Hallo zusammen,
ich plane gerade meine Erdwärmeanlage und bin beim Thema Soleflüssigkeit etwas unsicher geworden. Der Installateur hat mir Ethylenglykol empfohlen, aber ich hab gelesen dass Propylenglykol weniger giftig ist und manche schwören sogar auf Ethanol. Die Tiefenbohrung ist für September geplant, daher will ich das jetzt im Sommer schon durchdenken, damit ich nicht irgendwas kurzfristig entscheiden muss.
Meine konkreten Fragen:
- Welche Konzentration ist sinnvoll bei uns in Süddeutschland (Bodenfrosttiefe geht hier selten unter -5°C, Erdsondentemperatur am Verdampfer dürfte kaum unter -5°C sinken)
- Was ist mit dem Wärmeübergang? Ich hab irgendwo gelesen dass Propylenglykol etwas schlechtere Wärmeleitfähigkeit hat - macht das im Alltag einen messbaren Unterschied?
- Wie oft muss man die Sole auf den Frostschutz prüfen? Gibt es da Richtwerte oder fährt ihr das einfach jahrelang durch?
Das System wird eine Viessmann Vitocal 300-G mit 2x120m Doppel-U-Sonde. Installateur sagt er macht das immer mit Ethylenglykol 25%, aber ich will das einfach besser verstehen bevor ich einfach nicke. Bin kein Fachmann, aber lern gerne dazu.
Danke schon mal!
Hi Marco, gute Frage die du dir da stellst. Ich hab bei mir ebenfalls Ethylenglykol drin, 25% Konzentration, und das läuft seit Jahren problemlos. Dein Installateur liegt da eigentlich nicht falsch.
Zum Thema Propylenglykol: Ja, das ist weniger toxisch, aber der Wärmeübergang ist tatsächlich ein kleines bisschen schlechter. In der Praxis macht das bei einer gut dimensionierten Anlage aber kaum was aus, vielleicht 1-2% COP-Unterschied wenn überhaupt. Ich würde das nicht als Ausschlusskriterium sehen.
Ethanol haben manche Installateure früher verwendet, aber das macht heute kaum noch jemand – Brandschutz beim Befüllen ist da ein Thema und die Materialverträglichkeit mit manchen Dichtungen ist nicht immer ideal.
Bei 2x120m Sonde in Süddeutschland wirst du am Verdampfer selten unter -3 bis -4°C kommen, 25% Glykol gibt dir da locker Sicherheit bis -13°C oder so. Das ist also deutlich überdimensioniert, aber ich finde ne vernünftige Reserve schadet nicht.
Kontrolle: Ich prüfe das bei meiner Anlage alle 2-3 Jahre mit einem Refraktometer. Kostet fast nichts und gibt Sicherheit. Manche Hersteller empfehlen 5 Jahre, aber ich bin da lieber etwas häufiger dran.
Also ich muss da kurz einhaken weil ich das etwas anders sehe als die Vorposter.
Die Konzentration ist nicht egal und 25-30% Glykol klingt erstmal sicher, aber hohe Konzentrationen erhöhen die Viskosität der Sole und das kostet den Solepumpen Energie. Bei Ethylenglykol 30% ist die Viskosität bei niedrigen Temperaturen spürbar höher als bei 20%. Das bedeutet: die Pumpe zieht mehr Strom, und der hydraulische Widerstand im Kreislauf steigt. Gerade bei langen Sonden (2x120m wie bei dir) ist das nicht irrelevant.
Für Süddeutschland mit moderaten Solentemperaturen würde ich mir überlegen ob 20% nicht reichen. Das gibt dir Schutz bis etwa -9°C, was für Erdsondentemperaturen vollkommen ausreicht. Die -5°C am Verdampfer wirst du im Normalbetrieb selten unterschreiten, und wenn doch kurzzeitig, dann ist da immer noch Reserve.
Propylenglykol ist bei uns übrigens Standard wenn Brunnen oder Grundwasser in der Nähe sind, wegen der Umweltverträglichkeit. Auch wenn das Risiko bei geschlossenen Systemen klein ist – manche Behörden schreiben das sogar vor, je nach Region und Wasserschutzzone. Das würde ich vorher mit dem Installateur klären.
Kurze Anmerkung noch: Ethanol würd ich heutzutage wirklich niemandem mehr empfehlen, das ist so gut wie ausgestorben bei Erdwärme. Propylenglykol oder Ethylenglykol, je nach Situation, damit bist du auf der sicheren Seite.
Ich kenn mich mit der Chemie nicht so tief aus, aber bei unserem Wechsel auf Erdwärme (war Thema im Altbau-Thread) hat mir der Techniker damals auch Ethylenglykol mitgegeben. Er hat gesagt solange die Sonde ordentlich tief ist kommt man im normalen Betrieb eh kaum in den kritischen Bereich. Wir haben 30% drin, vielleicht ist das etwas viel aber bisher keine Probleme. Refraktometer hab ich mir auch zugelegt, das geht wirklich einfach.