Benachrichtigungen
Alles löschen

Vorlauftemperatur zu hoch: welche Schäden entstehen wirklich?

5 Beiträge
5 Benutzer
0 Reactions
11 Ansichten
Klaus-Weber
Beiträge: 36
Themenstarter
(@klaus-weber)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#95]

Moin zusammen,

ich stoße hier im Forum immer wieder auf pauschale Warnungen wie "zu hohe Vorlauftemperatur schadet der Wärmepumpe" oder "das zerstört die Effizienz" – aber konkrete, technisch fundierte Erklärungen bleiben meist aus. Als jemand, der seit 15 Jahren in der Anlagenplanung arbeitet, interessiert mich das etwas genauer.

Konkreter Hintergrund: Ein Kollege hat bei einem Neubau (Fußbodenheizung, Estrich fertig seit ca. 8 Monaten) festgestellt, dass die Heizkurve vom Installateur offenbar zu steil eingestellt wurde. Vorlauf lief laut Logdaten zeitweise bei 52–54°C, obwohl für das Objekt nach Heizlastberechnung eigentlich 35°C Auslegungstemperatur ausreichend wären. Das ist jetzt rund 6 Monate so gelaufen.

Meine konkreten Fragen:
1. Welche messbaren Folgen hat das über mehrere Monate – mechanisch, elektrisch, Kältkreis?
2. Gibt es einen Punkt, ab dem Schäden am Kompressor wahrscheinlich werden, oder bleibt es "nur" bei JAZ-Verlusten?
3. Wie geht ihr bei der Korrektur vor – einfach Heizkurve runtersetzen und fertig, oder braucht es eine Übergangsphase?

Ich bin skeptisch gegenüber der oft gehörten Aussage, man müsse da "vorsichtig schrittweise" vorgehen. Technisch sehe ich da keinen zwingenden Grund. Bin gespannt auf Meinungen aus der Praxis.


4 Antworten
Markus B.
Beiträge: 5
(@jaz_optimierer)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Wochen

Ich kann das aus meiner Erfahrung mit realen Messdaten kommentieren: Der JAZ-Verlust bei 52°C statt 35°C Vorlauf ist brutal. Ich habe das bei mir selbst in einer kurzen Testphase durchgerechnet – für jeden Grad mehr Vorlauf verlierst du grob 2–2,5% COP. Macht bei 17 Grad Differenz ca. 35–42% schlechtere Effizienz. Das über 6 Monate Heizperiode: da reden wir je nach Anlage von mehreren hundert Euro Mehrkosten, die einfach verpufft sind.

Ob Kompressorschaden – dazu kann ich nichts Belastbares sagen, das ist Servicetechnikerwissen. Aber rein von der Ökonomie her ist das der eigentliche Schaden. Ich optimiere meine Anlage auf jeden halben Prozentpunkt JAZ, und dann sowas durch schlechte Inbetriebnahme... das wäre für mich ein klarer Reklamationsfall gegenüber dem Installateur.


Antwort
SkeptikJAZ42
Beiträge: 51
(@skeptikjaz42)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

52–54°C Vorlauf über 6 Monate – das sieht man leider in der Praxis öfter als man denkt. Die Frage ob mechanischer Schaden: hängt komplett davon ab ob die Hochdruckabsicherung in dieser Zeit angesprochen hat. Wenn ja, haben die Pressostatkontakte Zyklen gefressen, die sie nicht sollten. Wenn nein und der Kompressor einfach bei erhöhter Kondensationstemperatur durchgelaufen ist, dann ist meistens nichts dauerhaft kaputt – nur die reale JAZ liegt weit unterhalb der Herstellerversprechen. Was mich interessiert: hat jemand Wärmemengenzählerdaten aus diesem Zeitraum? Ohne die ist das alles Spekulation.


Antwort
Sarah96
Beiträge: 40
(@sarah96)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich plan gerade meinen Neubau und lese hier gespannt mit. Kann ich fragen: Bei Fußbodenheizung im Neubau – stellt der Installateur das normalerweise nach Heizlastberechnung ein, oder macht der einfach irgendwas rein? Das würd mich für meine eigene Planung wirklich interessieren, weil ich sowas von Anfang an vermeiden möchte.


Antwort
UweGabriel
Beiträge: 28
(@uwegabriel)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich hab nach meiner langen Pause gerade selbst die Erfahrung gemacht, dass die Werkseinstellungen oft einfach zu konservativ (=zu hoch) gesetzt sind. Bei mir war der Installateur auch großzügig mit der Vorlauftemperatur, weil er "auf der sicheren Seite" sein wollte. Verständlich vielleicht, aber technisch falsch.

Bei der Korrektur hab ich einfach die Heizkurve in einem Schritt angepasst, keine schrittweise Herangehensweise – hat problemlos funktioniert. Im Sommer sieht man den Effekt natürlich kaum, weil ja kaum Heizbedarf besteht. Ich würd also jetzt korrigieren und dann im Oktober nochmal schauen ob die Raumtemperaturen noch stimmen. Beim Thema Wartungsrhythmus hab ich ähnliches festgestellt – vieles was als "notwendig" verkauft wird ist eher Vorsichtsmaßnahme als technische Notwendigkeit.


Antwort
Teilen: