Ich sehe das etwas kritischer als Wolfgang.
Die Grundannahme, dass eine PV-Anlage die Wärmepumpe im Winter nennenswert versorgen kann, wird meiner Erfahrung nach im Netz systematisch schöngeredet. In Norddeutschland bringt eine 10-kWp-Anlage im Januar vielleicht 150-200 kWh, eure WP zieht aber in einem kalten Monat locker 400-500 kWh. Das deckt sich schlicht nicht.
Das heißt nicht, dass PV sinnlos ist – aber ich würde eher fragen: Was ist der Hauptzweck der PV? Wenn es wirklich primär die WP im Heizbetrieb sein soll, dann ist das eine Illusion. Wenn es Haushaltsstrom, Sommerbetrieb und Warmwasser sind – prima.
Ich setze deswegen auf Hybridlösungen. Eine sauber ausgelegte PV mit 6-8 kWp plus einem Gassystem als Backup für extreme Wintertage ist wirtschaftlich oft ehrlicher als eine überdimensionierte PV mit Speicher, die die Kalkulation schön rechnet. Hab das im Angebotsvergleichs-Thread schon mal ausgeführt.
Bitte keine pauschale kWp-Formel ohne Standortanalyse und Heizlastkurve – das führt zu Fehlinvestitionen.
Mein Tipp: Hol dir auf jeden Fall mehrere Angebote rein, bevor du dich entscheidest. Ich hab da gute Erfahrungen mit einem Vergleichsportal gemacht – spart dir viel Zeit bei der Recherche und du siehst gleich, wo die großen Preisunterschiede sind. Lohnt sich auf jeden Fall, die Zeit zu investieren! Angebot vergleichen für Wärmepumpen
Thomas, gute Frage und du hast schon richtig erkannt, dass die Faustformeln meist zu grob sind.
Aus meiner Praxis mit verschiedenen WP-Systemen: Der entscheidende Parameter ist weniger die kWp-Zahl als die Gleichzeitigkeit von PV-Ertrag und WP-Laufzeit. Eine Luft-WP hat gegenüber anderen Typen den Vorteil, dass sie in den Übergangsjahreszeiten läuft, wenn die PV schon/noch etwas liefert.
Was ich als Wartungs- und Diagnoseperspektive einbringen kann: Wenn du die WP per SG-Ready in Kombination mit PV-Überschuss steuerst, entstehen andere Betriebsmuster als im reinen Heizbetrieb – mehr Taktungen oder verlängerte Laufzeiten, je nach Einstellung. Das solltest du im Auge behalten. Ich hab mal einen Thread zu Fehlermustern gemacht (Fehlercodes im Display), da taucht das Thema Betriebsmuster auch auf.
Zur Größe: Für deinen Verbrauch (6.700 kWh gesamt) würde ich pragmatisch 8-9 kWp empfehlen, Südausrichtung vorausgesetzt. Das gibt dir im Sommer deutlichen Überschuss und im Winter zumindest moderate Unterstützung. Speicher würde ich erst in einem zweiten Schritt bewerten.
Ehrlich gesagt finde ich die Diskussion hier etwas zu sehr auf den Winter fokussiert – dabei ist gerade jetzt im Sommer der ideale Zeitpunkt zum Messen.
Ich hab bei meiner Wasser-Wasser-WP gemerkt, dass ich im Sommer hauptsächlich die Kühlfunktion nutze. Der Strombedarf ist da viel niedriger als im Heizbetrieb. Das heißt: Im Sommer hat man typischerweise Strom-Überschuss satt, und der geht entweder in den Haushalt, ins Warmwasser oder wird eingespeist.
Für deine Planung, Thomas: Miss jetzt unbedingt mal deinen tatsächlichen Tagesverbrauch der WP, auch wenn sie kaum heizt. Der Grundbedarf für Brauchwasser läuft ja weiter. Das gibt dir ein realistischeres Bild als Jahresdurchschnittswerte.