Hallo zusammen,
ich plane gerade unsere PV-Anlage und beschäftige mich dabei intensiv mit der Frage, wie das im Winter eigentlich realistisch aussieht. Im Sommer ist ja alles kein Problem – gerade jetzt im Juli produziert unsere 10 kWp Anlage (noch nicht installiert, Planung) schätzungsweise 40-50 kWh am Tag, da läuft die Wärmepumpe fast komplett auf Eigenverbrauch.
Aber im Dezember/Januar? Da lese ich überall komplett unterschiedliche Zahlen. Manche sagen, man kommt auf 20-30% Eigenverbrauchsdeckung, andere schreiben, dass im schlimmsten Fall die Anlage tagelang kaum was produziert und die WP trotzdem auf Hochtouren läuft weil es ja kalt ist.
Unser Haus ist ein freistehendes EFH, Baujahr ca. 2005, etwa 160m² Wohnfläche. Wir haben eine Luft-Wasser-WP (7kW Nennleistung), die ich noch dieses Jahr installieren lassen will. Der Jahresstromverbrauch der WP wird laut Planung bei etwa 4.000-4.500 kWh liegen (JAZ ca. 3,2 angenommen).
Mich interessiert vor allem: Lohnt es sich überhaupt, die PV-Anlage speziell auf den Winter hin zu optimieren, also z.B. zusätzlich Module mit steilerer Ausrichtung oder Ost-West-Belegung? Oder ist das Geld besser in einen größeren Speicher investiert? Hat jemand von euch konkrete Erfahrungswerte aus dem echten Betrieb, wie hoch der Deckungsgrad im Winter tatsächlich ist – nicht von irgendwelchen Simulationstools?
Danke schon mal!
Kurz gesagt: Nein, im Winter deckt PV den WP-Bedarf nie vollständig – das ist schlicht Physik. Ich hab das in meinem Beitrag zum Thema PV-Anlage nachrüsten für Bestandshaus mit WP – lohnt sich das 2026? schon ähnlich beschrieben.
Bei einer 10 kWp Anlage in Mitteldeutschland kannst du im Dezember grob mit 200-350 kWh Gesamtertrag im Monat rechnen. Deine WP braucht bei dem Haus aber wahrscheinlich 500-700 kWh allein im Dezember. Selbst mit 10-15 kWh Speicher verpufft ein Großteil des tagsüber erzeugten Stroms entweder ins Netz oder reicht abends und nachts schlicht nicht aus.
Zur Frage Steilausrichtung: Ja, Module mit 60-70° Neigung bringen im Winter relativ mehr, aber absolut gesehen bleibt es trotzdem wenig. Ob sich das wirtschaftlich gegenüber Süd-Flachausrichtung rechnet, hängt stark vom Einspeisevergütung vs. Strompreis-Verhältnis ab.
Mein Fazit aus der Praxis: WP und PV ist ein Sommer-Duo. Im Winter zahlst du trotzdem Netzstrom. Das muss man einfach einkalkulieren und nicht schönrechnen.
Da stimm ich ErdwaermePro42 im Wesentlichen zu, aber ich würd's nicht ganz so pessimistisch sehen. Es kommt halt drauf an, was dein Ziel ist – 100% Eigenversorgung im Winter ist illusorisch, da hat er recht. Aber du kannst den Netzstrombezug im Winter trotzdem spürbar reduzieren, wenn du clever steuerst.
Bei deiner LW-WP wäre SG-Ready Pflicht, falls noch nicht geplant. Den gibts bei fast allen modernen Geräten. Damit kannst du die WP genau in die Mittagsstunden legen wenn die PV halbwegs produziert – auch im Winter gibt's mal sonnige Tage mit 5-8 kWh Ertrag, und den solltest du dann optimal nutzen.
Zur Speicherfrage: Ich persönlich halte große Batterien speziell für den Winter für schlechte Investitionen. Der Speicher entleert sich über Nacht und morgens hast du wieder null – hilft dir also für den langen Winterabend kaum. Sinnvoller finde ich da thermische Pufferung, also Warmwasserspeicher überdimensionieren und mittags mit PV-Strom auf 55-60°C hochheizen. Das ist günstig und effektiv.
JAZ 3,2 klingt für ne LW-WP mit Baujahr 2005 Haus außerdem eher optimistisch, würd ich nochmal gegenrechnen.