Hallo zusammen,
ichbin gerade dabei meine Amortisationsrechnung für eine Luft-Wasser-WP nochmal komplett neu aufzusetzen, weil ich das Gefühl habe dass ich bisher zu optimistisch gerechnet hab. Die Anschaffungskosten und der Stromverbrauch sind klar, aber bei den laufenden Wartungskosten wird es für mich neblig.
Mein Installateur hat mir gesagt 'ein Wartungsvertrag kostet so 150-200€ im Jahr, kein Stress'. Aber wenn ich in anderen Threads lese, klingt das irgendwie zu schön. Was ist mit folgenden Punkten:
- Kältemittel nachfüllen: wie oft realistisch, was kostet das?
- Ventilator/Gebläse tauschen nach X Jahren?
- Kondensatablauf verstopft, wer behebt das?
- Pufferspeicher Anode erneuern falls vorhanden?
- Software-Updates / Steuerungsplatine Verschleiß?
- Wer übernimmt was wenn Garantie abläuft – was ist wirklich Eigenleistung möglich?
Ich frage das auch weil ich gerade im Sommer Zeit habe das vernünftig durchzurechnen, bevor ich im Herbst die Entscheidung treffe. Lieber jetzt realistisch planen als später böse überrascht werden.
Was habt ihr in euren echten Betriebsjahren an Kosten gehabt die ihr anfangs nicht auf dem Schirm hattet? Freue mich über ehrliche Erfahrungswerte, nicht das Hochglanz-Prospekt-Szenario.
Grüße, TechNik
Gute Frage, und ja – der Installateur-Satz mit '150-200€ im Jahr, kein Stress' ist in meiner Erfahrung deutlich zu optimistisch. Ich hab meine LWP seit knapp vier Jahren im Betrieb und versuche alles sauber zu tracken (hab dazu auch im Monitoring-App-Thread mal geschrieben wie ich das mache).
Was ich tatsächlich hatte und anfangs nicht eingerechnet war:
1. Kältemittel: Bei mir nach Jahr 2 eine kleine Leckage am Außengerät. Diagnose + Nachfüllen R32: 380€. Und das war noch ein kulanter Preis.
2. Kondensatablauf: Einmal verstopft im zweiten Winter, Techniker-Einsatz 95€ Fahrtkosten + Arbeit. Hätte ich theoretisch selbst machen können wenn ich früher draufgeschaut hätte.
3. Pufferspeicher-Anode: Wird von vielen komplett vergessen. Alle 2-3 Jahre je nach Wasserqualität, Material kostet ca. 30-50€ aber der Fachbetrieb nimmt nochmal Pauschale.
Der Wartungsvertrag deckt oft nur die Sichtprüfung und Protokoll für die Versicherung ab – nicht die Verschleißteile. Das steht im Kleingedruckten.
Mein Tipp: Mindestens 300-400€ pro Jahr als Rücklagenpuffer einrechnen, eher mehr in den ersten Jahren wo noch nicht klar ist wie die Anlage läuft.
kurze ergänzung noch: hydraulischen abgleich nach paar jahren nochmal prüfen lassen. kostet auch was und wird gern vergessen. hab ich im thread zu luft-luft preisvergleich auch kurz erwähnt aber da war's OT. bei mir waren nach 2 jahren die heizkörperventile in 2 räumen komplett dejustiert, effizienz hat merklich gelitten. einmalig aber trotzdem ca. 200€ für den techniker.
Ich seh das ehrlich gesagt etwas anders als KlausHartmann71 – nicht falsch, aber vielleicht etwas pessimistisch je nach Anlage und Hersteller.
Bei mir läuft die WP jetzt im dritten Jahr ohne nennenswerte Zwischenfälle. Kältemittelverlust ist kein normaler Verschleiß, das ist eigentlich ein Fehler – wenn die Anlage dicht ist, bleibt sie dicht. Ein guter Erstinstallateur macht das ordentlich und dann passiert da erstmal nix.
Was ich aber bestätige: die Positionen die du aufgezählt hast sind real. Ventilator ist Verschleißteil, nach 8-12 Jahren realistisch. Steuerungsplatinen können ausfallen, da redet niemand drüber weil es peinlich ist. Meine Empfehlung ist eine verlängerte Herstellergarantie abzuschließen wenn möglich – die Kosten dafür (oft 3-5% des Kaufpreises pro verlängertem Jahr) sind in der Amortisationsrechnung seriöser als pauschal irgendwas zu schätzen.
Und Eigenleistung bei WP: Filter reinigen, Kondensatabfluss prüfen, Außengerät von Laub/Dreck befreien – das geht alles selbst. Kältemittelkram ist F-Gas-Schein Pflicht, da kommt man nicht ran.
Um das mal strukturierter zusammenzufassen – ich plane seit einiger Zeit im Neubaubereich und habe mich da intensiv mit Lebenszykluskosten beschäftigt:
Eine seriöse Vollkostenrechnung sollte folgende Posten über 20 Jahre kapitalisieren:
- Jährlicher Wartungsvertrag: 180-250€ (nur Inspektion/Protokoll)
- Kältemittel-Reserve: 50€/Jahr (statistisch, nicht jedes Jahr)
- Verschleißteile Gebläse/Pumpen: pauschal 30€/Jahr Rücklage
- Einmalig Steuerung/Platine: 300-800€ irgendwann nach Jahr 8-12
- Enthärtung/Wasserbehandlung Heizkreis: je nach Region vernachlässigbar bis 80€/Jahr
Summe realistisch: 350-500€/Jahr über die Lebensdauer. Wer das in der Amortisationsrechnung mit 150€ ansetzt, schönt die Zahlen.
Zum Punkt Garantieverlängerung was Marcus8955 schreibt: grundsätzlich richtig, aber die Konditionen genau lesen. Manche schließen Folgekosten durch Kältemittelverlust explizit aus.
Für die Entscheidungsfindung im Herbst würde ich empfehlen: Angebote für Wartungsverträge schriftlich einholen und genau auf den Leistungsumfang achten, nicht nur auf den Preis.