Hallo zusammen,
nachdem ich mich hier schon eine Weile durchgelesen habe, wollte ich mal gezielt nach Erfahrungen fragen – speziell zur Kombination Wärmepumpe + Gas im Bestandsgebäude mit Blick auf die Kühlfunktion.
Wir haben ein Einfamilienhaus, Baujahr ca. 1995, keine Vollsanierung aber ordentlich gedämmt und mit Fußbodenheizung im Erdgeschoss. Im Obergeschoss noch Heizkörper. Gerade jetzt im Juli merkt man wie warm es oben wird, und das bringt mich auf die Idee: Wenn ich eh eine Luft-Wasser-WP als Hybrid einbaue – kann ich die dann auch sinnvoll zum Kühlen nutzen?
Meine Überlegung ist, den Gas-Brennwert als Backup für wirklich kalte Tage zu behalten und die WP für den Großteil der Heizlast plus Sommer-Kühlung zu nutzen. Wäre ja smart, wenn man beides über eine Steuerung regeln könnte – idealerweise per App oder Smarthome-Anbindung.
Aber: Wie realistisch ist das im Bestand? Ich lese immer wieder, dass die Kühlung nur mit Flächenheizung wirklich funktioniert – was bedeutet das für mein OG mit Heizkörpern? Muss ich da komplett umbauen oder gibt es Kompromisslösungen?
Und generell: Macht so ein Hybrid-Setup im Bestand von 1995 überhaupt Sinn, oder sollte ich besser direkt auf reine WP setzen und dafür mehr in die Gebäudehülle investieren?
Freue mich auf eure Einschätzungen!
Stefan
Kurz aus meiner Sicht als jemand der gerade exakt das plant: OG mit Heizkörpern für Kühlung vergiss es, da kommst du nicht drum rum entweder Split-Geräte nachzurüsten oder halt damit leben dass die Kühlung nur unten funktioniert. Hybrid-Setup an sich finde ich aber sinnvoll, hab mich da im Amortisationsthread schon länger mit beschäftigt. Die Smarthome-Anbindung klappt übrigends stark herstellerabhängig – da würd ich vor dem Kauf genau schauen welche Systeme wirklich offen sind und nicht nur propriätere Apps supporten.
Ich kann zur Kühlfrage wenig beitragen, aber zum Thema Hybrid im Bestand aus eigener (schmerzhafter) Erfahrung: Unterschätz nicht den Aufwand, den ein nicht vollständig saniertes Haus macht. Meins ist zwar aus den 70ern und damit deutlich schlechter als deins, aber selbst bei einem 95er Haus sollte man vorher genau wissen wie die Vorlauftemperaturen aussehen. Ich hab mich da anfangs zu wenig drum gekümmert, das rächt sich dann.
Hatte dazu auch im Pufferspeicher-Thread schon was geschrieben (Pufferspeicher lohnt sich wirklich? Messbare Effizienzunterschiede?) – das Thema hängt bei gemischten Systemen wie deinem auch zusammen.
Hallo Stefan,
das ist eine gut durchdachte Frage, und ich kann aus technischer Sicht einiges dazu beitragen.
Zur Kühlung im Bestand: Du hast recht, dass die passive oder aktive Kühlung über Heizkörper praktisch nicht funktioniert – zumindest nicht effizient und schon gar nicht ohne erhebliche Kondensationsprobleme. Heizkörper sind konstruktiv nicht dafür ausgelegt, und die Taupunktproblematik wird dabei oft unterschätzt. Im Erdgeschoss mit Fußbodenheizung sieht das besser aus, dort ist passive Kühlung (sogenannte 'natural cooling') durchaus realisierbar, wenn die WP das unterstützt – aber auch da braucht man eine sorgfältige Taupunktüberwachung, sonst schwitzt der Boden.
Zum Hybrid-Setup in einem Haus von 1995 mit teilweiser Dämmung: Das kann tatsächlich Sinn ergeben. Ich habe mich im Thread zur Dämmung schon ausführlicher geäußert (Dämmung vor oder nach Wärmepumpe - was sagt eure Erfahrung?), aber kurz gesagt: Bei einem 95er Haus ist die Heizlast schon deutlich günstiger als bei einem unrenovierten 70er-Bau. Da kann eine WP für den Grundbetrieb und Gas für Spitzenlast eine vernünftige Lösung sein.
Wichtig wäre eine ordentliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, bevor irgendwas dimensioniert wird. Ohne die tappt man im Dunkeln. Was sagt euer Planer dazu?