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Erdwärme nachrüsten im Bestand: Wer hat das wirklich durchgezogen?

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L.Weber
Beiträge: 34
Themenstarter
(@l-weber)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen
[#103]

Hallo zusammen,

wir haben ein Haus aus den frühen 80ern, ca. 160m², und überlegen schon länger ob wir von der alten Ölheizung auf eine Erdwärmepumpe umsteigen sollen. Luft-Wasser haben wir aus verschiedenen Gründen erstmal hintenangestellt – uns interessiert Erdwärme, weil wir einen relativ großen Garten haben und prinzipiell auch die Option auf passives Kühlen im Sommer reizvoll finden. Bei diesen Temperaturen hier gerade denkt man ja automatisch drüber nach.

Mein Problem: Ich finde online zwar grobe Kostenangaben, aber kaum jemand der konkret beschreibt wie das bei einem normalen Bestandsgebäude wirklich abläuft. Neubau ist ja nochmal eine andere Sache, weil da alles koordiniert werden kann.

Konkret fragen mich:
- Was kostet die Bohrung realistisch (wir reden hier von Franken, falls das regional eine Rolle spielt)?
- Welche behördlichen Genehmigungen braucht man – und wie lange dauert das?
- Gibt es typische Fallstricke im Bestand die beim Neubau nicht auftauchen?
- Lohnt sich die Kombination mit einer kleinen PV-Anlage die wir schon haben?

Wir sind kein Technik-Profi-Haushalt, mein Mann kümmert sich um sowas aber er ist momentan beruflich sehr eingespannt. Ich würde daher gerne schon vorab möglichst viel verstehen bevor wir Handwerker anfragen. Wäre super wenn jemand aus eigener Erfahrung berichten kann!

Danke schon mal,
L.Weber


2 Antworten
Bernd-Hoffmann
Beiträge: 0
(@bernd-hoffmann)
New Member
Beigetreten: Vor 4 Tagen

Ich seh das grundsätzlich ähnlich wie ThomasK89, möchte aber noch einen Punkt ergänzen der oft vergessen wird: die Zugänglichkeit des Gartens für die Bohranlage. Das ist im Bestand häufig das erste echte Hindernis. Die Bohrtrupps kommen mit schwerem Gerät – wenn euer Garten nur durch einen schmalen Durchgang erreichbar ist oder ein Teich/Carport im Weg steht, wird das aufwändig oder teuer.

Bei uns hat allein die Klärung der Zufahrtsfrage mit dem Bohrunternehmen zwei Wochen gedauert.

Zur Genehmigung: Macht ein Hydrogeologisches Gutachten zur Pflicht, das kostet nochmal 500–1500 Euro extra, aber manche Behörden verlangen es und ohne das kommt man gar nicht weiter. Lieber gleich anfragen was eure Gemeinde braucht.

Die PV-Kombination ist übrigens wirklich sinnvoll, grade für den Sommerbetrieb. Passives Kühlen über Erdwärme ist energetisch sehr effizient und wenn die PV dann noch den kleinen Pumpenstrom deckt, ist das fast geschenkt.


Antwort
ThomasK89
Beiträge: 12
(@thomask89)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Hallo L.Weber,

die Frage kenn ich gut – ich hab mich im Zusammenhang mit unserem 60er-Jahre-Haus auch intensiv damit beschäftigt, auch wenn ich damals dann anders entschieden hab (dazu gibts hier im Forum einiges, z.B. Bestandsgebäude 1960er: Erst Kernsanierung oder direkt mit WP starten?).

Zur Bohrung: Regional ist das wirklich sehr unterschiedlich. In Bayern/Franken liegen die Bohrkosten grob bei 50–80 Euro pro Meter Bohrmeter, bei einer typischen Doppelhaushälfte oder einem Einfamilienhaus brauchst du je nach Heizlast meist zwei Sonden à 80–120m. Also grob 10.000–20.000 Euro nur für die Bohrung, Wärmepumpe und Installation nochmal drauf.

Der Fallstrick im Bestand: Du brauchst in den meisten Bundesländern eine wasserrechtliche Genehmigung. Das dauert je nach Gemeinde 4–12 Wochen, manchmal länger wenn Einwände kommen. Früh beantragen!

Mit PV macht Erdwärme sehr viel Sinn weil die WP ja Strom braucht und du im Sommer beim passiven Kühlen eh viel PV-Ertrag hast. Das passt gut zusammen.

Was im Bestand kritisch ist: Deine Heizkörper/Fußbodenheizung muss zu den niedrigeren Vorlauftemperaturen einer WP passen. Das ist oft die eigentliche Hürde, nicht die Bohrung.


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