Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem Thema PV-Anlage in Kombination mit meiner Luft-Wasser-Wärmepumpe. Aktuell ist es ja Juli und die WP läuft kaum – klar, kein Heizbedarf. Aber genau jetzt will ich planen, damit ich im nächsten Winter besser aufgestellt bin.
Meine Situation: Einfamilienhaus, Luft-Wasser-WP mit 8 kW Heizleistung, Baujahr des Hauses so Mitte der 90er, halbwegs gedämmt aber kein Neubaustandard. Jahresstromverbrauch der WP laut meines Energiemonitors liegt bei rund 3.200 kWh, dazu Haushalt nochmal ca. 3.500 kWh.
Jetzt stehe ich vor der Frage: Wie groß muss die PV-Anlage sein, damit ich einen sinnvollen Eigenverbrauchsanteil für die WP erreiche? Mir ist klar, dass im Januar die Sonne kaum scheint – das illusioniert sich nicht weg. Aber ich will trotzdem verstehen, welche Modulgröße (kWp) überhaupt Sinn macht, wenn man auf realistische Deckungsgrade schaut.
Habe verschiedene Faustformeln gelesen: mal 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch, mal eher aufs 1,5-fache gehen. Was davon ist praxisnah? Und wie habt ihr das bei euren Anlagen konkret berechnet – nicht nur theoretisch, sondern was tatsächlich rauskommt?
Bin Ingenieur, also dürfen die Antworten auch technisch sein. Rechenbeispiele sehr willkommen.
Danke, Thomas
Ich bin nach längerer Pause gerade selbst dabei, mich für unseren Neubau mit genau diesem Thema auseinanderzusetzen.
Was mich interessiert: Haben sich die Faustformeln in den letzten Jahren eigentlich verändert? Ich hab früher mal gelesen, dass 1 kWp pro 1.000 kWh der Standard-Ansatz ist, aber ich vermute, mit den moderneren Wärmepumpen und besseren JAZ-Werten verschiebt sich das doch. Eine WP mit JAZ 4 braucht ja nur halb so viel Strom wie eine alte mit JAZ 2 für die gleiche Wärmemenge.
Als Neubau-Planer würd ich gerne wissen: Rechnet man da heute eher mit weniger kWp, weil die WPs effizienter sind – oder eher mehr, weil man den Eigenverbrauch maximieren will?
Die JAZ-Entwicklung in der Praxis ist für mich gerade das entscheidende Thema, bevor ich irgendwas dimensioniere.
Moin Thomas,
auch wenn ich in meinem Fall eine Hybridheizung betreibe (Luft-WP + Gastherme), kann ich zum PV-Thema was beitragen.
Bei uns läuft die Gastherme hauptsächlich unter 0°C, die WP macht den Rest. Für die PV-Auslegung hab ich das so angegangen: Ich hab mir meinen monatlichen WP-Verbrauch angeschaut und dann überlegt, wann die PV realistisch einen Teil davon decken kann. In den Übergangsmonaten März/April und September/Oktober ist das tatsächlich ganz ordentlich – da laufen beide Systeme und die PV liefert.
Meine Empfehlung für deine Rechnung: Nutz Tools wie PVGIS (kostenlos, EU-Kommission), da kannst du nach Standort und Ausrichtung monatliche Erträge simulieren und dem gegen deinen monatlichen WP-Verbrauch stellen. Das ist präziser als jede Faustformel.
Bei meiner Anlage bin ich auf etwa 35% Eigenverbrauchsquote über das Jahr gekommen, bezogen auf den Gesamtverbrauch. Für den WP-Anteil allein liegt es etwas darunter, weil eben Sommer und Winter nicht zusammenpassen. Aber die Haushaltslast tagsüber profitiert stark.
Stichwort Steuerung: Ich hab meine Anlage über Smart Home eingebunden, damit die WP bei PV-Überschuss anspringt. Das bringt nochmal 5-8 Prozentpunkte Eigenverbrauch on top.
Hallo Thomas,
die Fragestellung kenne ich gut, ich hab das für unseren sanierten Altbau und für das Neubau-Projekt meiner Tochter beide Male durchgerechnet.
Die Faustformel 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch ist ein grober Einstieg, aber sie ignoriert vollständig das Lastprofil. Bei einer Wärmepumpe ist das entscheidend: Der größte Energiebedarf fällt in Monaten an, in denen PV kaum liefert. Dein spezifisches Problem ist also nicht die Jahresmenge, sondern der saisonale Mismatch.
Bei eurem Gesamtverbrauch von rund 6.700 kWh wäre nach der Formel etwa 6-7 kWp der Ansatz. In der Praxis empfehle ich eher 8-10 kWp, aus folgendem Grund: Der PV-Überschuss im Sommer ist bei euch sowieso groß, weil die WP kaum läuft. Diesen Überschuss kannst du entweder einspeisen oder in Warmwasser umwandeln (SG-Ready). Im Winter bringt mehr Fläche trotzdem messbar mehr Ertrag – bei uns waren es mit 9,6 kWp statt kalkulierten 7 kWp im Januar noch ca. 15-20% mehr Eigenverbrauch.
Für die WP selbst: Bei 3.200 kWh WP-Jahresverbrauch kannst du realistisch mit 20-30% direktem Eigenverbrauchsanteil der PV rechnen, ohne Speicher und ohne Steuerungsoptimierung. Mit SG-Ready und gutem Energiemanagement deutlich mehr.
Zum Thema Pufferspeicher und EVU-Sperrzeiten hab ich übrigens auch mal was geschrieben, ist ein verwandtes Thema: Pufferspeicher zur Überbrückung von EVU-Sperrzeiten – wer hat Messdaten?
Kurz gesagt: 8-10 kWp wäre meine Empfehlung für deine Situation.
Kurz von mir: PVGIS nutzen, Standort eingeben, fertig. Die Theorie bringt nix ohne echte Ertragssimulation für deinen Dachstandort. Alles andere ist Kaffeesatzleserei.