Ich beschäftige mich seit Wochen intensiv mit der Frage, welche Wärmepumpe für ein unsaniertes Altbau-EFH (Baujahr 1968, ca. 160m², Heizkörper, Vorlauftemperatur derzeit 65-70°C) überhaupt Sinn ergibt. Was mich dabei zunehmend nervt: Die Hersteller werfen einem JAZ-Werte von 4,0 bis 4,5 um die Ohren, ohne dabei auch nur annähernd transparent zu machen, unter welchen Bedingungen diese erreicht werden.
Norm-JAZ unter Laborbedingungen bei 35°C Vorlauf – ja super, aber das hilft mir herzlich wenig, wenn meine Heizkörper ohne Umbau nunmal 65°C brauchen. Bei realen Vorlauftemperaturen von 55°C oder mehr bricht die Effizienz doch deutlich ein, oder? Ich habe vereinzelt Realdaten von Haushalten mit ähnlichem Altbau gesehen, da war die tatsächliche Jahres-JAZ eher bei 2,2 bis 2,8 – also weit unter den Vermarktungsversprechen.
Mich interessiert konkret:
– Welche JAZ-Werte habt ihr oder kennt ihr aus echtem Altbau-Betrieb mit hohen Vorlauftemperaturen?
– Gibt es Typen oder Hersteller, die bei 55-60°C Vorlauf noch vergleichsweise wenig einbrechen?
– Oder ist die ehrliche Antwort: Ohne Dämmung/Heizkörpertausch lohnt sich eine Wärmepumpe schlicht nicht wirtschaftlich?
Ich frage das bewusst im Sommer, weil ich die Planungszeit nutzen will bevor der nächste Winter kommt. Aber bitte keine Hochglanz-Antworten – ich will Realdaten, keine Prospekte.
Ich kenn das Thema, hab mich selbst damit rumgeschlagen – gerade bei der Frage ohne Dämmung zuerst hab ich dazu auch was geschrieben: Wärmepumpe ohne vorherige Dämmung – Jahresarbeitszahl ruiniert?
Kurz gesagt: Ja, ohne irgendwelche Anpassungen am System wird die JAZ im echten Altbau eher mager. Aber die Frage ist halt auch, wie man rechnet. Wenn der Gaspreis weiter so bleibt wo er ist und Strom durch PV teilweise selbst erzeugt wird, kann eine JAZ von 2,8 trotzdem wirtschaftlich interessant sein – auch wenn der Prospekt 4,2 verspricht.
Für Luft-Wasser bei 55°C Vorlauf würde ich realistisch mit JAZ 2,5 bis 3,0 planen, je nach Standort und Dämmstand. Hersteller wie Viessmann oder Vaillant veröffentlichen inzwischen auch Daten bei A7W55, die sind aussagekräftiger als die üblichen A2W35-Werte. Danach vergleichen. Und BAFA-Förderung hilft dabei, den Einstieg finanziell zu puffern, falls die Effizienz tatsächlich hinter den Erwartungen bleibt.
Deine Skepsis ist berechtigt, aber ich würde das nicht ganz so pauschal sehen. Die JAZ hängt im Altbau tatsächlich massiv an der Vorlauftemperatur, da hast du recht. Aber es gibt einen Punkt, den viele übersehen: Die Heizkörper brauchen die 65°C oft nur an wenigen sehr kalten Tagen im Jahr. Wenn du hydraulisch abgleichst und die Heizkurve sauber einstellt, läuft die Anlage im Großteil der Heizsaison deutlich darunter – vielleicht 45-50°C. Und da sieht die JAZ schon ganz anders aus.
Ich hab mich zuletzt viel mit Wasser-Wasser-Systemen beschäftigt (hab das hier im Forum auch mal angesprochen: Welche Installationsarbeiten kann ich selbst abnehmen und Geld sparen?), die liefern gerade bei höheren Vorlauftemperaturen noch ordentliche Werte, weil die Quellentemperatur stabiler ist als Luft.
Realdaten aus echtem Altbau ohne Sanierung: 2,5-3,0 JAZ halte ich für einen soliden Erwartungswert, wenn die Anlage vernünftig eingestellt ist. Unter 2,2 deutet meist auf Fehler bei der Inbetriebnahme hin, nicht zwingend auf eine schlechte Anlage.