eigentlich auf indirekte Symptome angewiesen: ungewöhnlich lange Laufzeiten, steigende Stromaufnahme bei gleicher Wärmeleistung, oder wenn die WP bei Temperaturen aufgibt, bei denen sie früher noch problemlos lief. Also eher so: du merkst dass irgendwas nicht stimmt, aber ohne Messwerkzeug weißt du halt nicht genau was.
Als jemand der die Anlage aktiv per Monitoring überwacht (hab dazu auch was im Kühlbetrieb-Thread geschrieben) kann ich das bestätigen, was Thomas sagt: Basiswerte sind alles.
Konkret bei Kältemittelverlust – die klassischen Indikatoren die du im Monitoring siehst: Die Heißgastemperatur steigt, die Verdampfungstemperatur fällt ungewöhnlich tief, der Kompressorstrom geht rauf während die Wärmeleistung sinkt. Wenn deine WP eine Schnittstelle hat (Modbus, SG-Ready mit Datenzugriff o.ä.), kann man das alles loggen. Bei meiner LW-WP sehe ich das direkt in den Betriebsdaten.
Ein Kältemittelverlust von sagen wir 10-15% ist im Alltag anfangs kaum spürbar – die Anlage läuft einfach öfter. Erst wenn der COP messbar in den Keller geht, wird es offensichtlich. Und dann ist oft schon einiges verloren. Also früh messen, Abweichungen ernst nehmen, Fachmann holen sobald die Kurven nicht mehr stimmen.
Interessante Frage, die mich als künftigen Sole-WP-Betreiber (bin gerade beim Altbau-Umbau) auch beschäftigt. Meine Erfahrung aus dem Thread zu Vorlauftemperatur im Altbau war: Man lernt eine Anlage erst wirklich kennen wenn man Basiswerte hat, mit denen man Abweichungen vergleichen kann.
Auf deinen Fall übertragen: Wenn du von Anfang an die Spreizung zwischen Sole-Ein- und Austritt, die Vorlauftemperatur und die Laufzeit pro Heizgrad loggst, merkst du recht früh wenn etwas aus dem Rahmen fällt. Ein schleichender Kältemittelverlust zeigt sich typischerweise daran dass die Anlage bei gleichen Außenbedingungen länger läuft und trotzdem weniger Wärme liefert – der COP sackt ab.
Das Problem: ohne Druckmessung am Kältemittelkreis kannst du nicht direkt bestätigen, dass es wirklich Kältemittelverlust ist und kein anderes Problem. Aber du kannst den Verdacht früh genug haben um rechtzeitig einen Fachbetrieb zu rufen – bevor wirklich Schaden entsteht. Als Ingenieur mit Monitoring-Ansatz bist du da schon auf dem richtigen Weg.
Direkt messen ohne Fachbetrieb geht beim Kältemittelkreis schlicht nicht, das ist gesetzlich geregelt (F-Gase-Verordnung). Punkt.
Was du aber selbst machen kannst: Temperatursensoren an Vor- und Rücklauf, Solekreis-Ein und -Aus, und das ganze über Zeit aufzeichnen. Wenn die Temperaturspreizung am Verdampfer komisch wird oder die Effizienz bei gleichen Randbedingungen nachweisbar abnimmt, ist das ein klares Zeichen dass du einen Fachmann brauchst. Ich hab bei meiner FBH-Planung gemerkt wie viel man mit einfacher Messtechnik selbst rausfinden kann – aber beim Kältemittel selbst ist Schluss.