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Luft-Wasser vs. Erdwärme: Amortisation realistisch vergleichen?

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Markus B.
Beiträge: 9
Themenstarter
(@markus_1989)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen
[#80]

Hallo zusammen,

ich plane gerade konkret den Heizungstausch für unser Einfamilienhaus (Baujahr 1998, ca. 160qm, aktuell noch Öl) und stehe vor der Entscheidung zwischen Luft-Wasser-Wärmepumpe und Erdwärme (Sole-Wasser). Die Angebote liegen jetzt auf dem Tisch und der Preisunterschied ist erheblich: LWWP ca. 18.000€ nach Förderung, Erdwärme mit Flächenkollektor ca. 27.000€ nach Förderung.

Ich versuche gerade die Amortisation sauber durchzurechnen, komme aber ins Schleudern. Die Erdwärme hat einen besseren COP (laut Angebot JAZ 4,8 vs. 3,4 bei der Luft-Wasser), spart also mehr Strom pro Jahr. Aber der höhere Investitionsbetrag frisst das doch erstmal auf, oder?

Konkret würde mich interessieren:
- Wie groß ist der jährliche Unterschied im Stromverbrauch realistisch gesehen?
- Ab wann hat sich die teurere Erdwärme gegenüber der günstigeren LWWP amortisiert?
- Gibt es Faktoren, die ich dabei übersehe?

Gelesen hab ich einiges, aber die meisten Rechner online wirken mir sehr optimistisch. Hat jemand das mal wirklich nachgerechnet oder sogar selbst einen Vergleich in der Praxis erlebt?

Danke schon mal!
Markus


4 Antworten
ThomasKreuter
Beiträge: 10
(@thomaskreuter)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Kurz gesagt: Bei 9.000€ Mehrinvestition und realistisch 300-450€ jährlicher Einsparung beim Strom kommst du auf 20+ Jahre Amortisation der Differenz. Das ist in den meisten Haushalten schlicht zu lang, um die Erdwärme rein wirtschaftlich zu rechtfertigen – außer du planst sehr langfristig und glaubst stark an weiter steigende Strompreise. Ich hab das für meinen eigenen Fall ähnlich durchgerechnet, Zahlen dazu gibt's auch in meinem Beitrag zum Stromkostenthread. Die LWWP ist bei solchen Ausgangszahlen fast immer das wirtschaftlich rationalere Ergebnis.


Antwort
MarkusH.
Beiträge: 26
(@markush)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich seh das ein bisschen anders als Thomas oben – die JAZ-Werte aus Angeboten sind häufig Herstellerangaben unter Laborbedingungen, nicht reale Jahreswerte. Gerade bei der Erdwärme mit Flächenkollektor hängt die tatsächliche JAZ stark vom Untergrund, der Kollektorgröße und der Verlegung ab. Ich hab bei meiner W/W-Anlage anfangs auch höhere Werte erwartet und musste dann nachregeln – hatte da auch schon diskutiert wie Rücklauftemperaturen das ganze beeinflussen.

Bei deinen Zahlen würde ich die Anbieter konkret nach gemessenen Referenzwerten aus ähnlichen Projekten fragen, nicht nach Datenblattangaben. Und die Heizlastberechnung deines Hauses sollte die Basis sein – ohne die ist jede Amortisationsrechnung Kaffeesatzleserei.

Für ein Haus von 1998 mit 160qm und noch keiner umfassenden Sanierung würde ich übrigens erstmal die Hülle checken: Wenn du irgendwann dämst, fällt die JAZ-Differenz zwischen den Systemen noch geringer aus weil der Gesamtbedarf sinkt.


Antwort
Thomas8977
Beiträge: 14
(@thomas8977)
Active Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich hab mich letztes Jahr intensiv mit genau dieser Frage beschäftigt, als ich mein Haus neu bewertet hab lassen – da spielt der WP-Typ übrigens auch eine Rolle, hab das im Thread zur Immobilienwertfrage mal ausgeführt.

Zur konkreten Frage: Der Investitionsunterschied von ~9.000€ ist das Kernproblem. Wenn du mit JAZ 3,4 vs. 4,8 rechnest und einem Jahresheizwärmebedarf von sagen wir 15.000 kWh, dann verbraucht die LWWP grob 4.400 kWh pro Jahr, die Erdwärme ~3.100 kWh. Bei aktuell ca. 0,32€/kWh Wärmestromtarif sind das etwa 415€ Unterschied pro Jahr.

9.000€ geteilt durch 415€ ergibt rechnerisch gut 21 Jahre. Das ist lang. Die Erdwärme rentiert sich also rein wirtschaftlich gegenüber der LWWP erst sehr spät – wenn überhaupt, bevor eine Komponente getauscht werden muss.

Was viele vergessen: Bei stark steigenden Strompreisen verbessert sich die Rechnung für Erdwärme überproportional, weil der Verbrauchsunterschied dann mehr wert ist. Aber das ist Spekulation.


Antwort
ErdwaermeNeu28
Beiträge: 50
(@erdwaermeneu28)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hab letzten Herbst eine Sole-WP einbauen lassen und kann aus eigener Erfahrung sagen: die Förderabwicklung war nervenaufreibend und hat den Kostenrahmen nochmal verschoben. Rechne da immer einen Puffer ein.

Zum Amortisationsvergleich: Thomas' Rechnung ist methodisch sauber, aber ich würde noch die Wartungskosten mit reinrechnen. LWWP braucht in rauhen Wintern mehr Aufmerksamkeit und hat höheren Verschleiß am Verdichter wenn sie oft gegen Minustemperaturen ankämpft. Erdwärme läuft bei mir seit Einbau quasi lautlos durch, kein einziger Technikerbesuch bisher.

Der Unterschied bei den Betriebskosten über 20 Jahre kann dadurch näher zusammenrücken als rein die Stromrechnung suggeriert. Ist aber schwer zu quantifizieren, da stimm ich zu. Ich persönlich hab mich für Erdwärme entschieden weil mir die Konstanz wichtig war – wirtschaftlich ist das tatsächlich eher ein Glaubensfrage bei den aktuellen Preisdifferenzen.


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