Hallo zusammen,
ich bin gerade mitten in der Planung meines ersten Eigenheims und ehrlich gesagt ziemlich erschlagen von all den Begriffen, die einem da um die Ohren fliegen. Jetzt bin ich beim Thema Rohrsystem für die Heizkörper gelandet und stehe vor der Frage: Einrohr- oder Zweirohr-System?
Ich hab das Grundprinzip halbwegs verstanden – beim Einrohrsystem fließt das Wasser nacheinander durch alle Heizkörper, beim Zweirohr hat jeder seinen eigenen Vor- und Rücklauf. Aber was ich nicht wirklich kapiere: Was bedeutet das konkret für meine geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe?
Mein Architekt hat Fußbodenheizung im EG vorgesehen, im OG sollen aber Heizkörper rein, weil die Dämmdecke das FBH-System angeblich schwierig macht. Macht die Wahl zwischen Einrohr und Zweirohr da einen großen Unterschied bei der Effizienz der Wärmepumpe?
Ich hab auch gelesen, dass Wärmepumpen niedrige Vorlauftemperaturen brauchen, und beim Einrohrsystem kühlt das Wasser ja von Heizkörper zu Heizkörper immer weiter ab – ist das dann ein Problem oder sogar ein Vorteil?
Und welches System ist für Neubauten heute eigentlich Standard? Würd mich freuen wenn mir das jemand in verständlichen Worten erklären kann, ohne gleich Fachkauderwelsch zu benutzen 😅
Danke schon mal!
Danke an alle hier, das ist schon mal ne super Übersicht für L.Weber39!
Noch ein Hinweis speziell zum Neubau: Pass auf dass du beim Thema Rohrdimensionierung nicht nur auf den Installateur verlässt. Im Neubau wird oft mit knappen Rohrquerschnitten geplant um Materialkosten zu sparen, und dann hast du hinterher zu hohe Strömungsgeschwindigkeiten und Geräusche im System – hab ich in mehrerem Planungsforen gelesen. Für WP-Betrieb mit größerem Volumenstrom (weil niedrige Spreizung) ist das nochmal relevanter als bei klassischer Gasheizung.
Und zum Mischsystem FBH + HK: Unbedingt separate Heizkreispumpen einplanen lassen, nicht nur einen gemeinsamen Mischer. Komfort und Regelbarkeit sind damit deutlich besser, gerade wenn die WP moduliert.
Was Rainer H. sagt zum hydraulischen Abgleich ist absolut richtig und wichtig. Ich ergänz noch aus Mess-Perspektive:
Das beste Rohrsystem nützt dir nichts wenn du hinterher keine Möglichkeit hast zu prüfen, ob das System auch wirklich so läuft wie geplant. Ich empfehle jedem Neubauherren: Wärmemengenzähler einplanen, und zwar von Anfang an. Die Nachrüstung ist teurer und umständlicher.
Beim Zweirohr-System lässt sich die tatsächliche Spreizung (Delta T zwischen Vor- und Rücklauf) pro Heizkreis schön messen und gibt dir direkten Aufschluss ob der hydraulische Abgleich funktioniert hat. Beim Einrohr kannst du das vergessen, da weißt du nie genau welcher Heizkörper wieviel Wärme bekommt – das macht nachträgliche Optimierung zur Raterei. Kurz: Zweirohr ist nicht nur effizienter, sondern auch deutlich messbarer und nachvollziehbarer im Betrieb.
Kurze Ergänzung noch: Ich plane auch gerade Neubau mit FBH + WP und hab mich durch diverse Planungsunterlagen gewühlt. Einrohr kam in keinem einzigen aktuellen Planungskonzept vor, das sagt schon alles.
Was mich bei deiner Frage aber interessiert: Hast du schon konkrete Aussagen vom Energieberater, welche Vorlauftemperatur die Heizkörper im OG haben sollen? Das ist nämlich entscheidend dafür, wie groß die ausgelegt werden müssen und letztendlich auch für die JAZ deiner WP. Je höher die VL, desto schlechter die WP-Effizienz. Wenn möglich unter 45°C bleiben, besser noch 40°C anstreben – dann brauchst du aber entsprechend größere Heizkörper im OG.
Ich grüble gerade noch über das 400V vs. 230V-Thema bei der WP-Auswahl, da kommen für Neubau auch einige Fragen auf. Bist du da schon weitergekommen?
Bin zwar eher der Erdwärme-Interessierte hier, aber das Grundprinzip ist dasselbe: Zweirohr, immer. Beim Einrohr müsstest du die Heizkörper in Strömungsrichtung immer größer dimensionieren, das ist Rechenaufwand den du dir im Neubau einfach sparst. Ich frag mich ehrlich gesagt warum das überhaupt noch als Option diskutiert wird 🤷