Hallo zusammen,
als pensionierter Elektrotechniker beschäftige ich mich seit einigen Monaten intensiv damit, wie man PV-Anlage und Wärmepumpe bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung sinnvoll als ein gemeinsames System betrachtet – und nicht einfach zwei Einzelberechnungen addiert.
Das Problem, das ich sehe: Die meisten Beispielrechnungen, die man so findet, behandeln PV und WP getrennt voneinander. PV amortisiert sich in X Jahren, WP in Y Jahren, fertig. Aber das bildet die Realität doch überhaupt nicht korrekt ab. Der tatsächliche Eigenverbrauch der Wärmepumpe, der durch die PV gedeckt wird, hängt von der Jahreszeit, der Heizlast des Gebäudes und natürlich der Auslegung der Wärmepumpe selbst ab.
Im Sommer sieht das natürlich schön aus – die PV liefert gerade viel, die WP läuft wegen der niedrigen Heizlast kaum. Ich speise fleißig ein. Aber im Winter ist die WP der größte Verbraucher und die PV liefert wenig. Wie gewichte ich das korrekt über das gesamte Jahr?
Meine konkreten Fragen:
- Welche Parameter legt ihr einer kombinierten Amortisationsrechnung zugrunde?
- Wie modelliert ihr den Eigenverbrauchsanteil der WP realitätsnah (also nicht einfach pauschal 30%)?
- Gibt es Berechnungstools, die PV und WP wirklich integriert betrachten?
Eine sauber fundierte Heizlastberechnung habe ich für mein Haus vorliegen, das wäre also kein Problem. Was mir fehlt, ist die methodisch korrekte Verbindung beider Systeme in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
Freue mich auf eure Erfahrungen!
Werner
Ich würde da mal eine kritische Gegenfrage stellen: Wie präzise muss so eine Berechnung wirklich sein, damit sie entscheidungsrelevant ist?
Ich sehe in der Praxis oft den Fehler, dass Leute sich in Detailgenauigkeit verlieren, während die eigentlichen Unsicherheitsfaktoren – Strompreisentwicklung über 15-20 Jahre, tatsächlicher COP der WP im realen Betrieb, Degradation der PV-Module – viel größere Schwankungsbreiten erzeugen als die Frage ob der Eigenverbrauchsanteil jetzt 22% oder 28% ist.
Das heißt nicht, dass man keine solide Basis braucht. Aber ich würde empfehlen: Rechnet das Szenario mit drei Strompreisentwicklungen durch (konservativ, moderat, optimistisch) und schaut, in welchem Korridor die Amortisation liegt. Das gibt mehr Entscheidungssicherheit als eine Scheinpräzision auf zwei Nachkommastellen.
Die Heizlastberechnung ist natürlich trotzdem die richtige Grundlage – da stimme ich dir zu, Werner. Ohne die rechnet man komplett in der Luft.
Gute Frage, Werner – ich hab mich damit auch intensiv beschäftigt, weil die pauschalen Rechnungen mich nie wirklich überzeugt haben.
Ich mache das über meine Smart-Home-Anbindung: Ich logge stündlich den PV-Ertrag, den WP-Verbrauch und den Netzbezug mit. Daraus kann man nach einem Jahr exakt sagen, wie viel der WP-Stromverbrauch tatsächlich durch PV-Eigenverbrauch gedeckt wurde – nicht geschätzt, sondern gemessen. Das hab ich auch schon mal im Thread Smart-Home-Daten für Amortisationsrechnung nutzen beschrieben.
Für die Vorausberechnung (also bevor man Messdaten hat) nutze ich simulierte Stundenwerte auf Basis von Wetterdaten (typisches Meteorologisches Jahr, TMY) kombiniert mit der stundengenauen Heizlastkurve. Das ist aufwendig, aber nur so kriegst du einen realistischen Eigenverbrauchsanteil. Pauschal 30% ist in meinen Augen viel zu ungenau – bei mir waren es letztes Jahr eher 22%, weil die WP im Winter halt dominiert.
Als Tool schau dir mal PVSol oder auch die kostenlose Variante von Valentin Software an – die können zumindest näherungsweise Verbrauchsprofile hinterlegen.
Ich rechne das bei mir über monatliche Energiebilanzen durch – also PV-Ertrag pro Monat gegen WP-Verbrauch pro Monat gestellt, und dann den Überschneidungsanteil abgeschätzt. Ist nicht perfekt, aber deutlich besser als ein Jahrespauschulwert.
Was ich dabei gelernt habe: Der Sommer schmeichelt einem wirklich. Im Juni/Juli läuft meine Wasser-Wasser-WP fast nur noch für Warmwasser, der Stromverbrauch ist minimal, und die PV liefert auf Hochtouren. Sieht toll aus in der Statistik. Entscheidend ist aber wirklich der Übergang Oktober bis März – da muss man ehrlich rechnen.
Einen Link zum Thema Strompreisanpassung hab ich übrigens schon mal gepostet: Strompreise steigen schneller als gedacht – das sollte man bei jeder Amortisationsrechnung im Hinterkopf behalten, gerade wenn man auf 15+ Jahre plant.
Für die integrierte Betrachtung kenn ich kein perfektes Gratis-Tool, aber mit Excel und stundengenauen Wetterdaten kommt man schon sehr weit wenn man das einmal sauber aufgebaut hat.
Ich bin da noch ganz am Anfang und versuch das grad selbst zu verstehen – aber ich frag mich: macht es für die Amortisationsrechnung einen großen Unterschied, ob die WP auch kühlt im Sommer? Weil dann würde sie ja auch im Sommer mehr Strom ziehen und der PV-Eigenverbrauch wäre höher als wenn sie nur heizt. Hab dazu auch schon was geschrieben im Kontext Verbrauchsdaten, aber der Zusammenhang zur gemeinsamen Amortisationsrechnung ist mir noch nicht ganz klar.