Hallo zusammen,
ich plane gerade die Sanierung unseres Gründerzeithauses (ca. 160m², Baujahr 1890, derzeit noch Gasheizung) und beschäftige mich intensiv mit der Frage, ob eine Wärmepumpe hier wirtschaftlich sinnvoll ist.
Mein Problem: Die theoretischen JAZ-Werte für Bestandsgebäude liegen oft bei 3,0–3,5, aber ich habe den Eindruck, dass die Realität bei älteren Häusern deutlich darunter liegt – besonders wenn man nicht komplett saniert. Unser Haus hat teilweise noch Original-Fenster, die Außenwände sind nur schwach gedämmt.
Ich plane eine Luft-Wasser-WP mit hydraulischer Schaltung und möchte gerne von euch lernen:
• Wie entwickelt sich die JAZ praktisch über ein ganzes Jahr hinweg?
• Welche Heizkreistemperaturen fahrt ihr im Winter tatsächlich?
• Habt ihr eure Messdaten systematisch erfasst, um die realen Werte zu kennen?
Ich werde selbst detailliert mitmessen und die Effizienz optimieren, aber real world Zahlen von anderen Gründerzeitkunden wären Gold wert.
Markus, sehr gute Ansatzweise mit der Messtechnik. Bei meinen Luft-Wasser-Systemen im Bestand stelle ich fest: JAZ zwischen 3,2 und 3,8 sind realistisch, wenn man die Vorlauftemperatur konsequent niedrig hält (45–50°C im Winter). Das Problem ist oft die Auslegung – viele Installer dimensionieren zu hoch und laufen ineffizient. In einem Gründerzeithaus mit Original-Fenstern brauchst du vermutlich eine höhere Heizlast als gedacht, aber genau da liegt auch der Hebel: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur drückt die JAZ spürbar nach oben. Mein Tipp: Lass eine ordentliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 machen, nicht die pauschalen Faustregel-Rechner. Dann kannst du später deine Messwerte sauber dagegenhalten.
Bei meinen Projekten in der Sanierungspraxis sehe ich oft: Gründerzeitbauten sind tückisch, weil die thermische Masse großen Einfluss hat – länger zum Aufwärmen, aber auch stabiler. Die JAZ-Differenz zwischen Neubau (4,5+) und Altbau (3,0–3,5) ist real und hängt hauptsächlich von der Heizkreistemperatur ab. In deinem Fall würde ich folgende Reihenfolge empfehlen: erst die Heizkreise hydraulisch optimieren, dann gezielt dämmbar Flächen angehen (Dachboden, oberste Geschossdecke). Eine Luft-Wasser-WP ist im Gründerzeithaus sinnvoll, aber die Erwartungshaltung zur JAZ muss realistisch sein – 3,2–3,5 ist ein guter Wert für euer Alter. Hast du überlegt, ob eine Sole-WP (Erdwärme) infrage kommt? Bei solidem Boden könnte das helfen.