Hallo zusammen,
ich bin neu hier und hoffe, dass ihr mir ein bisschen weiterhelfen könnt. Ich habe ein Altbau-Einfamilienhaus aus den 80ern, Baujahr 1983, ca. 160m² Wohnfläche, teilweise gedämmt aber bei weitem kein Neubaustandard. Die Gastherme läuft noch, ist aber schon älter und ich überlege, ob ich auf eine Hybridlösung umsteigen soll – also Wärmepumpe + weiter die Gastherme als Backup für Spitzenlastzeiten.
Jetzt kommt mein Problem: Ich hab von drei verschiedenen Heizungsbauern Angebote eingeholt und die kommen auf komplett unterschiedliche WP-Größen. Einer sagt 8 kW reicht locker, der nächste will mir direkt eine 12er verkaufen, und der dritte hat irgendwas von Heizlastberechnung nach Norm erwähnt, die er extra machen müsste. Ich verstehe noch nicht ganz, woran das liegt – liegt das am Altbau generell oder machen die Firmen das einfach unterschiedlich?
Auch bin ich unsicher, welche Hersteller bei Hybrid-Setups im Bestand wirklich gut funktionieren. Ich hab Namen wie Viessmann, Vaillant, Bosch und Daikin gehört, aber bei dem Dschungel an Modellen und Datenblättern blick ich ehrlich gesagt nicht mehr durch.
Wäre super wenn jemand aus eigener Erfahrung sagen kann: Wie habt ihr das bei eurem Altbau angegangen? Und lohnt sich wirklich die Heizlastberechnung vorher oder reicht ne grobe Schätzung fürs erste?
Danke schonmal!
Ich sag's direkt: Die Heizlastberechnung ist Pflicht, alles andere ist Kaffeesatzlesen. Was mich aber viel mehr stört als die fehlende Berechnung ist, dass du den Herstellern bei den JAZ-Werten vertrauen solltest, die sie in ihren Datenblättern angeben. Tu das nicht.
Ich messe seit Jahren selbst am Wärmemengenzähler und die Realwerte im Altbau liegen fast immer deutlich unter dem, was auf dem Datenblatt steht – besonders wenn die Vorlauftemperaturen höher sind, weil halt keine Fußbodenheizung vorhanden ist. Bei einer Hybridlösung ist das noch komplizierter, weil viele Systeme die Laufzeiten zwischen WP und Gas nicht sauber protokollieren und du am Ende gar nicht weißt, was die WP wirklich geleistet hat.
Bevor du irgendeinen Hersteller auswählst: Bestehe auf einem eingebauten Wärmemengenzähler und leg von Anfang an fest, wer was misst. Sonst redest du nach einem Jahr Betrieb nur über Vermutungen.
Hey Tobias, bin auch noch relativ neu hier und stecke selbst gerade tief in der Planung. Zum Thema Heizlastberechnung kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen: Ich hab extra einen Thread dazu aufgemacht, weil ich mir unsicher war ob sich das lohnt – Heizlast berechnen lassen vor Angebotsvergleich – lohnt sich das? – kurze Antwort laut den Leuten dort: Ja, lohnt sich, besonders im Altbau. Kostet zwischen 200 und 500€ je nach Aufwand aber danach kannst du die Angebote viel besser einordnen.
Bei deinen drei Angeboten würd ich mal direkt nachfragen, nach welcher Methode die Jungs dimensioniert haben. Wenn einer einfach "Erfahrungswert" sagt und kein Wort von EN12831 kommt, würd ich da skeptisch werden.
Moin Tobias,
kurz vorweg: Die unterschiedlichen Angebote sind leider typisch und haben oft weniger mit deinem Haus zu tun als mit dem, was der jeweilige Heizungsbauer gerade auf Lager hat oder zu welchem Hersteller er Partnervertrag hat.
Zur Heizlastberechnung – die ist im Altbau wirklich nicht optional, wenn du eine Hybridlösung vernünftig auslegen willst. Ich hab das bei meiner Luft-Wasser-WP auch erstmal unterschätzt. Gerade wenn du die Gastherme als Backup integrierst, willst du ja wissen, ab welcher Außentemperatur die WP alleine schafft und ab wann das Gas einspringen soll. Das lässt sich ohne ordentliche Heizlastzahl kaum sinnvoll einstellen – und später in der Regelung (ich mach das über Home Assistant mit Modbus, siehe auch mein Thread Home Assistant + Modbus für LW-WP: welches Protokoll lohnt sich wirklich?) merkst du sofort, wenn die Dimensionierung nicht stimmt.
Bei den Herstellern würde ich schauen, welche Systeme eine offene Schnittstelle anbieten (Modbus, SG-Ready usw.). Viessmann und Vaillant sind da ganz okay, Daikin hat auch Modbus, aber die Dokumentation ist manchmal dünn. Bosch/Buderus läuft gut, wenn du im Bosch-Ökosystem bleiben willst.
Kurz gesagt: Lass die Heizlast berechnen, bevor du Angebote vergleichst. Sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
Wir haben genau Juli und ich teste gerade die passive Kühlung über unsere FBH, also quasi ideale Zeit um mal zurückzublicken wie die Installation damals lief.
Bei uns war der Altbau auch der entscheidende Faktor für die Dimensionierung – und ich kann SkeptikJAZ42 nur zustimmen: Die Herstellerangaben zur JAZ sind im Bestand mit Vorsicht zu genießen. Bei uns laufen wir mit etwas höheren Vorlauftemperaturen als im Neubau üblich, und das frisst Effizienz.
Zur Hybridfrage konkret: Ich hab zwar keine Hybridlösung, aber ein Kollege von mir hat Vaillant aroTHERM plus mit der Gastherme als Backup – er ist zufrieden, sagt aber, dass die Regelung etwas hakelig war bis alles richtig eingestellt war. Die Bivalenzpunkte-Einstellung hat eine Weile gebraucht. Heizlast vorher zu kennen hat ihm dabei laut eigener Aussage enorm geholfen, weil der Heizungsbauer sonst zu konservativ eingestellt hätte und die WP kaum ran gekommen wär.