Moin L.Weber39,
kann ich gut nachvollziehen, dass dich das verwirrt – ich hab beim Altbau-Umbau meines Reihenhauses auch erstmal eine Weile gebraucht, um da durchzublicken.
Kurz gesagt: Im Neubau wirst du heute fast immer ein Zweirohr-System bekommen, und das ist bei Wärmepumpe auch klar die bessere Wahl. Beim Einrohrsystem ist das Problem genau das, was du schon angedeutet hast: Die Heizkörper am Ende der Leitung bekommen nur noch lauwarmeres Wasser ab, weil die vorherigen schon Energie entzogen haben. Das macht die Auslegung komplizierter und du brauchst am Ende der Strecke deutlich größere Heizkörper, um den Temperaturverlust zu kompensieren.
Für eine Wärmepumpe ist das nochmal kritischer, weil du sowieso schon mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeitest – da will man nicht noch unnötige Verluste im System haben.
Einrohrsysteme findet man hauptsächlich in älteren Gebäuden aus den 60er/70ern, und die Umrüstung auf WP dort ist tatsächlich eine echte Herausforderung. Ich kämpfe selbst gerade damit, da hab ich auch schon im Forum dazu geschrieben: Hersteller für LWWP im Altbau-Reihenhaus – worauf achten?
Im Neubau hast du das Problem zum Glück nicht – lass dir einfach von Anfang an ein saubers Zweirohr-System einplanen, fertig.
Ich will hier mal kurz einhaken, weil ich das Thema etwas kritischer sehe als die Vorredner.
Das Zweirohr-System ist natürlich die richtige Wahl – da stimme ich zu. Aber ich erlebe immer wieder, dass Installateure bei Neubauten zwar Zweirohr verlegen, aber dann den hydraulischen Abgleich entweder gar nicht oder nur auf dem Papier machen. Und dann hast du technisch das bessere System, aber in der Praxis trotzdem ungleichmäßige Wärmeverteilung.
Mein Tipp: Lass dir explizit im Vertrag bestätigen, dass ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B (also mit echter Heizlastberechnung pro Raum) durchgeführt wird. Nicht nur Verfahren A, das ist oft nur ein grober Schätzwert. Das kostet etwas mehr, ist aber die Voraussetzung dafür, dass deine WP sauber taktet und die JAZ stimmt.
Gerade weil du ein Mischsystem mit FBH und Heizkörpern hast, sind da potenziell Fallstricke drin. Ich würd das nicht einfach dem Installateur überlassen, sondern genau nachfragen was da gemacht wird.
Zweirohr ist im Neubau de facto Standard, da gibt es eigentlich nichts zu diskutieren. Einrohr würde heute kein vernünftiger Planer mehr empfehlen, schon gar nicht in Kombination mit WP.
Der technische Hintergrund kurz und präzise: Beim Zweirohr-System hat jeder Heizkörper dieselbe Vorlauftemperatur, weil alle parallel ans Netz angebunden sind. Das erlaubt eine sauberere hydraulische Auslegung und ist Voraussetzung für einen funktionierenden hydraulischen Abgleich. Bei WP-Betrieb mit 35-45°C VL ist das essentiell – du willst, dass die Wärme gleichmäßig verteilt wird, nicht dass der letzte Raum im Strang schon 5 Kelvin weniger bekommt als der erste.
Dein Mischsystem EG/FBH + OG/Heizkörper ist übrigens eine sehr gängige Lösung im Neubau. Wichtig ist dabei, dass du für FBH und Heizkörper getrennte Heizkreise mit eigenem Mischer planst – die Vorlauftemperaturen unterscheiden sich ja deutlich (FBH typisch 30-35°C, HK eher 40-45°C). Das kostet etwas mehr in der Installation, ist aber für die WP-Effizienz wichtig.