Hallo zusammen,
ichmal eine etwas andere Frage als mein übliches Thema Wärmepumpe und Förderung: Wir planen gerade unseren Neubau und haben uns neben der Fußbodenheizung auch für eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung entschieden. Soweit so gut.
Nun waren wir letzte Woche bei einem Bekannten, der vor knapp zwei Jahren gebaut hat und eine ähnliche Anlage installiert hat. Ehrlich gesagt war ich überrascht – man hört die Lüftung in fast jedem Zimmer. Nicht extrem laut, aber so ein leises Rauschen, das einem nach einer Weile doch auffällt. Nachts im Schlafzimmer wäre mir das zu viel.
Jetzt frage ich mich: Ist das bei allen Anlagen so oder hat er einfach eine schlechte Anlage oder schlechte Einstellung? Was sind typische Ursachen wenn eine Lüftungsanlage zu laut ist? Kann man das im Nachhinein noch irgendwie beheben, oder muss man sowas schon beim Einbau richtig planen?
Ich möchte das bei unserer eigenen Planung von vornherein richtig machen und nicht hinterher feststellen, dass die Anlage stört. Bei der Wärmepumpe achte ich ja auch schon auf die Lautstärke-Angaben der Hersteller.
Freue mich über Erfahrungen und Tipps! 😊
Viele Grüße,
Sarah
Ich will mal kurz den etwas unbequemen Punkt ansprechen: Schau dir genau an, was Hersteller unter "leise" verstehen. 25 dB(A) klingt gut auf dem Datenblatt, aber gemessen wo? Unter welchen Bedingungen? Oft sind das Messungen direkt am Gerät und nicht am Ventil im Schlafzimmer. Das ist nicht unbedingt gelogen, aber auch nicht die ganze Wahrheit.
Ich würde bei Besichtigungen vor dem Kauf immer konkret fragen: welchen Schallpegel garantiert ihr mir am Zuluftventil im Schlafzimmer, auf Stufe 2? Am besten schriftlich. Was dann noch übrig bleibt nach dieser Frage sagt dir viel über den Anbieter.
Bei uns im Altbau haben wir keine zentrale KWL, deshalb kann ich das nicht direkt vergleichen. Aber was ich sagen kann: Lautstärke is oft auch Gewöhnungssache. Das sage ich nicht um das schönzureden – sondern weil ich glaube dass viele unterschätzen wie sensibel man auf neue Geräusche im eigenen Zuhause reagiert, gerade wenn man es selbst geplant und bezahlt hat.
Trotzdem: der Hinweis von H.Kellner zu den Schalldämpfern ist absolut richtig. Das sollte Standard sein und ist es leider nicht immer. Beim Neubau hast du den Vorteil dass du das noch in die Ausschreibung reinschreiben kannst. Im Altbau nachrüsten – grauenhaft aufwändig, das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Ich kenn das Thema ehrlich gesagt nur vom Lesen, weil ich mich aktuell mehr mit meinem Altbau-Projekt beschäftige. Aber das mit dem hydraulischen Abgleich beim Lüftungssystem – das ist mir neu, kannte ich nur von Heizsystemen. Macht Sinn wenn man drüber nachdenkt.
Was ich beim Recherchieren mitgenommen hab: die Kanalführung spielt auch ne große Rolle. Wenn die Rohre irgendwo scharf abknicken oder zu eng sind, entsteht Turbolenz und damit Lärm. Das ist quasi das gleiche Problem wie bei zu kleinen Heizkörperanschlüssen.
Für deinen Neubau würd ich sagen: lass dir das alles schriftlich in der Planung bestätigen, welche Schallpegel an den Ventilen erreicht werden sollen. Dann hast du einen Anhaltspunkt wenn nach dem Einbau was nicht stimmt. Bin selbst gespannt wie sowas in der Praxis läuft, kenne mein Altbau-Projekt und da ist sowas nochmal anders.
Hallo Sarah,
das kenne ich aus der Praxis sehr gut – Lüftungsgeräusche sind tatsächlich eines der häufigsten Beschwerdebilder, mit denen ich zu Serviceterminen gerufen werde.
Die Ursachen sind meistens eine von drei Sachen: erstens zu hohe Lüftungsstufe (oft werden Anlagen zu hoch eingestellt und dann nie wieder angefasst), zweitens fehlende oder schlecht dimensionierte Schalldämpfer im Kanalsystem, und drittens Strömungsgeräusche an den Ventilen selbst, wenn die Querschnitte zu klein sind oder die Ventile falsch eingestellt wurden.
Was ich öfter sehe: Der Installateur hat die Anlage irgendwie in Betrieb genommen, aber den hydraulischen Abgleich der Lüftungskanäle nie sauber gemacht. Dann ist der Luftstrom ungleichmäßig, einzelne Ventile pfeifen oder rauschen.
Für die Planung würde ich dir empfehlen: Schallschutz als eigenes Gewerk mit dem Planer durchsprechen, Schalldämpfer einplanen – besonders zwischen Gerät und Wohnräumen, und darauf bestehen dass nach dem Einbau eine Luftmengeneinmessung durch den Fachbetrieb dokumentiert wird. Das wird leider viel zu oft weggespart.
Im Sommer läuft die Anlage ja quasi dauerhaft, da fällt sowas besonders auf – hab dazu auch gerade in einem anderen Thread was geschrieben: Wohnung heizt sich trotz KWL auf über 28°C auf – was tun?
Grüße, H.Kellner